19. September 2011, 00:00 Uhr

Wolfsexperten wollen mit Beratung von Tierhaltern Stimmung nicht kippen lassen

Landesumweltamt zieht Konsequenzen aus den jüngsten Schafsrissen bei Spremberg / Bau von schützenden Zäunen soll verstärkt gefördert werden

Welzow In diesen Tagen erhalten Hobbytierhalter in Spremberg, Welzow, Proschim und Terpe Besuch von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Wolfsexperten. Die Fachkräfte wollen die Landwirte vor Ort über Schutz- und Abwehrmaßnahmen gegen Wölfe beraten. In den vergangenen Wochen waren dort immer wieder Schafe gerissen worden.

Karl-Heinz Küssner erwartet in den nächsten Tagen Gäste. Bei dem Proschimer Hobbylandwirt haben sich Wolfsexperten angekündigt. Sie wollen überprüfen, wie sicher Küssners sieben Heidschnucken vor den Wölfen geschützt sind. „Bei mir gab es zwar noch keine Probleme“, erzählt der Proschimer, der seit rund zehn Jahren Schafe hält. Schließlich umgebe ein Elektrozaun seine Koppel im westlichen Teil des Dorfes. „Allerdings lasse ich meine Tiere auch auf den Nachbargrundstücken weiden. Dort müssen noch wirksame Zäune her“, so Karl-Heinz Küssner.

Seit den jüngsten Schafsrissen in den Proschimer Ausbauten, die von seinem Gehöft nicht einmal einen Kilometer entfernt liegen, hat der Landwirt schon ein gewisses mulmiges Gefühl. „Hoffentlich kommen die Wölfe nicht noch näher ans Dorf ran“, wünscht sich Küssner.

Damit dann zumindest seinen Schafen nichts Schlimmes geschieht, wollen jetzt Fachleute die Einzäunungen der Koppeln überprüfen. Und das nicht nur in Proschim, sondern ebenso in Welzow, Terpe und Spremberg. Das hat der hauptberufliche Wolfsexperte des Landesumweltamtes (LUGV), Steffen Butzeck, angekündigt. „Wir beginnen sofort mit der Arbeit. Ziel ist es, dass die Wölfe keine Chance mehr haben, auf Koppeln einzudringen und dort Tiere zu reißen“, erklärt er. Butzeck rechnet dabei mit rund 100 betroffenen Tierhaltern im Gebiet.

Der Experte des LUGV setzt auf den in Arbeit befindlichen neuen Wolfsmanagementplan des Landes. Damit wird es möglich sein, Fördergelder für den Zaunbau bei Hobbytierhaltern auszuzahlen. Denn diese Anlagen seien nicht ganz billig. So kosteten 50 Meter strombespannter Eurozaun rund 90 Euro. Hinzu kämen 300 bis 500 Euro für das entsprechende Schlaggerät.

Steffen Butzeck spürt die Unruhe in der Bevölkerung wegen der sich häufenden Wolfsrisse. „Wir müssen jetzt handeln, denn die Stimmung kann ganz schnell kippen.“ Und das könne niemand ernsthaft wollen.

Indes hat das einstige Welzower Rudel offenbar seine Aktivitäten in den Raum Altdöbern verlegt. Das hat Wolfsforscherin Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro Lupus während eines Vortrages in Welzow bekanntgegeben.

Im Juli waren nach Angaben des Rietschener Wolfsbüros in der Kippenlandschaft des früheren Tagebaus Greifenhain Filmaufnahmen von einem männlichen Wolf gelungen. Darüber hinaus konnten nach Aussagen von Gesa Kluth mit einer Fotofalle zwei verletzte Wölfe registriert werden. Laut den Forschern handelt es sich dabei um Tiere aus dem Raum Welzow. Dort gebe es dagegen derzeit kaum noch Wolfsaktivitäten. Ob es in diesem Rudel 2011 Nachwuchs gibt, wisse man noch nicht. In den vergangenen beiden Jahren waren in der Bergbaufolgelandschaft zwischen Spremberg und Welzow jeweils sechs Welpen aufgezogen worden.

Die jüngsten Übergriffe auf Schafe in Proschim und Terpe gingen wahrscheinlich auf das Konto des benachbarten Seenlandrudels, das seinen Schwerpunkt weiter südlich im Sabrodter Wald hat. Auch bei diesem Rudel konnten im laufenden Jahr noch keine Welpen nachgewiesen werden. Dagegen haben die Forscher beim Spremberger Rudel, das östlich der Stadt lebt, mittlerweile sechs im Frühjahr 2011 geborene Jungtiere festgestellt. Damit steht Spremberg an zweiter Stelle. Die meisten Welpen, nämlich sieben, wurden dieses Jahr im Daubaner Rudel nordöstlich von Bautzen gezählt.

Derzeit leben in der Lausitz nach offiziellen Angaben insgesamt neun Wolfsrudel sowie ein Wolfspaar. Brandenburgweit gibt es ungefähr 50 bis 60 Tiere. Sie sind inzwischen auch im Fläming heimisch geworden.
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Erstellt am: 19. September 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 20. September 2011, 09:30 Uhr
Autor: trt

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