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Spremberg

Wenn die Natur noch einmal durchstartet

Welzow Auf einem Versuchsgelände im Tagebau Welzow-Süd beobachten Cottbuser Wissenschaftler, wie auf kargem Boden ein ganz neues Ökosystem entsteht. Das Leben ist von selbst in die Einöde gekommen. Ringsum Sand, vom Tagebau gezeichnete Landschaften, die in der Hitze dieses frühen Morgens wüstenähnlich wirken.

23.07.2010

Wissenschaft
In sengender Hitze inmitten von Hasenklee, Natternkopf und Robinien: Michael Elmer, Dr. Werner Gerwin und Dr. Wolfgang Schaaf (v.l.) mit einem neuen Gerät zur Bodenfeuchte-Messung.
Und mittendrin, oasengleich, eine grüne Insel, rundherum abgesperrt durch einen Zaun. Wenn die Natur zum Leben erwachen soll, darf kein ungebetener menschlicher Eindringling stören.
Michael Elmer, Dr. Werner Gerwin und Dr. Wolfgang Schaaf jedoch sind nicht ungebeten – im Gegenteil. Die drei Wissenschaftler, die sich gerade mit Basecaps und Sonnenbrille bewaffnen, gehören sogar zu den Geburtshelfern oder besser -beobachtern dieses neuen Ökosystems. Denn wie gesagt: Das Leben kam von selbst – durch fliegende Samen, durch Mikroorganismen im Boden, durch einwandernde Tiere. Ein stolzes Strahlen legt sich deshalb auf die drei Gesichter, als sie das Tor zu ihrem „Baby“, das sich allerdings inzwischen schon zum Vorschulkind entwickelt hat, aufschließen.



Denn es war vor etwa fünf Jahren, als Vattenfall hier in Welzow-Süd begann, das Quellgebiet des vom Tagebau weggebaggerten Bachs „Hühnerwasser“ wieder aufzubauen. Bodenkundler, Ökologen und Hydrologen der Brandenburgischen Technische Universität (BTU) Cottbus erkannten die Gunst der Stunde und ergatterten sechs Hektar der Fläche als Versuchsgelände. Dieses sah folgendermaßen aus: Über die sogenannte Basisschüttung, die in alle Tagebaulöcher eingefüllt wird, wurde eine zwei Meter dicke Tonschicht gelegt und darüber eine etwa drei Meter mächtige Schicht aus eiszeitlichem Sand – eine kahle Fläche entstand, wie sie vielleicht am Ende der letzten Eiszeit in der Lausitz zu finden war. Am unteren Ende des ansteigenden Geländes mit zehn Meter Höhenunterschied wurde eine schüsselförmige Ausbuchtung angelegt, in der sich Wasser zu einem Teich ansammelte. Von sichtbarem Leben auf diesem Sandstreifen war keine Spur.

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Überrascht vom Tempo
„Wir können zwar nicht sagen, dass die Materie absolut tot war. Denn es gab Mikroorganismen oder keimfähige Samen im Sand, das haben Münchner Kollegen bereits untersucht“, berichtet Wolfgang Schaaf. „Doch wir waren zumindest sehr nahe am Punkt null. Das ist sonst nur in Regionen zum Beispiel mit großen Vulkanausbrüchen möglich“, meint der 52-jährige Geoökologe vom BTU-Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung, während er an einer übermannshohen Robinie vorbeigeht. Mehr als 100 der schnellwachsenden Laubbäume wispern im leichten Wind auf der Versuchsfläche – eine Zahl, die die Forscher in dem kurzen Zeitraum nie erwartet hätten.
Land der Ideen 2009 war das Forschungsgelände „Hühnerwasser“ ausgewählter Ort im „Land der Ideen“. Zu den Tierarten, die im Forschungsgelände entdeckt wurden, zählen Säugetiere wie Waldmaus, Feldhase oder Rotfuchs, Brutvögel wie Feldlerche, Rohrweihe oder Bachstelze, Käfer wie der Violette Ölkäfer oder der Goldglänzende Rosenkäfer, Libellen wie die Große Königslibelle oder der Große Blaupfeil und Amphibien wie Erdkröte oder Teichfrosch (Auswahl).
Auf der nächsten Seite lesen Sie von risikofreudigen Erdwespen und finden einen Querschnitt durch das Quellgebiet Hühnerwasser

Steffi Schubert
 
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