04. Februar 2012, 00:00 Uhr

Welcher Monat ist eigentlich der beste?

Was Harri Piel in hundert Jahre alten Zeitungen entdeckt / Bei Kälte kein Wassertragen auf dem Bürgersteig

Zeitungsschau für die Woche vom 27. Januar bis 4.

Februar 1912. Herr Saebisch hatte es Anfang der Woche bemerkt. Der erste Monat des Jahres 1912 ist gleich vorbei. Er holte sogleich in seinem monatlichen Resümee zu seinen berühmt-berüchtigen Rundschlag aus. (…) Die Kapitalien sind knapp, die Kauflust des Publikums ist nicht besonders stark. (…) Hoffen wir jedenfalls für gerechte bürgerliche Erwartungen in Zukunft das beste! Da auf den Januar der Februar folgt und 1912 ein Schaltjahr war, ging er sogleich der aktuellen Frage nach: Was ist besser der 28-, 29- ,30- oder der 31-Tage-Monat? Viele sagen 28 Tage sind das Höhere, denn es gibt schon für vier Wochen dasselbe Geld, wie für 29 bis 31 Tage in anderen Monaten. Das läßt sich hören. Für 29 Tage sprach. Erstens können die Schalttagsmenschen mal richtig Geburtstag feiern und dann – lebt man einen Tag länger im Jahr. Verblüffende Logik – genial. Der Meister wusste noch mehr Schlauigkeiten zum neuen Monat. Da der Februar bei den alten Römern der letzte Monat des Jahres war, ist es logisch, dass der fehlende Schaltjahrestag dort angehangen wurde.

Noch einmal zum Geld. Damals erhielt der Reichskanzler ein Gehalt von 100 000 Mark (1 Mill. Euro !!), Staatssekretäre und Minister so um die 40 bis 50 000 Mark. Und wie heute herrschte das gleiche Dilemma: Da bekommt manch Küchenchef in einem vornehmen Hotel, von großen Sängern, Schauspielern und … Brettlkünstlern gar nicht erst zureden, mehr Geld. Der Direktor einer großen Bank tauscht noch nicht einmal mit dem Reichskanzler.

Es war sehr kalt und viel Schnee gab es auch. Deshalb verbot der Bürgermeister bei Strafandrohung das Wassertragen auf den Bürgersteigen. Ansichtskarten von den Rodelbahnen in der Ratsheide und in der Slamener Schlucht nach Original-Aufnahmen per Stück 5 Pfg. C. F. Saebisch.

Ab dieser Woche bot der Spremberger Stadtanzeiger eine neue vierzehntägige Beilage „Neue Mode“ seinen Leserinnen an. Die erste Beilage erscheint in der heutigen Ausgabe des Anzeigers, (…). Kein Kommentar von uns dazu.

Am 31. Januar starb im 62. Lebensjahre Fernando Tietz. Er war, wie aus den Traueranzeigen ersichtlich, Apothekenbesitzer und Stadtrat, gehörte dem Gemeindekirchenrat und der Kreissynode, dem Konservativen Kreisverein an, auch Mitbegründer und Schatzmeister des Verschönerungsvereins. Die Vorstände des Vaterländischen Frauen u. Diakonissenvereins, des Herbergsvereins und des Kinderheimes kondolierten ebenfalls per Anzeige. Still gedenken wir Spremberger seines 100. Todestages.

Neueste Moden. Archiv: hpl
Extras zum Artikel
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Februar 2012, 03:18 Uhr
Autor: hpl1

hpl1

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren