Und plötzlich haben alle über die Armut nachgedacht
Jugendtheater „Havarie“ in Sprembergs Bergschlösschen
Spremberg
Einen etwas anderen Zugang zum Thema Armut wurde den Siebt- und Achtklässlern des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums am Freitag im Bergschlösschen geboten. Das Theaterstück „Guten Tag schönes Leben“ des Theaters „Havarie“ aus Potsdam hat den 92 Jugendlichen vor Augen geführt, was Armut heißt und was sie beim Umgang mit der Armut beachten sollen.
Nach dem Stück stellen sich die Schauspieler und Regisseurin Ingrid Ollrogge (r.) den Fragen der jungen Spremberger. Foto: Anja Guhlan Foto: Anja Guhlan
Im Stück geht es um Rico, gespielt von Vlad Chiriac, dessen Mutter (Mareike Jaeger) arbeitslos wird, und der nun versucht, den Geldmangel und die Arbeitslosigkeit in der Schule und vor seinen Freunden Max und Paul (Hannes Hohgräve und Thorsten Junge) zu verheimlichen. Als er auch noch eine dänische Austauschschülerin (Alexandra Groß) nicht bei sich aufnehmen kann, wird Rico wütend. Er stiehlt, lügt und wird gewalttätig und trinkt sich ins Koma. Rico bewusstlos am Boden – damit endete das Stück und die Diskussion mit den jungen Zuschauern begann. Wie geht es weiter? Wird Rico aufwachen? Werden sich seine Situation und die seiner Mutter bessern?Einige Jugendliche meldeten sich zu Wort. „Ich denke, Rico bekommt ein Verfahren an den Hals. Wegen des gewalttätigen Angriffs“, meldete sich ein Junge. Andere sehen das Ende optimistischer: „Rico wird aufwachen und dann mit seiner Mutter alles klären“, ertönte es aus den hinteren Reihen.
Eine Schülerin aus der dritten Reihe machte einen Lösungsvorschlag: „Rico könnte seiner Mutter auch helfen, Geld zu verdienen. Als Schüler kann man auch Jobs annehmen.“ Die beiden Autoren des Theaterstückes Ingrid Ollrogge und Günter Jankowiak haben den Nerv der Zeit getroffen. Mit ihrer Alltagsgeschichte, die Armut schildert und die Folgen in den Familien, in der Schule und in der Gesellschaft aufzeigt, regen sie viele Jugendliche zum Nachdenken an. So auch Elisabeth Scharf (14) und Laura Kellbach (14). „Das Stück war sehr real. Es hat mich zum Nachdenken angeregt, wie ich selbst in solch einer Situation handeln würde“, sagte Elisabeth Scharf. „Wir sind ja nicht direkt von Armut betroffen, aber wenn man sich mal in der Stadt umschaut, ist es schon ein Problem“, sagte Laura Kellbach. Das Potsdamer Theater hat am Ende stürmischen Applaus erhalten. Anja Guhlan
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