Dirk Wilking. Archivfoto: Michael Helbig / mih1
Noch lassen sich die Rocker vom Gremium MC Tag für Tag seelenruhig ihr Mittagessen am Spremberger Markt schmecken. Müssen sie bald in den Untergrund abtauchen?

Ein Verbot wie in Hessen wäre in unserer Region gewagt. In Frankfurt trifft der Vorwurf des Verstoßes gegen die Strafgesetze jeweils den gesamten Club. Hier aber handelt nicht die ganze Gruppe kriminell. So hat der frühere Präsident den Gremium MC verlassen, nachdem er wegen Drogenhandels mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Es dürfte schwer sein, seine illegalen Geschäfte dem Club anzuhängen.

Wovon leben die Spremberger Rocker?

Sie gehen in aller Regel einem Beruf nach, oft im Handwerk – und mitunter wohl weniger legalen Tätigkeiten, zu denen in der Vergangenheit Schutzgeld-Erpressung gehörte, Handel mit Anabolika und eben Drogengeschäfte.

Die Spremberger Polizei sieht derzeit keine Anhaltspunkte für Schutzgelderpressung bei Händlern aus der Stadt.

Das mag im Augenblick stimmen. Aber in den vergangenen Jahren sind uns mehrere solcher Fälle bekannt geworden – wenn auch meistens durch Zufall, weil die betroffenen Unternehmer in aller Regel nicht zur Polizei gehen.

Sie beobachten die Spremberger Rockerszene seit vielen Jahren. Das spricht dafür, dass der hiesige Gremium MC in Deutschland einen wichtigen Stellenwert einnimmt.

Auf jeden Fall. Auch wenn die Spremberger nur eine Truppe von ungefähr 15 Mann umfassen, haben sie dafür gesorgt, dass Gremium ein eigenes Chapter – also eine Abteilung – in Berlin bekommt. Vor allem hier in Ostdeutschland gelten sie als wichtige Hausnummer.

Hängt das mit der umtriebigen Naziszene zusammen?

Vordergründig ist der Gremium MC keine politische Vereinigung. Doch mehrere Mitglieder pflegen freundschaftliche Kontakte zur rechtsextremen Szene, zum Beispiel über die gemeinsame Leidenschaft für Fußball.