Spree-Neiße-Kreis sieht keinen Bedarf für neue Altenpflegeheime
Spremberg Die 172 Plätze in den vier Spremberger Altenpflegeheimen waren zum 31. Dezember 2009 zu rund 98 Prozent ausgelastet. In die Schaffung weiterer Plätze zu investieren, das will der Landkreis Spree-Neiße trotzdem nicht empfehlen. „Wir befürchten sonst ein unangemessenes Überangebot“, sagt Stefanie Hannusch von der Pressestelle des Landkreises. Doch laut Stadtplanerin Claudia Wolf laufen die Bauvorbereitungen für drei neue Heime in Spremberg.
In regelmäßigen Abständen erstelle der Landkreis Spree-Neiße einen Altenhilfeplan, so Stefanie Hannusch. Mit der Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Versorgungssituation und unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung werde der künftige Bedarf an ambulanten, teilstationären und stationären Einrichtungen ermittelt. Der Altenhilfeplan habe für Planungen einen empfehlenden Charakter. Zwar sehe auch der Landkreis, dass die Zahl der älteren Bevölkerung zunimmt, doch das spiegele sich nicht oder noch nicht in der Nachfrage zu Pflegeplätzen wider. „Vom Jahr 2008 aufs Jahr 2009 verringerte sich sogar die Inanspruchnahme der Plätze in den Altenpflegeheimen des gesamten Spree-Neiße-Kreises.
Wurden im Jahr 2008 noch 2,43 Prozent der Senioren ab 65 Jahre in einem Altenpflegeheim betreut, so waren es im Vorjahr nur noch 2,31 Prozent“, so Stefanie Hannusch. Von den 947 Plätzen in Altenpflegeheimen spree-neiße-weit waren zum 31. Dezember 2009 genau 895 Plätze belegt. 714 der Senioren kommen aus dem Landkreis, 181 Senioren hatten ihren Wohnsitz außerhalb des Landkreises. Für die Bedarfsermittelung bis zum Jahr 2014 werden die künftige Anzahl der Senioren ab 65 Jahre im Landkreis und die Inanspruchnahmequote der stationären Betreuung aus dem Jahr 2008 zugrunde gelegt. Demnach ergibt sich ein Bedarf von 809 Plätzen im Jahr 2014 – zumindest für Senioren, die ihren Wohnsitz in unserem Landkreis haben. „Die 947 stationären Plätze, die wir derzeit haben, sind somit als ausreichend einzuschätzen“, sagt Stefanie Hannusch.
Sollten entgegen dem tatsächlichen Bedarf weitere Angebote der stationären Betreuung entstehen, so hätte das auch Folgen für die bereits bestehenden Einrichtungen. Es könnte schwierig werden, sie weiterhin wirtschaftlich und sparsam zu betreiben. Da halte sich der Landkreis lieber an den Grundsatz „ambulant vor stationär“, sagt die Pressesprecherin. Alternative Wohnformen, wie ambulant betreute Wohngemeinschaften oder die individuell altersgerechte Anpassung von Wohnraum, müssten mehr in den Vordergrund gestellt werden. „Damit sich die häusliche Pflegesituation vieler älterer Menschen wieder verbessert und somit ein längerer Verbleib in der Häuslichkeit ermöglicht wird“, sagt Stefanie Hannusch.
Die Zahlen aus der Kreisverwaltung machen Stadtplanerin Claudia Wolf nicht unruhig. Der Ausblick muss über 2014 hinausgehen. „Aus der Alterspyramide wissen wir, dass wir im Durchschnitt immer älter werden und damit länger krank und hilfsbedürftig sind. Und wer selbst schon einen Pflegeplatz suchen musste, weiß, wie schwer das in der Region ist“, sagt die Stadtplanerin. Gut ausgelastet seien die Spremberger Heime – vom Pflegezentrum Schomberg, über das christliche Seniorenheim in der Gärtnerstraße bis zu den Heimen im Wiesenweg und in der Muskauer Straße seit Jahren. Von 98 bis sogar 110 Prozent, sagt Claudia Wolf.
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Erstellt am: 16. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 16. März 2010, 09:45 Uhr
Autor: Von Annett Igel

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