Schwarze Pumpe startet mit Abfällen in die Zukunft
2013 startet Probebetrieb im Ersatzbrennstoffheizkraftwerk in Schwarze Pumpe
Schwarze Pumpe
Strapaziert worden ist zur Grundsteinlegung des Ersatzbrennstoffheizkraftwerkes (EBS) in Schwarze Pumpe die Redewendung von dem weinenden und dem lachenden Auge. Doch Gerald Prinzhorn, Geschäftsführer der Hamburger Rieger GmbH & Co. KG hatte dafür andere Gründe als Werner Plonka (SPD), Ortsvorsteher in Schwarze Pumpe.
Während der Grundsteinlegung wird weiter am Brennstoffbunker gebaut. Foto: Annett Igel Foto: Annett Igel
Kupfermünzen, Bauzeichnungen, Bögen von der ersten Papierproduktion im Jahr 2005 in Spremberg und vom aktuellen Tag, der Zollstock des Poliers der Glass Bauunternehmung GmbH, Tageszeitungen - viel passt in die lange Kupferhülse der Grundsteinlegung. Während Uwe Amann, Geschäftsführer der Spreerecycling GmbH & Co. KG, Mark Twain zitiert, schalten die Bauarbeiter das große Licht über der Baugrube des Brennstoffbunkers ein.
Steigende Energiepreise
In einer Zeit ständig steigender Energiepreise werde das EBS die Energieversorgung der Papierfabrik langfristig sichern, sagt Amann. Mit 238 050 Tonnen vorsortierten und möglichst heizwertreichen Haus-und Gewerbeabfällen sollen 17 Megawatt elektrische Leistung und 75 Tonnen Dampf pro Stunden an die Papierfabrik in der Nachbarschaft liefern. Im Januar 2013 werde der Probebetrieb anlaufen. Mit 41 600 Tonnen im Jahr werden 17 Prozent des benötigten Brennstoffes als Faserschlamm und Fangstoffe aus der Papierfabrik kommen. 196 450 Tonnen im Jahr werden über Schiene und Straße angeliefert werden müssen. Genau das macht Ortsvorsteher Plonka Sorgen. Mit 30 bis 40 Lastern am Tag sei zu rechnen, bestätigt Uwe Amann. Doch beide hoffen, dass die Verkehrsbelastung durch die neue Verkehrskonzeption in Schwarze Pumpe die Belastung für die Bürger so gering wie möglich macht. »Andererseits leben unsere Einwohner ja hier seit Jahrzehnten mit der Industrie, sie sichert Arbeitsplätze«, sagt Plonka.
Wunsch nach Bildung
Gerald Prinzhorn treibt das Projektbudget die Tränen in die Augen. »Natürlich wäre es besser gewesen, die 140 Millionen Euro ins Kerngeschäft investieren zu können«, so Gerald Prinzhorn. Aber jetzt sei mit dem Kraftwerk der Standort im Industriepark Schwarze Pumpe gesichert. Der Geschäftsführer der Hamburger Rieger bittet Staatssekretär Henning Heidemanns aus dem Wirtschaftsministerium, einen Wunsch mit nach Potsdam zu nehmen: Das Land müsse noch mehr in die Bildung investieren. »Denn die Auszubildenden, die sich bei uns bewerben, sind in den vergangenen Jahren qualitativ schlechter geworden«, so Gerald Prinzhorn. Der Staatssekretär wird es mitnehmen müssen, denn die Stadt Spremberg selbst, so hatte er zuvor gelobt, habe früh damit begonnen, etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun. Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) spricht nicht von weinenden und lachenden Augen. Er habe sie sich aber ein bisschen gerieben. Noch als Kreisdezernent habe er sich 1991/1992 mit Ersatzbrennstoffheizkraftwerken beschäftigen müssen, bis das Thema schnell wieder ad acta gelegt wurde. »Ich hätte mir damals nicht träumen lassen, dass ich doch noch an einer Grundsteinlegung für ein EBS teilnehmen werde«, sagt Schulz.
Zum Thema:
Zum Thema: Errichten und bedienen wird das Kraftwerk die Spremberger GmbH Spreerecycling. Ihr wirtschaftlicher Eigentümer ist die Hamburger Rieger Papierfabrik Spremberg, die wiederum zu österreichischen W. Hamburger Gruppe gehört.
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