22. Februar 2011, 00:00 Uhr

Mit Kabel quer durch Spremberg

Seismische Messungen mitten in der Stadt / Kleine Station dirigiert 20-Tonner

Spremberg Minustemperaturen sind günstig für die seismischen Messungen, mit denen jetzt der beste Standort fürs Kupferbergwerk bei Spremberg gesucht wird. Das erste Viertel des rund 80 Quadratkilometer großen Areals ist geschafft. Die Daten fürs Kupferschieferflöz südwestlich der Talsperre Spremberg sind im Kasten.

seismische Messungen in Spremberg
Bei minus acht Grad Celsius wurden am Montagmorgen die Geofone im Bienenwinkel gesetzt. Foto: Annett Igel Foto: Annett Igel
Die kleine Station, in der Messtechniker der Deutsche Montan Technologie GmbH (DMT) den Eingang der Daten überwachen und den Fahrern der Vibrationsfahrzeuge die Richtung weisen, ist gerade von Wilhelmsthal nach Weskow umgezogen. Sie nennen sich lieber Observer und wollen möglichst nah dran sein an den 20-Tonnern. Vor den Bildschirmen wird holländisch gesprochen. Rund 300 Blätter mit dunklen Schatten spuckt der Drucker täglich aus. »Es nimmt Form an und wird immer besser«, sagt Lukas Drenth und schüttelt Frank Sauer, Bergingenieur der Kupferschiefer Lausitz GmbH, die Hand.

Nach Abschluss der Messungen im März sollen die Daten eine genaue, räumliche Darstellung des gesamten Kupferschieferflözes liefern. »Reflektiert wird von den Schallwellen aber nicht das Kupfer oder den Kupferschiefer, sondern wir bekommen Daten von der Zechsteinbasis«, erklärt Frank Sauer. Frühestens im August soll es eine Auswertung geben.

Sauer ist froh über die Minusgrade. »Bei Temperaturen unter null bleibt der Boden hart. Die Vibrationsfahrzeuge kommen besser voran, sie sacken nicht so ein, hinterlassen weniger Spuren. Und die Messergebnisse werden auch besser«, erklärt der Bergingenieur. Nur die Männer, die mit den schweren Kabeln zu Fuß unterwegs sind, haben zu kämpfen. Die Geofone für das seismische Messverfahren sind fest in die Erde zu stecken. »Notfalls wird gebohrt«, sagt Frank Sauer.

Zehn bis 15 Kilometer legen die Kabelträger täglich zurück, schätzt Despo Kristel - und das mit den schweren Kabeln und den Rückwegen. Bleu-weiße Bänder, pinke Stäbe, Kabel und Boxen warten in der Ratsheide ebenso wie auf dem Georgen berg und entlang der Forster Landstraße. Auf Wegen und städtischen Straßen werden die Kabel am Boden mit einem Gummimantel gesichert. An den viel befahrenen Straßen wie der Forster Landstraße müssen Kabelbrücken gebaut werden.

Rund hundert Leute arbeiten inzwischen für die DMT an den seismischen Messungen mit. Etwa zehn von ihnen kommen aus der Spremberger Region. Es sei nicht so einfach gewesen, geeignete Leute in der Region zu finden, sagt Frank Sauer. »Auch Studenten aus Spremberg, in Freiberg studieren, sind dabei. Und Praktikanten, die einmal Bergbau studieren möchten. Da haben wir vermittelt«, sagt Frank Sauer.

In Sellessen warten die Hauseigentümer auf den Konvoi. Mit der Kelle stoppt der Begleitschutz kurz den Verkehr. Ungeduldig hupt ein Pkw-Fahrer. Eine Katze flüchtet. Ein junger DMT-Mitarbeiter, eilt den Fußweg entlang. Er misst, was die Häuser aushalten müssen. Den Nachweis bekommen nicht nur die Eigentümer in die Hand gedrückt, sondern wird auch über Jahre in den Akten der KSL bleiben. Dann senkten sich die Rüttelplatten zwischen den großen Rädern der beiden 20-Tonner und der Fußgänger spürt ein kurzes Rucken. »Mehr ist das nicht«, sagt Frank Sauer.

 

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Zum ThemaBis abends 22 Uhr laufen die seismischen Messungen mit den Vibrationsfahrzeugen jetzt täglich in der Spremberger Region. Allerdings nicht in der Stadt. Ab 19 Uhr, so der Bergingenieur Frank Sauer, wird auf eher unbewohnte Strecken an Feld und Wald ausgewichen.
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Erstellt am: 22. Februar 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 22. Februar 2011, 09:48 Uhr
Autor: Von Annett Igel

Von Annett Igel

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