03. Februar 2012, 00:00 Uhr

Linke hält an Strittmatter-Ehrung fest

Fraktionschefin Ilona Schulz will die Stadt nach wie vor in das Jubiläum einbeziehen

Spremberg An den Plänen für eine Ehrung des Schriftstellers Erwin Strittmatter hält die Fraktion der Spremberger Linken fest – trotz eines gegenteiligen Votums der Mehrheit der Hauptausschuss-Mitglieder.

Fraktionschefin Ilona Schulz. Archivfoto: mat1
So erklärt die Fraktionschefin der Linken, Ilona Schulz: „Es war zu erwarten, dass der 100. Geburtstag des märkischen Dichters in seiner Heimatstadt – und nicht nur hier – Diskussionen auslösen würde.“ Seit dem Jahr 2008 liegen neue Erkenntnisse vor zu Strittmatters Rolle im 2. Weltkrieg als Freiwilliger eines Ordnungspolizeibataillons, wie Ilona Schulz anmerkt. Und es sei bekannt, dass er als Sekretär des Schriftstellerverbandes der DDR in den 50er Jahren auch Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit hatte. Dies seien „Brüche im Lebenslauf, zu denen Strittmatter unmittelbar und offiziell bis zu seinem Lebensende keine Stellung bezog“, stellt die Fraktionsvorsitzende fest. „Aber reicht das allein aus, um dem 100. Geburtstag des Dichters in seiner Heimatstadt keinerlei Gedenken zu schenken?“ Erwin Strittmatter sei nicht der einzige Heimkehrer gewesen, der über seine Erlebnisse im Krieg ein Leben lang schwieg.

Die vielen offenen Fragen unter den Teppich zu kehren, wäre nach Ansicht von Ilona Schulz fatal: „Unsere Fraktion hat sich deshalb von Anfang an dafür ausgesprochen, das Jubiläum nicht nur dem Strittmatter-Verein zu überlassen, sondern zu einem Anliegen zu gestalten, an dem sich die Stadt, das Gymnasium, die Bibliothek, Vereine und Bürger gleichermaßen beteiligen.“

Unterdessen bekräftigt der Spremberger SPD-Chef Andreas Lemke die ablehnende Haltung seiner Fraktion: „Wir werden bei unserer Haltung in Sachen Strittmatter bleiben und einer Ehrung durch die Stadt Spremberg nicht zustimmen.“ Das Stadtparlament behandelt die Debatte um den Schriftsteller voraussichtlich am 15. Februar.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 03. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 03. Februar 2012, 03:04 Uhr
Autor: René Wappler

René Wappler

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren