15. März 2010, 00:00 Uhr

In Goethes Gärten geerntet

Musikalisch-literarischer Abend mit Antje und Martin Schneider im Schloss

Spremberg Mit altem Klappgartenstuhl, Vogelbauer, Drahtkorb, Lavendel, dem Rechen aus Holz, der Gießkanne aus Zink und rosa Blüten am Strohhut haben die Frauen der Kreisbibliothek Spree-Neiße den Winter weggepustet. Im Podiumssaal des Kulturschlosses wehte für zwei Stunden ein anderes, ein Weimarer Windchen.

Antje und Martin Schneider staunen, wie ihre Lesungen bei den Zuhörern ankommen. Fotos: Annett Igel
Und das ließen die Autoren und Interpreten Antje und Martin Schneider nach Rosen und Malven duften und nach Kohlrabi und Artischocken schmecken. Unter dem Motto „Dass wir nicht mannichmal im Garten am Haus schlampampsen können“ hatten die Schneiders Gedichte und Auszüge aus Briefen, Tagebüchern und Gesprächen von Johann Wolfgang von Goethe und seinen Zeitgenossen ausgewählt. Und dabei kam eine ganze Menge herum: Sich einen Garten zu nehmen, war im 18. Jahrhundert modern – auch Christoph Martin Wieland nahm sich einen. Kinderfeten organisierte Goethe für den Nachwuchs seiner Freunde. Und Christiane Vulpius, ab dem Jahr 1806 verehelichte Goethe, blühte als Gärtnerin richtig auf. Kirschen einkochen, Zwetschgen trocknen, aus einer Kohlart dem Gatten verschiedene Gerichte zaubern und über Schnecken schimpfen – all das konnte Christiane und wusste Goethe an ihr zu schätzen. Er selbst begutachtete die Blumen, sorgte sich um die Weinernte, zog Pflänzchen heran und Gärtner – wie den späteren Hofgärtner Friedrich Gottlieb Dietrich.

Kurzweilig reihten Martin und Antje Schneider die kleinen Zitatschätzchen aneinander, erklärten, was erklärt werden musste, und hatten mit Gabriele Müller auch eine begnadete Pianistin an der Seite. Sie sprang nicht nur zwischen Spinett und Flügel hin und her, sondern hatte zum Thema Garten ein wunderbares Repertoire zusammengestellt. Einschließlich Beethovens „Mailied“, Bettina von Arnims „Mondenschein“, Mendelssohns „Leise zieht durch mein Gemüt“ und Schuberts „Sah ein Knab ein Röslein stehn“. Der richtige Abend für alle, die sehnsüchtig auf den Frühling warten. Und das war ein ganzer Podiumssaal voller Menschen. Annett Igel

Kleine Gartenidylle unterm Dachjuchhe im Kulturschloss in Spremberg.
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Erstellt am: 15. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 15. März 2010, 09:41 Uhr
Autor: Annett Igel

Annett Igel

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