01. Februar 2012, 00:00 Uhr

Immer ein offenes Ohr für Hartz IV-Probleme in Spremberg

Bärbel Schicht, die Chefin der Arbeitslosen-Service-Einrichtung, geht nach zwölf Jahren im Amt in den Ruhestand

Spremberg Um ihren Eintritt in den Ruhestand hat Bärbel Schicht eigentlich gar keinen großen Aufriss machen wollen. Doch nach über zwölf Jahren als Leiterin der Spremberger Arbeitslosen-Service-Einrichtung geht das wohl gar nicht. Im Rahmen der jüngsten Zusammenkunft der Örtlichen Liga ist die 65-Jährige nun feierlich verabschiedet worden.

Gestern war für Bärbel Schicht der letzte Tag an ihrem Arbeitsplatz in der Arbeitslosen-Service-Einrichtung.
Sogar Bürgermeister Klaus-Peter Schulze war es „ein inneres Bedürfnis, Ihnen Danke zu sagen“, erklärte er gegenüber der gerührten Bärbel Schicht. Im Jahr 1999 hatte die einstige Lehrerin für Russisch und Geografie nach eigener Arbeitslosigkeit und kurzer Zeit in einer ABM-Stelle als Bürgerberaterin die Leitung der Arbeitslosen-Service-Einrichtung in Spremberg übernommen. „Ihre Arbeit war und ist sehr wichtig für Menschen, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, sagte Schulze. Zwar habe sich die Arbeitslosigkeit in der Stadt Spremberg von einstmals 27 Prozent auf inzwischen 10,1 Prozent vermindert, doch der feste Anlaufpunkt für Rat- und Hilfesuchende sei nach wie vor wichtig.

Die Arbeitslosen-Service-Einrichtung an der Spremberger Heinrichstraße steht vor allem Langzeitarbeitslosen offen, die dort Beratung und Beistand für ihre schwierige Lebenslage finden. „Oft geht es darum, den Betroffenen ihre Hartz IV-Bescheide zu erklären. Wir helfen dabei, mögliche Widersprüche zu schreiben und die Rechtsmittel in Anspruch zu nehmen“, erzählt Bärbel Schicht. Die 65-Jährige macht es traurig, wenn die ohnehin schon sozial benachteiligten Familien am Ende nicht mal alle Möglichkeiten, die ihnen zustehen, ausschöpfen – nur weil sie es nicht wissen. „Zuschüsse für Erstwohnungen oder für Klassenfahrten der Kinder sind solche Dinge“, so Bärbel Schicht.

Rund 500 Menschen kommen pro Monat in das zur Arbeitslosen-Einrichtung gehörende Job-Service-Center und lernen dort, richtige Bewerbungen zu schreiben. Dass die Langzeitarbeitslosen von manchen Zeitgenossen oft den Stempel, faul zu sein, aufgedrückt bekommen, macht Bärbel Schicht wütend. „Denn wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft ist es auch hier: Es gibt solche, aber auch ganz andere.“

Am heutigen 1. Februar tritt Bärbel Schicht nun nach mehr als zwölf Jahren an der Spitze der Einrichtung in ihren verdienten Ruhestand. Ihre Nachfolgerin auf dem Posten hat sich die 65-Jährige noch selbst mit ausgesucht: Carola Lademann aus Welzow wird ab sofort die Arbeitslosen-Service-Einrichtung in Spremberg leiten. Die 47-Jährige war einige Jahre lang selbst im Job-Service-Center in Welzow tätig und kennt daher die Probleme sehr gut.

Bärbel Schicht will ihrer Nachfolgerin einen Rat mit auf den Weg geben: Weil der Arbeitslosenverband als Träger der Einrichtung komplett auf Fördermittel angewiesen ist, gibt es beim Geldfluss häufig ein Auf und Ab. „Oft ist nicht klar, ob und wann die Mittel für die verschiedenen Projekte fließen. Wichtig ist dabei, immer dran zu bleiben und niemals aufzugeben“, beschreibt Bärbel Schicht ihre jahrelange Philosophie.

Die 65-Jährige will in den nächsten Wochen ihrer Nachfolgerin Carola Lademann noch im Ehrenamt mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch sie freut sich genauso darauf, künftig mehr Zeit mit ihrer Familie und mit ihren zwei Enkeln verbringen zu können, die schon darauf warten, dass Oma jetzt Rentnerin ist. „Und ich hoffe, endlich auch wieder mehr lesen zu können.“
Staffelstabübergabe: Die langjährige Leiterin der Arbeitslosen-Service-Einrichtung, Bärbel Schicht (r.), und ihre Nachfolgerin im Amt, Carola Lademann. Fotos: cw
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Erstellt am: 01. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 01. Februar 2012, 11:19 Uhr
Autor: Von Catrin Würz

Von Catrin Würz

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