Einst Schutzgebiet, heute Ackerfläche
Scheacks Bruch zwischen Proschim und Welzow war einmal ein Naturrefugium
Proschim/Bluno Scheacks Bruch ist schon lange Geschichte. Wo sich einst das Landschaftsschutzgebiet erstreckte, befinden sich heute weite Feldflächen.
Ernüchternder Blick
Wer heute den ehemaligen Standort von Scheacks Bruch besichtigen will, wird enttäuscht. Direkt an der Grenze zwischen der Nieder- und der Oberlausitz sowie an der Landesgrenze Brandenburg/Sachsen, die durch ein kleines gelbes Schild markiert wird, fällt der Blick in die Richtung des einstigen Landschaftsschutzgebietes ernüchternd aus. Eine weite Feldfläche bestimmt das Bild. Inmitten dieser Ödnis ragt trutzig eine mächtige Eiche empor. Doch am Horizont lockt ein Waldstreifen zur Erkundung.
Doch Spannendes zu entdekcen, gibt es auch dort nur beschränkt. Lediglich ein alter, längst verwilderter Graben deutet auf das viele Wasser, das es dort vor vielen Jahrzehnten gegeben haben muss. Daneben stehen Kiefern, Birken und Eichen, an einer Stelle auch Fichten jüngeren Alters.
Seit ungefähr viereinhalb Jahrzehnten ist Scheacks Bruch endgültig verschwunden. Nach Angaben des damaligen Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Proschim, Werner Marusch, hatte das Gebiet schon in den 1960er-Jahren kaum mehr etwas vom früheren Charme. „Es war einfach Unland“, so Marusch. Da zu DDR-Zeiten landwirtschaftliche Flächen in Größenordnungen gebraucht wurden, fiel die Entscheidung, auch die Überreste von Scheacks Bruch urbar zu machen. „Der Boden war sehr fruchtbar. Dort wuchsen Rüben und Kartoffeln“, erinnert sich der Agrarfachmann.
Ausgetrocknet
Wahrscheinlich haben die nicht weit entfernten Tagebaufelder Spreetal/Bluno zum Ende von Scheacks Bruch beigetragen. Das sagt Erhard Lehmann, der nur einen Steinwurf entfernt im alten Zollhaus geboren wurde. Nach dem Ende der Tagebautätigkeit sei kein Wasser mehr in das Feuchtgebiet geleitet worden. Grundwasseranschluss gab es ohnehin nicht mehr. So sei das Sumpfgebiet schließlich ausgetrocknet, berichtet er.
Erhard Lehmann erzählt, dass in Scheacks Bruch, dessen Name auf frühere Bewirtschafter der Ausflugsgaststätte Zollhaus zurückgeht, vor vielen Jahren Torf abgebaut wurde. Später bildeten sich Wasserflächen, in denen Einheimische gern badeten. Lehmann ist dort nicht schwimmen gegangen, da er Angst vor den dort beheimateten Bibern hatte.
Darüber hinaus wurde Scheacks Bruch vom letzten Gosdaer Gutsherr Bruno von Seydel als Jagdgebiet geschätzt. Nach Angaben des Proschimer Heimathistorikers Johannes Kapelle lebten dort sogar Rebhühner. Diese wurden von der adligen Küche besonders geschätzt. Kinder hätten das weitgehend unzugängliche Buschwerk durchstreifen müssen, um die Vögel aufzuspüren und heraus zu scheuchen.
Am Jahresende 1940 wurde das rund 2000 Quadratmeter große Gebiet unter Schutz gestellt. So steht es im Amtsblatt der Preußischen Regierung in Liegnitz vom 28. Dezember 1940. Demzufolge durften keine der Natur abträglichen Veränderungen vorgenommen werden. Zu DDR-Zeiten schien dieser Schutzstatus keine Rolle mehr zu spielen.
Erhard Lehmann kämpft indes um die Rückgabe von Scheacks Bruch. Schließlich gehören die einstigen Eigentümer zu seinen Vorfahren. Diese waren im Jahr 1953 enteignet worden. An eine Wiederbelebung des Feuchtgebietes denkt der 61-Jährige allerdings nicht. „Auch wenn die Flächen mir gehören, wird dort weiter Landwirtschaft betrieben.“
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Erstellt am: 03. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 03. Februar 2012, 12:15 Uhr
Autor: Torsten Richter/trt1

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