Ärztin schenkt neues Augenlicht
Dr. Sylvia Paulig behandelt Amerikaner mit weltweit einzigartiger Methode erfolgreich
Cottbus Als er nach Cottbus kam, war er blind. Am Mittwoch trat Matthew McEnnerney seine Heimreise in die USA an – als Sehender. Möglich machte das eine weltweit einmalige und von Dr. Sylvia Paulig entwickelte Augenbehandlung. Doch der Amerikaner weiß nicht nur High-Tech und Know-how aus Cottbus zu schätzen. Stadt und Menschen gehören für ihn fortan ins Familienalbum.
Vor zwei Jahren bemerkte Matthew McEnnerney, dass etwas mit seinen Augen nicht stimmte. Schleichend verengte sich sein Sehfeld. Ein halbes Jahr später war er praktisch blind. Seiner Arbeit als Theaterregisseur und Schauspieler konnte er kaum mehr nachgehen.
„Eine Operation war die einzige Hoffnung“, sagt er.
Wissenschaft und Technik sind auf dem Gebiet der Augenchirurgie weit fortgeschritten, weiß der Amerikaner. Tatsächlich haben seine Landsmänner, der Augenarzt Prof. Daniel Schwarz und der Chemieprofessor und späteren Nobelpreisträger für Chemie Robert Grubbs, eine künstliche Augenlinse aus Silikon entwickelt. Das Besondere: Sie kann mit UV-Licht den Sehgewohnheiten des jeweiligen Patienten angepasst werden. Das ist eine Revolution. Doch in den USA ist sie noch nicht zugelassen.
„Und mit den anderen künstlichen Linsen war das Ergebnis nicht vorherzusehen“, sagt Matthew McEnnerney. Er hatte bereits einen Operationstermin in einer der renommiertesten Kliniken der USA. Der 29. Dezember 2011 sollte es sein. Doch die Familie gab nicht auf, suchte weltweit nach Spezialisten und besseren Methoden – und fand sie in Cottbus. Am 23. Dezember hatte der Amerikaner Sylvia Paulig zum ersten Mal am Telefon. Am 4. Januar setzte er sich ins Flugzeug.
Weltweit gibt es höchstens 15 Zentren, die die Behandlung mit den Licht-adjustierbaren Linsen (LAL) – so der deutsche Fachbegriff – anbieten. Die Augenklinik Paulig gehört dazu. Und noch mehr: Die Chefin hat eine weltweit einmalige Methode entwickelt, die dem Patienten ein Sehen in allen Entfernungsbereichen ermöglicht. Binovision hat sie das Verfahren getauft.
Seit fünf Jahren beschäftigt sich Sylvia Paulig mit den Speziallinsen. „Ich bin eine Tüftlerin“, sagt sie. Wenn sie sich einer Sache verschreibt, dann ganz und gar. Deshalb feilt sie weiter. Denn bislang ist ihre Binovision zeit- und damit kostenintensiv. Vier Wochen dauert die Behandlung. „LAL ist mein Baby, für das ich mich verantwortlich fühle. Deshalb werde ich immer weiter daran arbeiten.“
Die vier Wochen Behandlungszeit haben aber auch etwas Gutes – zumindest für Matthew McEnnerney. Er hat neue Familienmitglieder gefunden. So fühlt es sich zumindest an. Dazu gehört das Team der Augenklinik genauso wie das Ehepaar Ilka und Horst Wagner, die Inhaber des „Hotels am Theater“, wo der Amerikaner seit Januar ein Zimmer bezogen hat. Und nicht zuletzt Cottbus selbst. „Wenn ich von einem Ausflug zurückkehre und den Bahnhofsberg runterfahre, dann fühlt sich das an wie nach Hause kommen.“
Am Mittwoch saß er zum letzten Mal bei Sylvia Paulig auf dem Behandlungsstuhl. Dann ging es wieder zurück in die USA. „Ich bin traurig, gehen zu müssen, und glücklich, heimzukehren.“ Für die Behandlung hat die Familie McEnnerney ihre Ersparnisse angreifen müssen. „Welches Preisschild macht man an sein Augenlicht?“, fragt er und erwartet keine Antwort.
Immer mehr internationale Patienten lassen sich in der Cottbuser Augenklinik behandeln. Deshalb hat Sylvia Paulig vor einem halben Jahr eine Praxis in Berlin an bester Adresse eröffnet – an der Friedrichstraße, Ecke Unter den Linden. „Das ist der Anlaufpunkt. Dort machen wir die Diagnostik“, erklärt sie. „Die Operationen finden in Cottbus statt.“
In North Carolina wartet jede Menge Arbeit auf Matthew McEnnerney. Das Musical „Aschenputtel“ produziert er mit seiner Frau Diane. Am 31. März hat es Premiere. Und dann wird er jede Bewegung auf der Bühne genau im Blick haben.
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Erstellt am: 10. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 14. Februar 2012, 15:07 Uhr
Autor: Von Peggy Kompalla

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