Spreewitz/Spremberg
Seit 48 Jahren verziert Rainer Grosa (55) aus Spreewitz Ostereier. Egal ob Wachs-, Ätz- oder Kratztechnik – er beherrscht sie alle. Doch im Jahr 1978 hat er sich auf eine Technik spezialisiert und kratzt fortan in die Eierschalen nur noch filigrane Muster.
Rainer Grosa kommt regelmäßig zum Ostereiermarkt in Spremberg. Archivfoto: ak
„In die Ostermalerei bin ich eher hineingewachsen. Mit sechs Jahren haben mir meine Eltern das Verzieren von Ostereiern beigebracht“, erzählt Rainer Grosa. Angefangen hatte er damals mit der Wachstechnik. Als er kleine Fehler auf dem gewachsten Ei reparieren wollte, kratze er sie einfach sie weg. „So kam ich doch eher zufällig zu der Kratztechnik“, sagt der 55-Jährige. Die Technik eignete sich Rainer Grosa selbst an, indem er Bücher darüber las oder anderen Profis über die Schulter schaute. Bis heute hat er sich selbst bis zum Profi hoch gekratzt, sagt er und schmunzelt an. Auch an Wettbewerben habe er teilgenommen und sogar das eine oder andere Jahr den ersten Platz belegt.
Bei der Kratztechnik werden zunächst die ausgeblasenen Hühner-, Gänse- oder Straußeneier mit Textilfarbe eingefärbt. Anschließend kratzt der 55-Jährige mit verschiedenen Hartmetallen wie einer angeschliffenen Rasierklinge kunstvolle Muster in die Eierschale. Pro Ei seien das bis zu 8000 Kratzer, schätzt er.
Rainer Grosa fing mit kleinen grafischen Motiven an. Heute verkauft er Eier in allen möglichen Farben und mit kunstvollen, filigranen Mustern. 37 Motive bringt der Spreewitzer auf die verschiedenen Eier. „Für das Kratzen braucht man eine ruhige Hand, den gewissen Weitblick, wie das Ei am Ende aussehen soll, und vor allem Geduld“, sagt Rainer Grosa. Ein Ei zu verzieren dauere im Schnitt eine bis vier Stunden, je nach Motiv und Größe.
„Für mich ist das Eierkratzen auch ein Ausgleich zu meinem Beruf. Es hilft wirklich beim Stressabbau“, erklärt der 55-Jährige, der als Elektriker in Schwarze Pumpe arbeitet. Sobald die Tage in den Herbstmonaten kürzer werden, fange er mit dem Eierkratzen an. Jetzt kurz vor Ostern erreiche er seine Höchstleistung. Keine Frage: Rainer Grosas Fertigkeiten sind mehr als nur ein launiges Hobby. Jedes von ihm gestaltete Ei ist ein kleines Kunstwerk. Am morgigen Karfreitag wird er deshalb seine gekratzten Eier im Spremberger Kulturschloss beim traditionellen Ostereiermarkt des Niederlausitzer Heidemuseums mit anderen Volkskünstlern ausstellen.
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