„Solarmobile wären großartig“
RUNDSCHAU-Gespräch mit Sven Tischer, Wirtschaftsförderer des Amtes Burg
Der Wirtschafts- und Sozialgeograf Sven Tischer ist seit dem vergangenen Sommer Wirtschaftsförderer des Amtes Burg. Wir sprachen mit dem 28-Jährigen über Probleme und Potenzen des Kurorts und der umliegenden Gemeinden.
Um Bestandspflege. Das ist mindestens so wichtig wie die Ansiedlung neuer Unternehmen. Wir wollen wissen, welche Probleme, aber auch welche Vorteile die Unternehmer am Standort Burg sehen. Was sie von der Wirtschaftsförderung erwarten und wo man zusammenarbeiten kann.
Einen Unternehmerstammtisch halte ich für einen guten Weg. Aber auch Unternehmensnetzwerke sind vorstellbar. Vorteile könnte zum Beispiel die gemeinsame Nutzung von Maschinen bringen.
Wie viele Unternehmen gibt es denn im Amtsbereich?
Mehr als 1030 angemeldete Gewerbe. Bis Mitte Februar erwarten wir die Antworten. Die Fragebögen findet man über die Homepage des Amtes www.amt-burg-spreewald.de. Sie sollten bis zum 15. Februar ausgefüllt werden.
Stichwort Neuansiedlung: In jüngster Zeit war häufig von Wachstumsgrenzen des Kurorts die Rede. Immer mehr Paddler stören die Ruhe auf den Kahnrouten. Der Verkehr im Ort hat das Niveau einer mittleren Stadt erreicht. Verlieren erste Investoren bereits das Interesse an Burg?
Eindeutig nein. Burg ist stark nachgefragt bei Investoren. Uns geht es bei Neuansiedlungen aber nicht um Quantität, sondern um mehr Qualität. Neue große Hotels sind nicht mehr gewünscht. Wir wollen keinen Massentourismus. Und wir wollen eine spürbare Verkehrsberuhigung erreichen.
Auch auf den Fließen?
Wir brauchen ein Wassertourismuskonzept, das die Situation durch gezielte Lenkung der Besucher entschärft. Ein vernünftiges Info-System gehört dazu. Und eine gute Beschilderung ist das A und O. Auch über Einbahnregelungen auf den Fließen sollten wir in Zukunft nachdenken. Und über eine Quote für Paddelboote. Solch ein Masterplan wird gerade spreewaldübergreifend erstellt.
Der Gemeindevertreter Frank Hildebrandt (WG Gemeinsam für Burg) hat kürzlich im RUNDSCHAU-Gespräch vorgeschlagen, die Gäste am Dorfrand in solarbetriebene Shuttles oder auf Kutschen umsteigen zu lassen. Was halten sie davon?
Solarmobile für Burg wären auch großartig als Vorzeigeobjekt für eine Gemeinde, die sich an erneuerbaren Energien ausrichtet. Projekte dieser Art will die Europäische Union ab dem Jahr 2014 verstärkt fördern. Wir setzen auf ein gemeinsames Energiekonzept im Spreewalddreieck mit Vetschau, Lübbenau und Calau. Solarflächen und Biogas, aber auch Algen zur Energiegewinnung sind eine interessante Sache. Man muss über den eigenen Tellerrand hinausschauen und für alles offen sein.
Mit den Nachwirkungen der Entwicklungsgesellschaft Burg (EWG) hat Burg immer noch zu kämpfen. Von Insolvenz ist die Rede. Hat das Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Ich sehe mich nicht als Nachfolger der EWG, sondern als Wirtschaftsförderer für das gesamte Amt Burg. Dass die Stelle direkt im Amt angesiedelt ist, hat viele Vorteile. Einer ist die unmittelbare Verbindung von Bau und Tourismus. Außerdem wird es möglich, bei Nachfragen von Investoren Verwaltungsabläufe zu beschleunigen.
Was gehört noch zu Ihren Aufgaben?
Ich verwalte die freien Gewerbeflächen, übe Bestandspflege. Und Gründungswillige können sich bei mir beraten lassen.
Mit Sven Tischer
sprach Ulrike Elsner

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