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Senftenberg

Wellfleisch, Plinse und Schalmeien

Tettau Der Umzug vom großen Partyzelt ins neu renovierte Vereinsheim der Tettauer Kleintierzüchter hat sich gelohnt. Die Besucher des zweiten Tettauer Schlachtefestes haben den neuen Veranstaltungsort angenommen. Obwohl das Heim mit rund 300 Sitzplätzen aus den Nähten platzte, klappte die Versorgung mit den beliebten Hausschlachtespezialitäten, darunter Wellfleisch, Grützwurst sowie Eisbein mit Sauerkraut bestens.

08.02.2010
Mit einer Mischung aus Essen und kulturellem Programm haben der Tettauer Fleischermeister Dirk Bennewitz und das Schalmeienorchester um Reiner Lesche dieses Schlachtefest zu etwas Besonderem gemacht.

Schon eine halbe Stunde nach dem Beginn hieß es, der Glühwein müsse nachgeordert werden. Für reichlich Essen war allerdings gesorgt. „Wir haben insgesamt 80 Eisbein-Portionen, mehrere 100 Portionen Wellfleisch und rund 60 Kilogramm Sauerkraut besorgt, damit jeder Gast etwas abbekommt“, erklärt Fleischermeister Dirk Bennewitz. Er war gerade dabei, die vier großen Kessel neu zu befüllen.

Das Wellfleisch stammte von 30 verarbeiteten Schweinebauchhälften. Wie bei einem richtigen Hausschlachtetag richtete sich das Essensangebot nach den Geflogenheiten: „Zuerst gibt es Wellfleisch und Eisbein, später, so ab 16 Uhr, folgen Grützwurst und Schlachteplatte“, erzählt Bennewitz weiter.

Susanne Schwarze (46) zeigt einen Schal aus Alpaka-Wolle.
Damit das Warten nicht so lang erscheint, konnten die Besucher den Tettauer Frauen beim Stricken, Spinnen oder Federnschleißen über die Schulter schauen. Wolle spinnt Susanne Schwarze zu einem braunen Wollknäuel. „Seit gut zehn Jahren beschäftige ich mich mit Alpakas. Derzeit haben wir sechs Tiere, drei Stuten, einen Hengst und zwei Jungtiere zu Hause“, erklärt die Tettauerin. Ihr erstes Jungtier hatte sie erhalten, nachdem das Muttertier es abgestoßen hatte und es mit der Flasche großgezogen werden musste.

Nach einem Intensivlehrgang in Schwarzkollm verarbeitet sie seit sechs Jahren die Wolle im eigenen Haus und weiß den Unterschied zu Schafwolle zu schätzen. „Die Wolle der Alpakas ist sehr lang und reißt nicht so schnell wie Schafwolle. Sie spinnt sich sehr schnell weg“, sagte Susanne Schwarze und zeigt einen gestrickten Schal.

Christine Hesse aus Berlin (links) schmeckte es. Foto: R. Kupfer
Foto: R. Kupfer
Was heute die Tupperwaren-Partys sind, waren früher die Spinte-Abende. Frauen aus dem Ort trafen sich, um gemeinsam beim Federnschleißen Neuigkeiten zu erfahren. Gänse-, Hühner und Entenfedern werden übers Jahr vom geschlachteten Vieh gesammelt und schließlich in mühsamer Handarbeit verarbeitet. „Wir reißen hier Federn vom harten Kiel, sodass am Ende die feinen Daunen fürs Federbett entstehen“, verrät Erika Eifler, die zusammen mit anderen Frauen ihres Alters die Handarbeit vorführt. Mit gekonnten Handgriffen verwandelt sie die großen Federn in feinste Daunen. „Mit 20 habe ich angefangen, Federn zu schleißen. Es war eine mühsame Arbeit. Meistens haben wir um 17 Uhr angefangen und saßen bis Mitternacht. Nicht selten mehrere Tage hintereinander“, kann sich die 74-Jährige noch gut erinnern.

Mit Buttermilchplinsen von Sylke Wachtel und weiteren Mitgliedern des Heimatvereins haben sich einige Gäste den Nachmittag versüßt. Das Rezept stammt von Familie Noack aus Tettau. Das Schalmeienorchester Tettau/Frauendorf und die Schwarzheider Blasmusikanten haben für Stimmung gesorgt. Am Abend war Tanz.

„Hier haben sich alle wohlgefühlt. Das Tettauer Spartenheim ist für solche Veranstaltungen bestens geeignet“, resümiert Mitorganisator Reiner Lesche. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Im nächsten Jahr wird es eine Neuauflage des Schlachtefestes geben“, sagt Bürgermeister Siegmar Petrenz.
 

Von Mirko Sattler und Rudi Kupfer
 
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