Die Seebrücke des neuen Stadthafens Senftenberg (r.) soll fest in den Seegrund gebaut werden. Die Ostmole (l.), an der nunmehr ein Bootssteg mehr als zuvor geplant angedockt wird, wird in der Tiefe verankert und bleibt ein schwimmendes Element. Zeichnungen: LSB
Der Baugrund des Bergbaufolgesees Niemtsch ist so problematisch, dass das nunmehr für den Baugenehmigungsantrag endgültige Stadthafenkonzept nochmals grundlegend geändert worden ist. »Nur die Seebrücke soll noch fest in den gekippten Boden gerammt werden«, erläutert der Projektleiter. Alle anderen seeseitigen Hafenteile werden schwimmende Elemente sein.

Spülkippe zu labil

Die Seebrücke als Fahrgastanleger und Wellenbrecher (Westmole/siehe Grafik oben) sowie die begehbare Steg-Konstruktion für die Bootsanleger (Ostmole) sollten bislang mit bis zu 60 Meter langen Betonpfählen standsicher gegründet werden. Doch das Terrain befindet sich vollständig auf einer Spülkippe mit äußerst begrenzter Tragfähigkeit, auf der zudem auch noch eine Pflugkippe liegt. Deren noch lockere Sande hatte der Braunkohlebagger dort abgeworfen. Die gewaltigen Pfähle müssten deshalb so dicht beieinanderstehen, dass die Kosten für das Gründen der Bauwerke auf diese Weise unrealistisch ist, erklärt Nitsch. »Auch die Rütteldruckverdichtung des Seebodens ist nicht bezahlbar«, begründet Torsten Nitsch den Abschied von der bisherigen Alternativ-Variante.

Nunmehr soll nur die Westmole auf ganzer Länge starr im Seegrund verankert werden. Die Ostmole, die Bootssteg-Anlagen aufnimmt, wird dauerhaft schwimmen.

»Für die Seebrücke wird ein Fangedamm in den Seegrund getrieben«, erklärt Torsten Nitsch. »Das ist eine doppelte Spundwand, zwischen deren beiden Wänden der Kippenboden bis in große Tiefen zu Erdbeton verpresst wird«, erläutert der Projektleiter. Der so gefestigte Seeboden nehme dann die massive Stahlbetonkontruktion der gewaltigen Seebrücke auf. Und das auf ganzer Länge.

Kostengesenkt teurer

Um diese technisch umsetzbare und finanzierbare Lösung hätten sich erfahrene Böschungssachverständige, »die zum Glück auch den Erschließungsprozess des Tagebaus noch ganz genau kennen«, verdient gemacht. Alte und neue Bergbauunterlagen seien dabei gleichermaßen hilfreich gewesen, so Torsten Nitsch.

»Die Hafenanlage ist kostensenkend optimiert worden«, konstatiert er. Insgesamt werde der Senftenberger Stadthafen, der nach bisherigen Aussagen etwa neun Millionen Euro verschlingen sollte, aber durch deutlich schwierigere als erwartete Baugrundbedingungen teurer. Die Änderungen in den Plänen haben allerdings auch Vorteile: Am schwimmenden Anleger können jetzt mehr der heiß begehrten Bootsliegeplätze entstehen, sagt Volker Mielchen vom Zweckverband. Dieser werden zehn Meter länger als ursprünglich geplant, sodass im inneren Hafen nunmehr drei statt bisher zwei Bootsanleger angedockt werden könnten. Für die 55 Dauerliegeplätze am Senftenberger Stadthafen gibt es seinen Angaben zufolge bereits 160 Bewerber. »Selbst wenn nicht alle der derzeitigen Interessenten auch Verträge abschließen, ist der Bedarf deutlich größer als das Angebot. Wir brauchen im Seenland weitere Standorte«, erklärt er. An der Außenseite der festen Seebrücke sollen neben zwei Fahrgastschiffen auch die Kanu-Wanderer anlegen.

Neben dem Schwimm-Anleger wird der »technische Hafen« mit Tankstelle und Abwasserentsorgungseinrichtungen entstehen. »Ein Werftbetrieb ist in Stadtnähe nicht möglich und auch nicht erwünscht«, erklärt Volker Mielchen. Diese Dienstleistungen sollten anderen Seen bieten.

Direkter See-Zugang

»Und wir schaffen einen direkten Zugang vom Hafen zum Wasser«, kündigt der Zweckverbandsplaner an. Schwankungen des Gewässerspiegels von einem bis zu 1,20 Metern seien zu berücksichtigen. An der westlichen Uferlinie, am Ende der See-Promenade, werde eine Treppe zum See gebaut, »um direkten Wasserkontakt zu ermöglichen«, kündigt Volker Mielchen an.

Das Hafenfunktionsgebäude werde eingeschossig mit zwei Durchgängen gestaltet.
Die Seebrücke und das Hafenfunktionsgebäude im Hintergrund.