04. Februar 2012, 00:00 Uhr

Schwarzheider Kies für neue F 169

Neben Kohle wurde ein weiterer Bodenschatz gewonnen

Schwarzheide Kaum jemand weiß heute noch, dass es in Schwarzheide-West früher mehrere Kiesgruben gegeben hat. Ohne den dort gewonnenen Kies wäre der Bau der ersten Ortsumfahrung der Region wohl nicht möglich gewesen.

Blick in die alte Grube, aus der das Material zum Bau der Fernverkehrsstraße zwischen Ruhland und Schwarzheide gewonnen wurde. Foto: trt1 Foto: trt1
Tausende Autos rollen täglich über die B 169 zwischen Ruhland und Lauchhammer. Seit 1950 erspart die schnelle Verbindung zeitraubende Ortsdurchfahrten von Schwarzheide und Lauchhammer. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts führte die damalige Reichsstraße 169, identisch der Ruhlander und Lauchhammerstraße, durch Schwarzheide gen Westen. Holpriges Pflaster und die berüchtigten „Katzenköppe“ bildeten in großen Abschnitten die Fahrbahn.

Aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens wurde Ende der 1940er-Jahre der Bau der Umfahrung südlich beider Orte konzipiert. Eine Nordvariante schied von vornherein aus, da sich dort der Tagebau Friedländer, später Tagebau Schwarzheide, erstreckte. Um einen stabilen Fahrbahnuntergrund herzustellen, war hochwertiger Kies erforderlich. Diesen Rohstoff gab es in zwei Gruben südlich der Mückenberger Straße zwischen Schwarzheide-West und Lauchhammer-Süd (damals Dolsthaida).

„Die eine gehörte früher zum Gasthof Schieschke, die andere zum Gasthof Socher“, erzählt das Schwarzheider Urgestein Gerhard Richter. Später habe Gastwirt Schieschke seine Grube der damaligen Gemeinde Schwarzheide verkauft. Zuvor sei dort Kies für den Hausgebrauch gewonnen worden.

Vor rund sechseinhalb Jahrzehnten wurde die Kiesgrube aufgrund des Baus der neuen Fernverkehrsstraße 169 erweitert. Ohnehin waren die Arbeiten an der neuen Ost-West-Verbindung recht aufwendig, da zuvor der Moorboden, bedingt durch die Nähe zur Schwarzen Elster und der Lage im Urstromtal, entfernt werden musste. Gerhard Richter erinnert sich an einen Bagger und eine Lok, die sich in der Kiesgrube im Einsatz befanden. Der 84-Jährige weiß, dass der begehrte Rohstoff nur solange abgebaut wurde, bis der Straßenbau abgeschlossen war. Anschließend sei das Areal zunehmend in Vergessenheit geraten und schließlich zugewachsen.

Heute erstrecken sich die Reste der alten Kiesgrube unmittelbar neben dem Firmengelände der Fränkischen Rohrwerke im Gewerbegebiet Schwarzheide-Süd. Besucher benötigen schon detailliertere Ortskenntnisse, um die Umrisse des einstigen Abbaugebietes auszumachen.

Eine entsprechende bewegte Topografie in der Landschaft weist darauf hin. In der Kiesgrube befindet sich noch heute Wasser. Dichtes Weiden- und Erlengebüsch versperrt den Weg. Den großen Solitärbaum in der Mitte der Grube als eine Art „Wahrzeichen“ gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.

Die einstigen Eigentümer hatte das Schicksal schwer getroffen. Der Gasthof Schieschke, der sich an der Ecke Lauchhammerstraße/Kostebrauer Straße befand, brannte im Jahr 1945 aus. Die Reste der Gastwirtschaft wurden an die Gemeinde verkauft. Schieschkes zog es dann in die Bautzener Gegend.

Die Sochersche Kiesgrube, die sich nur einen Steinwurf von ihrer „großen Schwester“ entfernt befand, ist in Gänze verschwunden. Laut Gerhard Richter wurde das Gelände begradigt und später mit Kiefern aufgeforstet. Der Gasthof Socher in der Lauchhammerstraße wurde später als Turnhalle der Otto-Hurraß-Oberschule genutzt. Heute dient das Gebäude den Karnevalisten als „Narrenhof“. Die frühere Eigentümerin lebt hochbetagt in Brieske.

Ebenfalls nur noch in der Erinnerung existiert das Kiesabbaugebiet an der alten Schipkauer Straße in Schwarzheide-West. Heute befindet sich dort reliefreiches Kippenland. „Früher hatten die Arbeiter dort den Kies für den Bau der damaligen Karl-Kittelmann-Straße in Schwarzheide-Ost gewonnen“, sagt Richter. Das war nach Angaben des gebürtigen Zschornegosdaers zu Beginn der 1950er-Jahre.

Während die Kiesgruben weitgehend verschwunden sind, existieren die Straßen, zu deren Bau sie maßgeblich beitrugen, noch heute. Aus der Reichsstraße 169 wurde die Fernverkehrsstraße 169 und schließlich die Bundesstraße 169. Die Karl-Kittelmann-Straße, benannt nach dem ersten Schwarzheider Nachkriegsbürgermeister, heißt heute Naundorfer Straße.
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Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Februar 2012, 03:34 Uhr
Autor: Von Torsten Richter

Von Torsten Richter

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