Platzverweis für Storchen-Schwarzbau
Der Spreewälder Dirk Molks (44) entfernt das Nest "schweren Herzens". Foto: Mirko Sattler/sam1

Schwarzbach. Freitagvormittag vor Hausnummer 13 in der Straße der Freundschaft: Dirk Molks (44), Elektroniker für Betriebstechnik beim regionalen Stromversorger, lenkt den Arm des Kranes aufwärts und schreitet zur Tat. Der im Spreewald heimische und dort praktisch "mit den Störchen aufgewachsene" Mann nimmt "schweren Herzens" den von Adebar aus trockenem Gestrüpp sorgfältig verwobenen Nestboden vom Strommast.

Der Energieversorger greift selten in die Wohnort-Wahl von Störchen ein, versichert Anlagenmanager Thomas Zinke. "Ohne Nisthilfe geht von dem Nest aber eine Gefahr sowohl für die Tiere als auch die des Auslösens eines Kurzschlusses aus", sagt er.

Im angestammten Horst hinter dem Bürgerhaus ist das Storchenpaar zu Pechvögeln geworden. Die diesjährigen Jungen, so berichten die Dorfbewohner, seien nach dem heftigen Dauerregen im Nest ertrunken. In den folgenden sonnigen Tagen habe der Storch dann begonnen, auf dem Mast in der Anliegerstraße ein neues Heim zu errichten.

Matthias Pöch und seine Frau Yvonne, die auf dem Grundstück ihr schmuckes Eigenheim erst kürzlich bezogen haben, haben den Schwarzbau nicht gemeldet. "Wir sind abergläubisch", sagt der Hausherr. "Der Storch bringt schließlich die Kinder, und wir erwarten im Dezember unseren ersten Nachwuchs", bestätigt der werdende Vater vergnügt. Ein junger Storch habe sich abgemüht, um das Nest zu bauen. "Und die Störchin war schon Probe sitzen", erzählt Pöch. Gegen die Rückkehr hat der Mast nun eine Abwehrvorrichtung.

"Ich bin sehr verwundert, dass das begonnene Nest abgestoßen wurde", erklärt Winfried Böhmer aus Vetschau, der Storchen-Experte, dem das Internet-Nest im Spreewald zu verdanken ist. "Schon seit DDR-Zeiten gilt, dass begonnene Nester auf Niederspannungsmasten belassen werden und im Herbst entschieden wird, ob dann eine Nisthilfe untergebaut wird. Das hängt davon ab, ob sich ein Storchenpaar dauerhaft bis zum Abflug gen Süden am neuen Nest aufhält", erläutert er. Die Tiere bauten manchmal auch nur Spielnester. Dann hielten sie sich aber nicht nachts und dauerhaft dort auf. Bei diesem Niederspannungsmast bestehe weder die Gefahr eines Kurzschlusses noch seien bei dieser Spannungshöhe die Störche gefährdet. "Analoge Fälle hatten wir allein in den letzten drei Jahren in Stradow, Müschen und Raddusch", sagt Böhmer. Immer seien die begonnenen Nester auf dem Mast belassen und bis zum Frühjahr dann eine Nisthilfe auf dem Mastkopf montiert worden. Die Vereinbarung lautet: Der Naturschutzbund Deutschlands (Nabu) stellt die Nisthilfe, der Energieversorger nimmt die Montage vor. "Die speziellen Nisthilfen für Niederspannungsmasten, auch Calauer Nisthilfe genannt, sind im Storchenzentrum Vetschau vorrätig", sagt Böhmer.

Der Experte wagt noch eine Ferndiagnose zum vermeintlichen Wassertod des Schwarzbacher Strochennachwuchses: Viele Küken werden bei feucht-kühlem Wetter von Aspergillose befallen und sterben daran. Das ist eine Schimmelpilzinfektion. Die Lunge wird angegriffen. Mehrere Jahre lang haben die Spreewälder Naturschützer plötzlich verendete Storchenküken untersuchen lassen. "Sehr häufig war die Todesursache nicht Unterkühlung, sondern diese Schimmelpilzerkrankung", erklärt Böhmer.

Der Schwarzbacher Pechvogel des Vorjahres, ein Jungstorch mit einem Kippflügel, hat den Abflug übrigens im Herbst noch geschafft. Das bestätigt der Redderner Revierförster Gernod Heindel, der das Tier aufpäppelt hat. Als Rückkehrer wird er aber frühestens nächstes Jahr erwartet.