20. Mai 2008, 00:00 Uhr

Noch kein «altes Eisen»

Großräschen. Es ist seit acht Jahren seine erste Festeinstellung. Vor 20 Jahren hat er letztmals in seinem Beruf als Instandhalter gearbeitet. Für Gerd Frindt aus Freienhufen gleicht sein neuer Job bei Zemmler Großräschen einem Fünfer im Lotto. «Mit 52 Jahren bekommst du solch eine Chance nicht auf dem Silbertablett serviert» , weiß der erfahrene Handwerker, der sich in all den Jahren zuvor nur von einer befristeten Stelle zur nächsten gehangelt hatte.

Zemmler
Gerd Frindt (r.) mit seinem neuen Chef Heiko Zemmler in der gleichnamigen Großräschener Firma für Recycling- & Aufbereitungstechnik im Gewerbegebiet am Woschkower Weg. Foto: Steffen Rasche
Für Geschäftsführer Heiko Zemmler ist die Neueinstellung «nichts Besonderes» . Ältere Arbeitnehmer sind für ihn das Salz in der Suppe. «Sie haben ein unheimliches Maß an Einsatzbereitschaft und Fachwissen, sind mit der Region verbunden und können als gelernte DDR-Bürger hervorragend improvisieren. Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit und Ordnung sind für sie selbstverständlich» , nennt Heiko Zemmler nur einige Vorteile, die für ihn auf der Hand liegen. Seine 12-Mann-Mannschaft ist daher selbstverständlich gemixt und relativ ausgewogen. 26-Jährige gehören genauso zum Team wie drei über 50-Jährige.
Gerd Frindt hat beim heimischen Siebanlagen-Hersteller angeklopft, als innerhalb eines Lehrganges bei der TÜV-Akademie Lauchhammer ein Praktikum anstand. Arbeitslose im Alter zwischen 50 und 60 Jahren wurden dabei fit gemacht in der Metall- und Kunststofftechnik. Gerd Frindt hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, diese Weiterbildungschance wahrnehmen zu dürfen. «Dass bei uns die Chemie stimmt, haben wir schnell gemerkt» , schätzt Chef Heiko Zemmler ein. Welche handwerklichen Fähigkeiten abrufbereit sind, brachte das Praktikum zu Tage. Gerd Frindt wurde trotz oder gerade wegen seines Alters nahtlos ab 8. Mai unbefristet eingestellt. Er arbeitet jetzt Vollzeit und ist mit dem Herstellen von Förderbandrahmen für Siebanlagen beschäftigt. Für ihn ein Volltreffer nach mehr als 20 Bewerbungen und vielen Absagen. «Nur noch zwei Monate. Dann wäre ich in Hartz IV gerutscht» , erzählt der Mann mit den goldenen Händen, die Firmeninhaber Heiko Zemmler inzwischen zu schätzen weiß. Die Agentur für Arbeit in Senftenberg begleitet den eher untypischen Werdegang des 52-Jährigen und übernimmt den Lohnkostenzuschuss. «Weil Gerd Frindt sehr lange aus seinem Beruf raus war, flankieren wir seinen Wiedereinstieg» , so Mathias Wagner vom Arbeitgerberservice der Agentur für Arbeit.
Laut Heiko Zemmler will das Unternehmen für Recycling- und Aufbereitungstechnik weiter Schritt für Schritt wachsen. Der Ersatzteilversandhandel der Firma floriert bereits von Norwegen bis Liechtenstein.
Hintergrund Erfahrener und reifer
  • 2992 Arbeitslose im Geschäftsstellenbereich Senftenberg sind 50 Jahre und älter (Stand April 2008). Das entspricht einem Anteil von 33,6 Prozent, also rund ein Drittel aller Arbeitslosen.

  • Die Arbeitslosigkeit ist laut Geschäftsstellenleiter Sven Mochmann bei 50-Jährigen und Älteren um 258 Personen zurückgegangen, was 7,9 Prozent entspricht.
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    Erstellt am: 20. Mai 2008, 00:00 Uhr
    Geändert am: 20. Mai 2008, 11:31 Uhr
    Autor: Von Andrea Budich

    Von Andrea Budich

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