„Ich muss noch ganz schön trainieren. Lord und Leo spielen noch nicht so richtig mit“, sagt Günter Pissang lachend. Mit einem kräftigen Ruck fixiert der 68-Jährige seinen Einscharpflug neu in der schon gezogenen Furche auf dem Stoppelfeld gleich neben seinem Wohnhaus und schnalzt mit der Zunge. Lord und Leo, die beiden Kaltblut-Wallache, reiben die Köpfe aneinander und setzen sich schaukelnd wieder in Bewegung. Die sechs und fünf Jahre alten Pferde sind noch relativ jung und haben kaum Erfahrung beim Ackern auf dem Feld. „Sie laufen noch nicht gleichmäßig genug, damit die Furche perfekt ist. Aber ich hoffe, wir kriegen das bis Sonntag noch hin“, sagt Pissang optimistisch.



An diesem Wochenende wird der Grünewalder zu den etwa ein Dutzend traditionsbewussten Landwirten gehören, die sich in der alten Kunst des Ackerbaus mit Pferd und Pflug auskennen und in einem Wettstreit antreten. Jeder der Teilnehmer, die dafür bis aus Niedersachsen anreisen, muss eine zehn Mal 40 Meter große Fläche auf einem Weizenstoppelfeld in Prietitz umpflügen.

„Geackert werden müssen vor dem Publikum verschiedene Furchenarten, zum Beispiel die Spaltfurche und der Zusammenschlag. Das dauert gut eineinhalb bis zwei Stunden“, weiß Günter Pissang aus Erfahrung. Im Anschluss nimmt die Wettbewerbsjury den frisch beackerten Boden der Leistungspflüger genau unter die Lupe, vermisst Tiefe und Geradheit der Furchen, um den Sieger zu ermitteln.

Der Grünewalder Günter Pissang hat das Ackern mit Pferd und Pflug schon als Kind auf dem elterlichen Bauernhof in Guteborn gelernt. Doch dann verschwand das Bild vom pflügenden Bauern zusehends, weil Maschinen diese Tätigkeit schneller und effektiver verrichten können.

In den 90er-Jahren begann dann in Deutschland eine Rückbesinnung auf die alte bäuerliche Tradition. „Vielerorts wurden Meisterschaften im Ackerpflügen neu organisiert. Es gibt sogar internationale Wettbewerbe “, erzählt der 68-jährige Landwirt, der fast 20 Jahre das Volksgut in Kamenz-Jesau geleitet hat. Diese neuen Treffen der Leistungspflüger mit Gespann reizten den umtriebigen Landwirt-Ruheständler sofort.

Seit einigen Jahren nimmt er selbst teil, zumeist an den Veranstaltungen kurz hinter der sächsischen Landesgrenze, wie zum Beispiel in Horka und Prietitz. Er konnte für seine Ackerkunst sogar schon einige Preise einheimsen. „Ich finde es wichtig, dass solche Fertigkeiten, die unsere Vorfahren noch beherrschten, nicht einfach verschwinden“, sagt Günter Pissang. Manchmal zeigt der 68-Jährige zu diesen Acker-Veranstaltungen auch Teile seiner kleinen Sammlung von alten Gespannpflügen. 15 verschiedene Exemplare dieses bäuerlichen Arbeitsgerätes aus Eisen und aus Holz nennt er inzwischen sein Eigen.

Der Prietitzer Ackertag findet am kommenden Sonntag bereits zum fünften Mal statt. Der Reitverein Elstertal und der Prietitzer Landwirt Gerald Hantsche organisieren die Veranstaltung, die über das Ackerpflügen mit Pferden hinaus auch noch andere interessante Dinge für Besucher bietet. Blasmusik und landwirtschaftliche Produkte gibt es dabei genauso wie einen Gaudi-Wettbewerb und eine kleine Schau mit Oldtimern des Ackerbaus.

Für Pissang ist das Ackern auf dem Prietitzer Feld indes eine besondere Herausforderung. „Der Boden dort ist viel schwerer als unser sandiges Gemisch in Grünewald. Da müssen sich die Pferde und ich ganz schön ins Zeug legen…“, sagt er lächelnd.

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Zum Thema5. Prietitzer Ackertagam Sonntag, 28. August,in Prietitz bei Kamenz/Wiesa9 Uhr: Frühschoppen mit Blasmusik11 Uhr: Leistungspflügen Pferde13.30 Uhr: Siegerehrung