06. Februar 2012, 00:00 Uhr

Januarwetter überraschte mit zwei Extremen

Erst Dauerregen, dann Dauerfrost im OSL-Kreis

Lindenau Der erste Monat dieses Jahres hatte zwei Gesichter: Bis zum 25. Januar regnete es fast täglich. Dann folgte trockener Dauerfrost.

Der Abfluss an der Mühle Lindenau ist stark vereist. Foto: Rudolf Kupfer/rkp1 Foto: Rudolf Kupfer/rkp1
Keine Spur von Winter fast bis Ende Januar. Vielmehr wurden an allen Messstellen der Region enorme Niederschlagsmengen registriert. Den Rekordwert ermittelte Dieter Sawall in Großräschen mit 112 Millimetern bei einer Norm von 45 Millimetern .Soviel hatte er im Januar noch nie im Messbecher. Der Dauerregen führte zu erhöhten Wasserständen in Elster und Pulsnitz. Erneut wurden Keller unter Wasser gesetzt. Und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen bildeten sich kleine Seen.

Fast übergangslos wurde diese extreme Regenperiode am 25.Januar vom trockenen Dauerfrost abgelöst. Das bannte zwar die Hochwassergefahr, aber fehlender Schnee setzte die Natur ungehindert den zunehmend starken Bodenfrösten aus.

Die Tiefsttemperaturen sanken bis zum 3. Februar unter minus 18 Grad Celsius in Lindenau. Die oft zitierte Wetterregel „War bis zum Dreikönigstag (6. Januar) noch kein Winter, so folgt auch keiner dahinter“, lag somit dieses Mal voll daneben.

Siebirische Kälte hat die wetterbedingt bereits relativ gut entwickelten Pflanzen auf Feldern und in Gärten regelrecht schockgefrostet, sagte Landwirt Günter Kockro aus Großräschen. Wie groß die Schäden durch den anhaltenden Barfrost in der Lausitz sind, kann gegenwärtig noch nicht eingeschätzt werden.

An einen vergleichsweise so kalten Winter kann sich Karl-Heinz Buchan aus Boblitz erinnern. Vom 29.Januar bis 15.März.1956 gab es Dauerfrost mit Tiefsttemperaturen bis minus 20 Grad Celsius. Damals sind vor allem viele Obstbäume erfroren.

Bei Ronny Sommer in Buchwalde hat sich der frostige Winter von 1987 fest eingeprägt. Dauerfrost und Tiefsttemperaturen bis minus 20 Grad Celsius und Schneehöhen bis 45 Zentimeter beherrschten die Region vom 7. bis 18. Januar1987.

Viele zusätzliche Kräfte waren damals in der Braunkohleindustrie in der Lausitz im Winterkampf eingesetzt, weiß Sommer aus eigenem Erleben.

Ein besonders wichtiger Lostag im Jahreslauf ist Mariä Lichtmess (2.Febriuar). Er gilt als Stichtag für den weiteren Verlauf des Winters und den Beginn des Frühlings. Die Erfahrung besagt: „Gibt es an Lichtmess Sonnenschein, kommt noch viel Schnee herein.“ Außerdem heißt es: „ Ist`s an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein.“ Zumindest schien am 2. Februar die Sonne intensiv.

Auch das von Michael Wesnigk in Klettwitz am 21. Januar um 22 Uhr beobachtete Wintergewitter stützt die genannten Prognosen: „Bei Donner im Winter ist viel Kälte dahinter.“

Den Tieren in der freien Natur setzt die gegenwärtig anhaltende Kältewelle ebenfalls arg zu. Tausende Wildgänse, die vor dem starken Frost im Osten Europas geflüchtet sind und bei Tettau auf abgeernteten Maisflächen Rast machen, finden nur noch wenig Futter und offene Wasserflächen. Ein am Lindenauer Großteich gesichteter Schwarm von Kibitzen ist sehr früh in der Region und wurde von den tiefen Temperaturen überrascht. Naturfreunde, wie Klaus Hirsch in Großkoschen, freuen sich über zunehmenden Besuch in ihren Futterhäuschen. Amseln, Sperlinge, Blaumeisen, Grünfinken, Rotkehlchen und andere sind jetzt ständige Gäste hier.

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Erstellt am: 06. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 06. Februar 2012, 08:20 Uhr
Autor: Rudolf Kupfer/rkp1

Rudolf Kupfer/rkp1

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