In einem Kleinkoschener Handwerksbetrieb wurde die Nachfolge rechtzeitig geklärt
Die Jalousien bleiben oben
Kleinkoschen Genaue Zahlen für die Betriebsnachfolge gibt es nicht. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus schätzt aber, dass aktuell etwa in jedem zehnten der 35 000 Mitgliedsbetriebe die Nachfolgeregelung aus Altersgründen getroffen sein müsste. Die Realität sehe oft anders aus. Ein Kleinkoschener Betrieb hat das Chef-Problem gelöst.
Die Messe als letzter Dienst
„Von allein komme ich nicht mehr hierher. Aber wenn mein Rat gebraucht wird, stehe ich zur Verfügung“, sagt Karl-Heinz Winkler. Er hat von seinem Lebenswerk loslassen können. Einen letzten, selbst auferlegten geschäftlichen Auftrag wird er noch erfüllen. Ende Februar stellt er auf der weltgrößten Sonnenschutzmesse in Stuttgart den Geschäftspartnern seinen Nachfolger vor.
Karl-Heinz Winkler hat nichts dem Zufall überlassen. „Vor sechs Jahren hat der Chef gesagt: Mit 60 höre ich auf“, erinnert sich der 50-jährige Lautaer Norbert Garbe. Ab Ende 2009 startete bei der Handwerkskammer eine Unternehmensberatung zu dem Thema „Vorbereitung für angehende Führungskräfte“. Im November 2010 folgte für Norbert Garbe ein mehrmonatiger Lehrgang auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
Soziale Verantwortung
„Wenn man über 20 Jahre etwas aufbaut, dann würde es wehtun, wenn alles untergeht. Einer der Hauptgründe für die langfristige Vorbereitung war aber die soziale Verantwortung. Hier sind Mitarbeiter mit Kind und Familie. Was sollte aus ihnen werden?“ fragt der ehemalige Geschäftsführer. Er wollte auf keinen Fall ein Risiko eingehen.
Karl-Heinz Winkler ist Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und hat zusätzlich Plastanwendung studiert. Die Zukunft bei der Instandhaltung im Bergbau war ihm zur Wendezeit zu unsicher. Mit seinem zukünftigen Geschäftspartner, der aus der Konsumgüterproduktion kam, wurde die Idee des Rollladenbaus weiterentwickelt. Zur DDR-Zeit musste man Jahre auf Rollladen warten. Der Bedarf war auch danach noch groß. Im Mai 1990 wurde die Firma gegründet. Sie trägt die Handelsregister-Nummer 0069. Vier Beschäftigte machten sich in zwei Garagen in Großkoschen an die Arbeit. 1993 wurde auf dem ehemaligen Gelände des Kraftfahrzeug-Instandsetzungsbetriebes (KIB) die heutige Produktionshalle gebaut. Vom einstigen KIB- und späteren Scania-Chef Ronald Kosel hatte Karl-Heinz Winkler den Tipp erhalten, wegen des Bergbauuntergrundes nicht im Senftenberger Laugkfeld zu bauen. Er sollte Recht behalten.
1997 trennten sich die Wile-Partner. Der Großkoschener baute sein Geschäft weiter aus. Die ersten Mitarbeiter aus den 90er-Jahren seien immer noch dabei. Heute beliefert Wile nicht weniger als 180 Fachhändler und Fachbetriebe in ganz Deutschland mit seinen Rollladen, Toren, Fensterläden, mit Insekten- und Sonnenschutz. Für Privatkunden in der Region baut die Firma ihre Produkte auch selber ein.
Norbert Garbe hat im Unternehmen vor 16 Jahren als Rolladen- und Jalousienbauer angefangen. Später übernahm er den Außendienst und die Kundenbetreuung. Seit Januar ist er Chef.
Zum Thema:
Viele Unternehmen bemühen sich nach Angaben der IHK zu spät um eine Unterstützung, wenn in absehbarer Zeit eine Übernahme oder Übergabe erfolgen soll, zum Beispiel aus Altersgründen. Die Mitgliedsfirmen können sich direkt an die Kammer in Cottbus oder an eine der Geschäftsstellen wenden, wie in Senftenberg. Die Nachfolgesuche erfolgt in der Familie, im begrenzten Mitarbeiterkreis und oft auch bei Geschäftspartnern. Gesucht wird mithilfe der IHK bei Bedarf aber auch bundesweit über die Internetbörse www.nexxt-change.org. Wer keinen Nachfolger für die Führung des Betriebes findet, dem bleibe nur die Gewerbeabmeldung oder die Liquidation.
Viele Unternehmen bemühen sich nach Angaben der IHK zu spät um eine Unterstützung, wenn in absehbarer Zeit eine Übernahme oder Übergabe erfolgen soll, zum Beispiel aus Altersgründen. Die Mitgliedsfirmen können sich direkt an die Kammer in Cottbus oder an eine der Geschäftsstellen wenden, wie in Senftenberg. Die Nachfolgesuche erfolgt in der Familie, im begrenzten Mitarbeiterkreis und oft auch bei Geschäftspartnern. Gesucht wird mithilfe der IHK bei Bedarf aber auch bundesweit über die Internetbörse www.nexxt-change.org. Wer keinen Nachfolger für die Führung des Betriebes findet, dem bleibe nur die Gewerbeabmeldung oder die Liquidation.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 09. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. Februar 2012, 08:30 Uhr
Autor: Von Manfred Feller

Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden