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Senftenberg

Eiskalte Senftenberger Leidenschaft

Senftenberg Die Senftenberger Kaufhaus-Kreuzung wartet zurzeit mit einem echten Höhepunkt auf. Auf der Freifläche neben der Galerie Przybilski können sich Interessierte in diesen Tagen Eis-Skulpturen der Künstlergruppe „Kreis 7“ anschauen. Initiatorin Christine Przybilski hofft, dass die Kunst künftig fester Bestandteil an diesem Ort wird.

09.02.2010
Gemeinschaftsarbeit: Künstler aus der Region haben einen Blickfang an der Senftenberger Kaufhaus-Kreuzung geschaffen. Solange es frostig bleibt, werden ihre Werke in voller Pracht erhalten bleiben.Fotos: Steffen Rasche
Wo ansonsten graues Pflaster und graue Sitzblöcke wenig Spektakuläres an der Kaufhauskreuzung vermuten lassen, haben die Mitglieder des „Kreis 7“ einen Hingucker geschaffen. Eis-Skulpturen stehen auf den Blöcken und sorgen bei den Passanten für reges Interesse. „Bis Samstag hat niemand so richtig Notiz von der Fläche genommen“, sagt Christine Przybilski. „Aber inzwischen wird hier lebhaft fotografiert und diskutiert.“ Sie ist eine derjenigen, die kürzlich mit zu Hammer und Meißel gegriffen haben, um für Senftenberg etwas Besonderes zu kreiern. Ein wenig erinnerte die Aktion an die legendären Bildhauersymposien in Hoyerswerda, die es in den 70er- und 80er-Jahren gegeben hatte – jedoch stets im Sommer.

Dabei liegt in der Aktion neben künstlerischer Lust auch Eigennutz. „Diese graue Fläche hat mich angeödet“, so die Geschäftsfrau, die nur wenige Meter entfernt ihren Laden betreibt.

Für die meisten Lausitzer Künstler ist es die erste Begegnung mit dem Werkstoff Eis gewesen.
„Auf der einen Seite schaue ich auf die graue Kaufhausfassade, auf der anderen auf das graue Pflaster“, erzählt sie. Doch dagegen hatte sie einen Plan: Gemeinsam mit Lokalmatador Bernd Winkler sowie den Mitstreitern Barbara Seidl-Lampa aus Ruhland, den Cottbusern Bernd Kindermann und Rita Gräfe, Willi Selmer aus Laasow und Katrin Meißner aus Calau ging Christine Przybilski am Freitagvormittag ans Werk. Sieben Stunden später hatten sie rund ein Dutzend Eis-Kunstwerke geschaffen – und sich kalte Füße geholt. Dabei war für alle Künstler das Eis als Material Neuland. Ob es dazu bestimmte Vorkenntnisse braucht? Christine Przybilski schüttelt mit dem Kopf: „Räumliche Vorstellungskraft reicht zunächst aus. Aber ich weiß, dass sich einige Kollegen im Internet schlau gemacht haben“, erzählt sie.

Die Arbeit zuvor war jedoch die bedeutend längere. „Ich habe schon zwischen Weihnachten und Neujahr alle Regentonnen und Mörtelkübel gefüllt“, sagt Christine Przybilski. Ein regionaler Betrieb sponserte zudem Lüftungsrohre. Dann begann das lange Warten, bis das Wasser nach und nach den Aggregatzustand änderte. „Da habe ich Physik in praktischer Anwendung gelernt“, erzählt die Firmenchefin schmunzelnd. Zwischendurch sei auch einmal Eis in einer der Tonnen gesplittert. „Da dachte ich zunächst, auf der Kaufhauskreuzung sind zwei Autos zusammengestoßen“, so Christine Przybilski.

Dass die Kunstwerke nur so lange existieren, wie es der Frost zulässt, stört die Künstlerin nicht. Sie genießt es, den Veränderungsprozess zu beobachten und Richtung Frühling zu sehen, wie sich die Eis-Skulpturen auflösen. Sie selbst – als Künstlerin mit Faible für Metall – hat in ihren Werken Metallgitter verarbeitet, die sichtbar werden, wenn der bearbeitete Eisklotz schmilzt.

Die Künstlerin hoffe, dass die Freifläche an der Kaufhauskreuzung, die einst ihr gehörte und die sie an die Stadt verkaufte, für die Kunst erhalten bleibt. Noch gebe es fast drei Monaten nach der Freigabe einer der bedeutenden Senftenberger Knotenpunkte noch keinen genauen Plan für eine künstlerische Nutzung, so Christine Przybilski. Würde sie jedoch gefragt: Sie könnte die eine oder andere Idee beisteuern: „Modelle dafür hätte ich schon im Keller“, sagt sie und hofft, dass die jüngste Aktion keine Eintagsfliege in der OSL-Kreisstadt ist. Während die drei Sitzblöcke zum Verweilen bleiben sollen, seien die drei höheren Podeste mögliche Standorte für Kunstobjekte. Für Christine Przybilski selbst wären neue Projekte ein willkommener Farbtupfer gegen das für sie stets sichtbare Grau von Kaufhaus und neuer Freifläche.
 

Von Sascha Klein
 
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