Eisiger Job im Morgengrauen
Zustellerin Marlies Muschter verteilt seit zwei Jahrzehnten die RUNDSCHAU in Lindenau
Lindenau Dass die Heimatzeitung jeden Morgen pünktlich im Briefkasten liegt, dafür sorgt in Lindenau Marlies Muschter. Seit 20 Jahren ist sie Zustellerin – bei jedem Wetter, auch dieser Tage bei eisigem Frost.
Der Tag beginnt in der Nacht
Der Arbeitstag beginnt für Marlies Muschter mitten in der Nacht. „Um 2.30 Uhr klingelt der Wecker“, sagt sie. Angesichts der eisigen Kälte, die derzeit die Lausitz im Griff hat, packt sich die
53-Jährige dick ein: Mütze, Schal, zwei Pullover und eine Jacke darüber. Nicht zu vergessen die selbst gestrickten Wollsocken, erklärt Muschter. Dann geht's raus.
Auf ihrem Hof hat ein Kurier schon bündelweise die frisch gedruckten Zeitungen abgeladen. Etwa 120 Exemplare sind es an diesem Donnerstag. Muschter bestückt die Körbe ihres gelben Postfahrrades und tritt vorsichtig in die Pedalen. Gut neun Kilometer Weg und jede Menge abgelegene Gehöfte warten auf die Zustellerin.
Auf der Tour durch den 700-Seelen-Ort begegnet sie kaum jemandem. Abgesehen von ein paar nachtaktiven Pelztieren. „Wenn es wärmer wird, wartet ein ehemaliger Bäcker schon immer am Briefkasten auf seine RUNDSCHAU“, erzählt die Lindenauerin. Nach knapp einer Stunde ist sie mit leeren Zeitungstaschen wieder in der heimischen Hauptstraße angekommen. Es wird doppelt solange dauern, wenn Schnee oder Blitzeis hinzukommen. Dann muss sie den Weg zu Fuß bestreiten. „In den 20 Jahren hat mich bisher aber noch kein Wetter davon abgehalten, die Zeitungen pünktlich auszuliefern“, sagt sie.
Eine Art Frühsport
Wenn die Lichter in den Häusern am Morgen angehen und die RUNDSCHAU in den Briefkästen steckt, denkt Marlies Muschter noch lange nicht an den Feierabend. Tagsüber arbeitet die zweifache Mutter noch als Reinigungskraft bei einem Transportunternehmen in Schraden. Die gebürtige Frauendorferin hat ihren Lebensunterhalt schon mit vielen Tätigkeiten bestritten. Als Textilarbeiterin, Verkäuferin oder Hauswirtschafterin.
Wie sie zum Zustellerjob gekommen ist, weiß Muschter noch genau: „Ich war nach der Wende auf der Suche nach einer neuen Arbeit und hörte bei meinem Stammfriseur, dass Zeitungsboten gesucht werden.“ Mittlerweile kann sie sich den Tag ohne das Austragen gar nicht mehr vorstellen. „Es ist eine Art Frühsport für mich, ohne den mir etwas fehlen würde“, erklärt die 53-Jährige. Solange es ihr Spaß macht und sie kann, will sie weiter jeden Morgen die Zeitung verteilen.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Februar 2012, 03:28 Uhr
Autor: Von Bernhard Schulz

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