Die Großräschener Salonleiterin Silvia Troll (l.) arbeitet gerade an einer Dauerwelle. Foto: Sonnenbrodt Foto: Sonnenbrodt
In diesen 50 Jahren änderten sich die Trends fast vierteljährlich. Manch einer – wie die Dauerwelle – kommt jedoch immer wieder. Bis zur Wende gehörte diese Frisur zur Frau wie die Krawatte zum Anzug. „Es gab niemanden, der nicht irgendwann mal eine hatte“, blickt Petra Böhme amüsiert zurück. „Es sei denn, man besaß von Natur aus krauses Haar.“

Doch relativ schnell hatte es sich quasi ausgelockt. Denn mit der Wende fielen nicht nur die Mauersteine in Berlin, sondern auch die Locken in den Friseursalons. So auch in dem Salon von „Ihr Friseur“ in Großrä-schen, der sich seit 1992 in der Barziger Straße befindet.

Wie der kaufmännische Geschäftsführer Siegfried Olbricht erzählt, wird der Standort momentan umstrukturiert. „Wir beabsichtigen, in Kürze mehr jüngere Mitarbeiter einzustellen“, erklärt er sein Konzept zur Modernisierung.

Mit Neuerungen beschäftigen sich aber nicht nur die Geschäftsführer, sondern auch die Mitarbeiter. Denn in der Friseurbranche geht es wie in den Bereichen Mode und Musik vor allem um Veränderungen, um Neues, um Trends.

Wie die Haarexpertin Petra Böhme verrät, lässt sich in den vergangenen drei Jahren, wenn auch noch sehr langsam, ein Trend wieder zurück zu mehr Haarfülle feststellen. Erst kürzlich hätte sich wieder eine Kundin bei ihr nach einer Dauerwelle erkundigt. Natürlich werde diese nicht mehr so bezeichnet. „Wir sprechen heute von einer Volumenwelle“, sagt sie.

Somit gehe nach ungefähr zehn Jahren des Haareglättens der Trend wieder in Richtung Locken und Wellen. Bei einigen sehr modebewussten Frauen seien sogar gekreppte Frisuren wieder angesagt.

Zweimal im Jahr lassen sich die zurzeit 15 Mitarbeiter von „Ihr Friseur“ in Großräschen mit den Kollegen der zahlreichen Figaro-Filialen in Senftenberg in Sachen Trendfrisuren schulen. Dann bekommen sie meistens in der Aula einer Schule die aktuellen Frisuren vom Friseurfachverband vorgeführt und lernen anschließend, diese gleich nachzuschneiden. So wurde ihnen im März dieses Jahres für mittellanges Haar die sogenannte „Trapezfrisur“ von der Modekommission vorgestellt. Eine lockige Mähne wird mit einem mittellangen Bob gebändigt, der unten leicht gestuft ist. Oben glatt und nach unten hin mit einem fantastisch lockigen Volumen auslaufend, bildet dieser Schnitt die Form eines Trapezes.

Was das Färben betrifft, so bewegt sich der Trend hin zu mehr Natürlichkeit. „Ton in Ton“ ist laut Petra Böhme das Zauberwort. „Die harten Linien liegen auf jeden Fall nicht mehr im Trend.“

Mit der Zeit zu gehen, das ist für Friseure quasi eine Frage der Berufsehre, denn grundsätzlich sei jede Frisur tragbar. Man müsse sie lediglich der Gesichtsform und dem Typ anpassen. Genau das sei die eigentliche Kunst dieses Handwerks.

„Im Moment ist fast alles möglich“, sagt die Haarexpertin. Wie in der Mode gibt es auch bei den Frisuren eine sehr große Spannbreite. Das heißt natürlich auch, immer auf dem Laufenden zu sein. „Die Lehrzeit dauert bei Friseuren im Grunde ein Leben lang“, so Petra Böhme. Einen Tipp lässt sie sich noch entlocken: „Blond wird die absolute Trendfarbe in diesem Sommer.“