11. März 2010, 00:00 Uhr

Der leise Abschied der Senftenberger Revierpolizisten

Zwei langjährige Beamte gehen in den Ruhestand

Senftenberg Dietmar Hollenberg und Karl-Heinz Böhme bringt so leicht nichts aus der Fassung. Sie sind Senftenberger Revierpolizisten und haben gemeinsam weit mehr als ein halbes Jahrhundert Diensterfahrung. In wenigen Tagen drehen sie zum letzten Mal ihre Runde.

Mit Karl-Heinz Böhme (M.) und Dietmar Hollenberg (r.) verabschieden sich zwei Urgesteine aus dem aktiven Polizeidienst. Katrin Galow (32) ist die neue Koordinatorin für die Revierpolizisten der Wache Senftenberg. Foto: Sascha Klein
Am 17. oder 18. März geht Dietmar Hollenberg auf seine Abschiedsrunde. Der 57-Jährige kennt das Revier zwischen Senftenberger Laugkfeld, Bahnhof, Laugkstraße, Rathenaustraße und Theater wie seine Westentasche. Hollenberg ist eine stattliche Erscheinung. Er ist jedoch kein lauter Typ, bezeichnet sich selbst eher als ruhig.

„Wir sind als Revierpolizisten Bindeglied zwischen Bevölkerung und Polizei“, sagt er. Seit 1972 ist Hollenberg Polizist, seit 1976 im Streifendienst. Bis zur Wende 1989/90 ist er Abschnittsbevollmächtigter gewesen und auch anschließend in Uniform auf den Straßen Senftenbergs zu finden. Wenn er jetzt mit 57 Jahren in die Altersteilzeit geht, hat er den Rang eines Polizeihauptkommissars.



Sein Kollege Karl-Heinz Böhme verabschiedet sich mit dem 60. Geburtstag als Polizeihauptmeister aus dem aktiven Dienst. Er hat in den vielen Jahren als Polizist eine Menge erlebt. Er ist nicht nur als Ordnungshüter gefragt, sondern auch als helfende Hand. „Wir tragen einer Oma schon einmal das Fahrrad in den Keller oder hören uns die Sorgen der Leute an“, sagt Böhme. Selbst Ausflugstipps für schlechtes Wetter hat der 59-Jährige am Senftenberger See schon verteilt, wenn er dort mit dem Dienstfahrrad unterwegs ist. Prägende Erlebnisse hatte Böhme auch während der Verkehrserziehung: „Bei den Kindern spürt man, dass man gebraucht wird.“



 Jedoch hat der Polizeidienst auch seine Schattenseiten. Dietmar Hollenberg zögert. In seiner Finsterwalder Zeit, erzählt er knapp, habe es am Rande eines Fußballspiels Ausschreitungen gegeben. Dies sei einer der Tage gewesen, die er nicht vergisst. Er hat den 57-Jährigen derart geprägt, dass er nicht mehr darüber erzählen möchte. Er schweigt. Auch Karl-Heinz Böhme kennt die Momente, die so unendlich schwer für jeden Polizisten sind. Vor vielen Jahren seien sein Nachbar und dessen Kind tödlich verunglückt. Böhme war am Unfallort, damals selbst junger Vater, und musste später der Familie die Todesnachricht überbringen. „Das verarbeite ich heute noch“, sagt er mit leiser Stimme und schaut nachdenklich. „Immer, wenn ich an der Stelle vorbeifahre, sehe ich die Leute im Auto liegen.“

Dass sich die beiden Polizisten ab April langweilen werden, scheint ausgeschlossen. „Das Wetter wird schöner, der Garten lockt“, sagt Hollenberg. Böhme nickt zustimmend. Zudem ist Dietmar Hollenberg als Judo-Übungsleiter weiterhin gefordert, Böhme bei der Verkehrswacht. „Die Sehnsucht nach der Arbeit wird schon kommen“, so der 57-Jährige, „aber die Kollegen sind nicht aus der Welt. Zum Frühstück kann man sich schon einmal einladen.“ Karl-Heinz Böhme hat ganz andere Treffpunkte: den Senftenberger Marktplatz. Dort hat er bereits frühere Kollegen ausgemacht. „Denen habe ich schon gesagt: ,Nicht mehr lange, dann stehe ich auch mit da.'“
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Erstellt am: 11. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 11. März 2010, 10:14 Uhr
Autor: Von Sascha Klein

Von Sascha Klein

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