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Bischof Konrad Zdarsa segnet Lübbenau

Lübbenau Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) hat noch schnell die Leiter vor dem Lübbenauer Rathauseingang zurechtgerückt, damit der 14-jährige Sternsinger Jakob Kretschmar aus Görlitz auch gefahrlos über der Tür die Buchstaben CMB, begleitet vom Gebet und den Segenswünschen des Bischofs Dr. Konrad Zdarsa, anschreiben konnte.
18.01.2010
Bischof Dr. Konrad Zdarsa trägt sich in Anwesenheit von Bürgermeister Helmut Wenzel (l.) und dem CDU-Fraktionsvorsitzenden in der Stadtverordnetenversammlung, Martin Habermann, in das Goldene Buch der Stadt ein. Fotos: P. Becker
CMB steht für Caspar, Melchior und Balthasar, die heiligen drei Könige. „Aber auch für christus mansionem benedicat –Christus segne dieses Haus“, wie der Bischof sogleich den Umstehenden erklärte.

„Menschen, die in der Lage sind, sich vor Kindern zu verneigen, sind aber die wahren Könige, denn Kinder sind die besten Brückenbauer zwischen den Menschen“, ergänzte er, bevor er nach dem Gesang der Sternsinger, die aus dem gesamten Bistum Görlitz angereist waren, die Stadt in sein Gebet einschloss: „Erfülle alle, die hier beraten und Verantwortung tragen mit Klugheit, Einsicht, Tatkraft und Menschlichkeit und lass‘ alle Einwohner erkennen, dass sie mitverantwortlich sind für das Wohl der Gemeinschaft!“

Helmut Wenzel freute und bedankte sich zugleich für die Segnung des Hauses und die guten Wünsche. Den Sternsingern, die zuvor das sorbische Kirchenlied „Eure Hilfe brauchen wir“ gesungen hatten, überreichte das Stadtoberhaupt einen Scheck in Höhe von 500 Euro. Bischof Dr. Konrad Zdarsa trug sich anschließend ins Goldene Buch der Stadt mit den Worten ein: „Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst!“

Die etwa 300 Sternsinger hatten zuvor am Gottesdienst in der katholischen Kirche teilgenommen, um sich danach in kleinere Gruppen aufzuteilen. Ein Prozessionszug bewegte sich zum Altenpflegeheim „Spreemöwe“ in der Lübbenauer Dammstraße, ein anderer zum Rathaus und anschließend in die Jenaplanschule. Der Cottbuser Jugendseelsorger Roland Elsner, der den Aufenthalt in Lübbenau organisiert hatte, sagte: „Wir haben bewusst eine Kindereinrichtung und ein Altenheim ausgewählt, da diese als Botschaft für Jung und Alt stehen. Wir wollen jedes Jahr in eine andere Stadt reisen, in diesem Jahr sollte es Lübbenau sein.“

Der Bischof wandte sich auch an die RUNDSCHAU-Leser: „Ich beobachte mit Wohlwollen, dass diese Zeitung immer ganz vorn im Pressespiegel erwähnt wird, wenn es um kirchliche Fragen geht. Leider komme ich nur selten in die Niederlausitz, da zwei Drittel der unter meiner Verantwortung stehenden Katholiken im sächsischen Raum wohnen. Was mich aber jedes Mal bewegt, ist die Tatsache, dass hier die Menschen eine große Ermutigung erfahren haben und sich ein guter Zusammenhalt herausgebildet hat. Ohne Bürgersinn geht es nicht, und ich möchte den Menschen Mut machen und Dank sagen.“ Bischof Zdarsa erinnert sich noch an die einzige Kahnfahrt vor Jahren und will den Spreewald unbedingt bald wieder besuchen. „Eine Rose habe ich hier aber schon gepflanzt“, berichtete er voller Stolz.

Dr. Konrad Zdarsa wurde im Jahr 2007 durch den Papst zum Bischof des Bistums Görlitz ernannt. Das Bistum entspricht jenem Teilgebiet des Erzbistums Breslau, das bei Ende des Zweiten Weltkrieges westlich an der Oder-Neiße-Grenze lag und nicht unter polnische Verwaltung kam. Es sind dies Teile Ostsachsens und der brandenburgischen Niederlausitz. Das Görlitzer ist das kleinste deutsche Bistum. Konrad Zdarsa wurde 1944 im sächsischen Hainichen geboren und arbeitete im dortigen Barkas-Werk als Dreher, bevor er Theologie studierte.
Peter Becker
 
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