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Senftenberg

«Es tut schon in der Seele weh»

Lauchhammer. Die Häuserzeilen in der Neustadt 1 sind in den vergangenen Wochen weiter merklich gelichtet worden. Zuerst hatte die Wohnungsgenossenschaft «Am Lauch» aufgrund des enormen Leerstandes die Bagger «sprechen» lassen. Jetzt hat der neue private Mitbewerber nachgezogen.

08.12.2004
Die Powerhouse Builders Limited (PBL) mit Sitz in London erwarb vor einem Jahr die 310 ehemaligen TLG-Wohnungen und ordnete sich dem Lauchhammeraner Stadtumbaukonzept unter (die RUNDSCHAU berichtete). An dem Papier haben die Stadt, die etablierten großen Vermieter und Büros mitgearbeitet.

Gras und Gärten
Die 120 für den Abbruch vorgesehenen Wohnungen aus den 50er-Jahren sind inzwischen dem Erdboden gleichgemacht. Im Frühjahr soll Gras drüberwachsen. Der Chemnitzer PBL-Niederlassungsleiter Uwe Schneider kann sich aber auch vorstellen, dass bei Bedarf zum Beispiel in der Kurt-Wabbel- und Werner-Seelenbinder-Straße Mietergärten entstehen.
Den vollzogenen Abriss hält er für bedauerlich, aber notwendig: «Es tut schon in der Seele weh, gut erhaltene Bausubstanz in einem städtebaulich wertvollen Siedlungsgebiet abzureißen. Positiv ist, dass am Platz der Solidarität und Am Waldstadion ruhige Randlagen-Wohnungen entstehen.»
Die verbliebenen 190 Wohnungen sollen folglich saniert werden. Der Geschäftsmann aus Sachsen hofft, dass dies im nächsten Jahr über die Bühne gehen kann – wenn die Finanzierung steht. Der erste Aufgang in der Grünewalder Straße ist bereits fertig und bezogen.
Wenn einmal alle 190 Wohnungen saniert und auf den Markt «geworfen» worden sind, dann darf man von den Mitbewerbern in Lauchhammer keine Freudensprünge erwarten. Bürgermeisterin Elisabeth Mühlpforte ist dennoch «froh, dass es so gekommen ist» , die Zukunft des einstigen TLG-Bestandes endlich klar ist und die eigentlich denkmalgeschützte Neustadt 1 aufgewertet wird. PBL halte Kontakt zur Stadt und sitze mit den anderen Vermietern in der Arbeitsgemeinschaft Stadtumbau regelmäßig mit am Tisch.
Manches hätte sich der Powerhouse-Niederlassungsleiter in der Praxis allerdings etwas leichter vorgestellt. An den Abrissstandorten durften die Fernwärmeleitungen noch nicht zurückgebaut werden. Das habe zusätzliche Kosten verursacht. Hier gebe es noch Klärungsbedarf zwischen der TLG als ehemaliger Eigentümerin der Häuser und dem Fernwärmelieferanten Harpen EKT. «Die Weichen sind aber gestellt» , meint Uwe Schneider.

Mieterbüro noch nicht offen
Noch nicht geöffnet ist das Mieterbüro am Platz der Solidarität. Auch dort ist die Wärmefrage eine offene. Das Büro ist Anlaufstelle der künftigen Mieter und soll ihnen jene Varianten zeigen, wie die PBL-Wohnungen saniert und modernisiert werden.
Wie im Sommer angekündigt, wächst in der Grünewalder Straße das Projekt «Wohnen mit sozialen Dienstleistungen und lokalen Partnern» . Die ersten neun Wohnungen in der Nr. 12 sind saniert und vermietet. Dort eingezogen sind auch die letzten beiden Mieter der Abbruchhäuser. Uwe Schneider: «Das wird für die beiden der erste Winter ohne Ofenheizung.» Dort leben in erster Linie Bedürftige beziehungsweise jene, die ihr Leben allein nicht mehr in den Griff bekommen haben. Partner ist der Verein Hilfe sozial Schwacher, der in dem Aufgang sein Domizil hat.
Niederlassungsleiter Uwe Schneider hält diese Konstellation für ideal und sieht sich bestätigt. Die noch junge und betreute Wohngemeinschaft funktioniere bis jetzt prima. Nicht nur die Hausordnung klappt. Einige wollen auch mithelfen, das Umfeld zu pflegen. Vorgesehen ist in Zusammenarbeit mit dem Verein, über 1-Euro-Jobs Beschäftigung zur Integration anzubieten. Die Bereitschaft bei den oft als «Sorgenkinder» abgestempelten Mietern sei vorhanden.
Besonders rührend fand Schneider, dass die Bewohner, obwohl sie selbst nicht viel haben, für eine Familie gesammelt haben. Die junge Lebensgemeinschaft mit Kind war gerade eingezogen und erhielt Unterstützung zum Einrichten der Wohnung. «Trotz aller Probleme ist noch Gemeinsinn vorhanden. Das macht Mut» , freut sich der Chemnitzer.
Hintergrund Abgerissen
Mit Hilfe von Stadtumbaumitteln hat die Eigentümerin PBL 120 Wohnungen in diesen Straßen der Neustadt 1 vom Markt genommen: Heinrich-Zille-Straße 3 bis 7 und 9 bis 13, Werner-Seelenbinder-Straße 2 bis 6 und 8 bis 10 sowie Kurt-Wabbel-Straße 2 bis 4.

Von Manfred Feller
 
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