07. Februar 2012, 00:00 Uhr

Wirbel um ein Schnapszahl-Datum

Neupetershain, Muckwar, Ogrosen, Gahlen, Missen und Klein Mehßow sind vor 666 Jahren erstmals erwähnt worden

Calau/Lübbenau Die Jahreszahl 1346 gibt in diesem Jahr vielerorts den Takt vor. So gibt es zwischen Neupetershain und Lübbenau gleich mehrere Dörfer, die 2012 auf ihre erste urkundliche Erwähnung vor 666 Jahren zurückblicken. Während einige Orte aus diesem Anlass ein größeres Fest vorbereiten, herrscht anderswo noch vornehme Zurückhaltung.

Das Gelände an der historischen Kirche und dem benachbarten Gemeindezentrum wird in die Feierlichkeiten der Ersterwähnung von Petershain vor 666 Jahren einbezogen. Oftmals sind es die Nennungen von Kirchengebäuden, auf denen erste urkundliche Erwähnungen zurückzuführen sind. Als Quelle gilt in unserer Region oftmals die Meißner Bistumsmatrikel. Foto: Uwe Hegewald/uhd1 Foto: Uwe Hegewald/uhd1
Weltpolitisch ist das Jahr 1346 nicht gerade mit großen Geschichtsdaten übersät. Überliefert ist ein Sieg der Engländer, die Dank ihrer Langbogenschützen gegenüber ein mehr als dreimal stärkeres Heer des Erzfeindes Frankreich triumphieren. Ferner berichten Chronisten aus der Calauer und Spremberger Gegend über Heuschreckenschwärme als Vorboten der Pest (Quelle: Kurt Natusch – Eine Chronik in Daten).

Und noch etwas haben Schreiberlinge seinerzeit zum ersten Mal festgehalten: Ortsnamen – mit einer außergewöhnlichen regionalen Dichte. So wurde das Dorf Petershain 1346 erstmals urkundlich erwähnt. In der Ursprungssiedlung der heutigen Gemeinde Neupetershain wird deshalb vom Feuerwehr-Traditionsverein ein imposantes Fest vorbereitet. „Wir sind inmitten der Vorbereitungen für ein Jubiläumsfest, das am Samstag, 1. September, stattfinden soll“, informiert Gabriele Schmidt. Vorgesehen sind neben einem bunten Programm ein mittelalterliches Marktreiben, historische Spiele und vieles mehr, so die Vereinsvorsitzende. Ausgelassen feiern wollen auch die Einwohner von Muckwar (Gemeinde Luckaitztal). Sie bitten am Sonntag, 16. September, in den Ort, in dem einen Tag zuvor das 9. Brandenburger Dorf- und Erntefest über die Bühne geht. Dabei soll der Festplatz gleich für den Dorfgeburtstag genutzt werden. Im benachbarten Ogrosen (Stadt Vetschau) sind derzeit keine größeren Festivitäten vorgesehen. „Wir werden uns noch einmal darüber verständigen, ob und wie der 666. Jahrestag gewürdigt wird“, erklärt Ortsvorsteher Hans Schumacher. Der Vorsitzende des Heimatvereins Ogrosen, Frank Thiede, verweist auf das Jubiläum 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr, das 2013 ansteht und gewürdigt werden soll. Nicht ausschließen wollen die Ogrosener einen Fahrradkorso ins zwei Kilometer entfernte Muckwar, um gemeinsam mit ihren Nachbarn 666. Geburtstag zu feiern.

Dass sich daraus sogar eine Sternfahrt entwickeln könnte, ist der Tatsache geschuldet, dass seriöse Internetseiten über weitere Ersterwähnungen im Jahr 1346 berichten. Hobby- und Orts-Chronisten aus den aufgelisteten Dörfern Gahlen, Missen (beides Stadt Vetschau) und dem Calauer Ortsteil Klein Mehßow bringen jedoch auch andere Daten ins Gespräch. Dass sich alle Jubilare gleichwohl bestes Gelingen für die Festvorhaben wünschen, ist verständlich aber nicht selbstverständlich.

Wie hoch sich der Neidfaktor mitunter gestaltet, offenbart ein Rückblick in das Jahr 1346. Damals verhängte Papst Clemens VI. einen Kirchenbann über einen seiner Widersacher: „Möge Ludwig IV in eine Fallgrube geraten, die er nicht sieht. Der Herr schlage ihn mit Wahnsinn, Blindheit und Raserei. Die Erde öffne sich und verschlinge ihn lebendig“, keifte der Papst am 13. April 1346. Ein Jahr später verstarb Ludwig IV während der Bärenjagd an einem Schlaganfall.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 07. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Februar 2012, 08:46 Uhr
Autor: Von Uwe Hegewald

Von Uwe Hegewald

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren