07. Februar 2012, 00:00 Uhr

Lehde bangt um Spreewald-typisches Ortsbild

Niedergang der Landwirtschaft bringt Wildnis in der Umgebung / Probleme auch im Dorf

Lübbenau Idylle pur, Herz des Spreewaldes, filmreife Kulisse, für Touristen erste Adresse, kurz: Lehde. Doch das, was die Werbung „Das Original“ nennen würde, ist gefährdet. Der Lübbenauer Ortsteil braucht Geld und Hilfe, um das zu erhalten, wovon Touristen und Einheimische profitieren.

Idylle mit Quarkkeulchen: Lehde kämpft an vielen Stellen um sein attraktives Ortsbild. Foto: Jan Gloßmann
Es klingt wie eine Erinnerung an die Zeiten der florierenden Landwirtschaft, beschreibt aber das heutige Geschäft mit dem Tourismus in Lehde. „Wer die Kuh melkt, der muss sie auch füttern.“ Herbert Obermayer ist eigentlich Bayer mit Leipziger Adresse. Vor allem aber ist er so etwas wie ein Lehdscher ehrenhalber. Im Förderverein des Lübbenauer Ortsteils kümmert sich der frühere Journalist um die Öffentlichkeitsarbeit. Obermayer hat gelernt, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Wer also, sagt Obermayer, in und vor allem mit Lehde den einen oder anderen Euro verdienen will, der müsse mit dafür sorgen, dass das Dorf und die Landschaft ansehnlich, charakteristisch, original bleibt. Diese Bitte richte sich an alle, „die an der Kulisse verdienen“.

Diesen Kampf kämpfen die Lehdschen seit Jahren, und er wird immer schwieriger. Früher – das Wort ist selten so zu Hause wie in Lehde –, früher sorgten die Landwirte dafür, dass Lehde Lehde blieb. Sie pflegten die Wiesen und Äcker, versorgten Vieh, zogen Gemüse, bauten Heuschober. Heute „sind es zwei, höchstens drei Leute, die noch Landwirtschaft betreiben“, sagt Manuela Filko, die Vorsitzende des Fördervereins. Aufwand und Nutzen stehen für den Einzelnen schon lange nicht mehr im Einklang: Die Arbeit ist hart, viele junge Leute sind abgewandert, und zusätzlich verschärfen bürokratische Vorschriften die Situation. Das Ergebnis ist die Verpuschung der Landschaft: „Der Wechsel zwischen kultivierter Fläche und Wald macht die Kulturlandschaft aus. Das ist gefährdet, das geht rasend schnell“, sagt Manuela Filko. Wo man einst an offenem Land vorbeistakte, ist heute „nur noch grüne Wand“.

Im vergangenen Jahr haben die Lehdschen den Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) in den Ort geholt. Zwei Mal war der da und hat das „bürgerschaftliche Engagement“ gelobt. Aber eigentlich braucht Lehde Geld.

Es gibt sogar eine Institution, in der Geld gut angelegt wäre. Filko: „Wir sind froh, dass es die Stiftung Kulturlandschaft Spreewald gibt.“ Indes, sie hat noch zu wenig Kapitalstock, um daraus größere Vorhaben – nicht nur in Lehde – zu finanzieren. In Lehde ist mit der Puschasch Zeitz-Ecke ein Anfang gemacht. Für manch anderes ist es „lange nach zwölf“. Anders formuliert: Es gibt bald nichts mehr zu zeigen außer Wild- und Wirrniss an den Fließen. Der Förderverein will das nicht zulassen – braucht dafür aber eine „gesicherte und zuverlässige finanzielle Ausstattung“. Aus welchen Töpfen auch immer. Denn von Zeiten wie vor 20 Jahren, als der Verein über Spendeneinnahmen in Höhe von umgerechnet 24 000 Euro verfügen konnte, „träumt man heute“, sagt Manuela Filko.

Heute gibt es die Einnahmen aus dem jährlichen Lehde-Fest im September. Das ist, neben wenigen Spenden, die einzige Futterstelle für die – um im Eingangsbild zu bleiben – Kuh Lehde. Soll Lehde Lehde bleiben, dann braucht der Ort neue Nahrung. Die Botschaft hat keinen Adressaten – es sind alle gemeint, denen Lehde am Herzen liegt.

 

Zum Thema:

Der Förderverein Lehde feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Dem Verein gehören etwa 100 Mitglieder an – bei 150 Einwohnern.Das Lehde-Fest 2012, es ist das 21., findet am 29. und 30. September statt. Zu sehen sein werden traditionelles Handwerk, eine Feuerwehr-Ausstellung sowie der Kahnkorso. Die Einnahmen aus dem Eintritt fließen gemäß Förderrichtlinie in den Erhalt des Ortes. Lehde im Netz: www.spreewald-lehde.de
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Erstellt am: 07. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Februar 2012, 11:37 Uhr
Autor: Von Jan Gloßmann

Von Jan Gloßmann

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