Zum ersten Mal verteilt Jörg Suchomel "Kalauer statt Knöllchen" in Calau. Alexander Preißler wird in der Schlossstraße von der Aktion überrascht. Foto: Hoberg Foto: Hoberg

Erst seit wenigen Tagen ist Jörg Suchomel im Amt und kontrolliert gewissenhaft, ob von Kraftfahrern die Parkordnung in der Stadt eingehalten wird. So ist es auch am Markttag vor Ostern. Der Gründonnerstag ist ein beliebter Einkaufstag, an dem aus den umliegenden Orten Besucher nach Calau kommen. Auf den Stellflächen vor dem Rathaus und in den angrenzenden Straßen ist ein Kommen und Fahren. Und so hat der Politeur viel zu tun. Einige haben die Parkuhr vergessen oder nicht eingestellt, andere sind eilig in die Lücke gefahren – und das Auto steht mit einem halben Rad auf dem Gehweg.

Jörg Suchomel greift in seine Tasche und drückt Alexander Preißler einen rosafarbenen Zettel in die Hand. "Ich bin doch gerade erst angekommen!", sagt der Mann und wundert sich. Schließlich steht sein Auto nur wenige Zentimeter auf dem abgesenkten Bordstein. Doch dann liest er das Schreiben des Bürgermeisters und den Kalauer. Seine Miene hellt sich auf: "Das ist ja eine Überraschung, das ist mal was anderes." Und einen Schoko-Osterhasen gibt es auch noch. Von der anderen Straßenseite ruft schon eine Frau: "Ich habe heute extra keine Parkscheibe reingelegt!" Und sie hat gleich den Hinweis parat: "Mein Auto steht auf dem Marktplatz."

"Ich bin gleich wieder weg", erklärt Martin Kühne, als er den Politeur von Weitem sieht. Mit seinem Kleintransporter bringt er aus Dresden Medikamente in die Tierarztpraxis. Oft hat er Apotheken und andere Kunden in Calau zu beliefern. Von der Aktion "Kalauer statt Knöllchen" hat er allerdings noch nie etwas gehört.

Uwe Kossatz wird in der Kirchstraße "erwischt". "Das ist mein erster Kalauer", sagt der Autofahrer aus Meuro mit dem OS-SI-Kennzeichen. Er ist gerade bei den Eltern zu Besuch. Und tatsächlich, auf dem Marktplatz sitzt Vater Günter Kossatz in seinem Auto, während seine Frau ein paar Einkäufe erledigt. "Sonst sind wir ja immer vorbildlich", sagt Günter Kossatz. Die Parkscheibe hat er diesmal nicht eingestellt, und so bekommt auch er seinen ersten Kalauer. Frank Gennermann, nur zwei Fahrzeuge weiter, schaut verdutzt, als er von Jörg Suchomel einen Zettel reingereicht bekommt. Der Calauer kennt die Aktion bisher nicht. "Das ist schon o. k.", stellt er fest mit einem Blick auf das Schreiben fest.

"Das ist heute wirklich gut gelaufen", resümiert Jörg Suchomel kurz vor 16 Uhr, als er die Bilanz des Tages zieht. 150 Kalauer in 15 Varianten hat er verteilt. "Aus Freiwalde war ein Ehepaar extra wegen der Aktion nach Calau gekommen. Die beiden wollen ihrem Bürgermeister den Zettel als gutes Beispiel schicken", erzählt er. "Die Kalauer sind von unserer Pressestelle zusammengestellt worden, einige stammen auch aus dem Witzebriefkasten am Rathaus", sagt Bürgermeister Werner Suchner.

Weitere Fotos stehen im Internet unter www.lr-online.de.