Genmanipuliertes gehört nicht auf Spreewälder Äcker
Ogrosen: Öffentliche Diskussions-Veranstaltung zum Thema Öko-Landbau
Ogrosen
Die Themen Agro-Gentechnik und gentechnikfreie Landwirtschaft standen am Freitagabend im Fokus einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Landarbeiterhaus auf Gut Ogrosen (Oberspreewald-Lausitz). Eingeladen hatte der OSL-Kreisverband der Bündnisgrünen und Öko-Landwirt Heiner Lütke-Schwienhorst, die mit Cornelia Behm (Bündnis 90/Die Grünen) eine fachkundige Bundestagsabgeordnete begrüßen konnten.
Vor der Veranstaltung nahm sich Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm die Zeit, um mit Gastgeber Heiner Lütke-Schwienhorst und den Gästen des Gutes Ogrosen, Ulrich Blöcher und dessen Töchtern, Josefine (auf dem Arm) und Henriette Bohley, ins Gespräch zu kommen. Foto: Hegewald Foto: Hegewald
»Uns wird oftmals unterstellt, dass wir uns generell gegen alles stemmen, was mit Gentechnik, -forschung und -entwicklung zu tun hat«, haderte Cornelia Behm. Die Diplom-Agraringenieurin unterstrich, dass Gentechnologien insbesondere in der Medizin als Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten ihre Berechtigung hätten - vorausgesetzt, die Wissenschaft verlasse nicht die Wege ethischer Grundsätze. In der Landwirtschaft bestehe indes Gefahr eines schleichenden und außer Kontrolle geratenen Einzugs genmanipulierter Pflanzen- und Futtermittel - trotz aller Risiken, die diese Anwendungen und Verfahren in sich bergen. Mit der Ausweitung und Schaffung gentechnikfreier Regionen könne der Entwicklung entgegengewirkt werden. »Deutschlandweit gibt es 195 dieser Regionen, in denen sich knapp 30 000 Landwirte zusammengeschlossen haben«, informierte Cornelia Behm. Die gentechnikfreie Region Spreewald umfasse eine Nutzfläche von rund 24 000 Hektar, auf der 50 beteiligte Landwirte seriös wirtschaften. »Erstrebte Ziele können wir nur gemeinsam erreichen«, betonte die Bundestagabgeordnete und benannte einen Kreis von Landwirten (auch Bio-Energie-Bauern), Lebensmittelindustrie, Regionen, Gastronomie, Kommunen, Kirchengemeinden, Kindertagesstätten und Schulen, Politik und Verbraucher. »Wir sollten auch Verpächter landwirtschaftlicher Flächen sensibilisieren«, fügte Klaus Peschel vom Kreisverband der Bündnisgrünen Elbe-Elster hinzu. OSL-Kreistagsabgeordneter Winfried Böhmer hob die Bedeutung von Verbraucherinteressen hervor. Wie sensibel Warenketten auf das Verkaufsverhalten der Verbraucher reagieren, habe der Bio-Markt gezeigt, so der Vetschauer Stadtverordnete. Zudem würde es der Spreewaldmarke gut zu Gesicht stehen, wenn diese mit dem Label »gentechnikfreies Produkt« gekennzeichnet sei. Laut jüngsten Umfragen lehnen 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung Genfood ab. Andreas Rieger, Chef der Grünen/B 90 im Dahme-Spreewald-Kreis, appellierte, »in unserer Region eigene Ideen besser zu vermarkten«. Konzernen und ihren Lobbyisten, die auf Gen- und somit auf Risikotechnologie setzen, müsse die Stirn geboten werden, Genmanipuliertes gehöre nicht auf Spreewälder Äcker und Tische. Lothar Treder-Schmidt warnte vor »allzu viel Optimismus«. »Es gäbe viele Agrargenossenschaften, die das anders sehen«, so der Grünen-Kreistagsabgeordnete (LDS). Existenzielle Gründe würden den Griff zu Gen-Pflanzen Vorschub leisten. »Grüne Gentechnik ist nicht beherrschbar und könnte wie etwa bei Mais und Kartoffeln schnell aus den Fugen geraten«, gab der Ogrosener Gastgeber Heiner Lütke-Schwienhorst zu bedenken und zitierte den Denkspruch von Christine von Weizsäcker (Biologin): »Gentechnik ist die Antwort, was aber war die Frage?«
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