11. März 2010, 00:00 Uhr

Blitzschlag aus heiterem Himmel - Schlaganfall-Symposium in Senftenberg

Täglich neuer Schlaganfallpatient in Senftenberg / Symposium am Sonnabend

Senftenberg Eine Mischung aus Unkenntnis und Angst hält viele Patienten davon zurück, nach einem Schlaganfall schnell den Arzt zu rufen. „Was von alleine kommt, geht auch wieder von alleine“ – denken viele und tappen in eine Todesfalle. Um den Wettlauf mit der Zeit zu gewinnen, laden die Professoren Fritjof Reinhardt und Stefan Brehme aus dem Klinikum Niederlausitz am Sonnabend zum 15. Male zu den Gesprächen zum Schlaganfall ins Konrad-Zuse-Medienzentrum der Hochschule Lausitz ein.

Seit 1996 gibt es im Krankenhaus Senftenberg eine Stroke Unit, eine Spezialabteilung zur Behandlung von Schlaganfällen. Es war nach der Wende die erste Stroke in den neuen Bundesländern, die fünfte in ganz Deutschland. Foto: Steffen Rasche Foto: Steffen Rasche
An jedem Tag wird ein Schlaganfall-Patient auf die Stroke im Senftenberger Krankenhaus eingeliefert. Rund 400 Kranke werden in der Spezialabteilung im Klinikum Niederlausitz jährlich behandelt. Weil die Warnzeichen oft nicht erkannt werden, kommen noch immer zu viele Patienten zu spät ins Krankenhaus. Der Schlaganfall, der durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn oder durch eine schwere Einblutung entsteht, trifft sie wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel. Vor 15 Jahren, als die Senftenberger Ärzte begannen, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren, kamen viele Patienten erst nach mehreren Tagen auf die Stroke. Heute haben sich die Einlieferzeiten deutlich verbessert. Zwei Drittel der Betroffenen erreichen das Senftenberger Krankenhaus zwischen zweieinhalb und viereinhalb Stunden. Dieser Wettlauf mit der Zeit bleibt für Dr. Stefan Brehme, Chefarzt der Medizinischen Klinik II, entscheidend. 

„Wer in den ersten drei Stunden kommt, hat bis zu 80 Prozent gute Chancen“, erklärt er. Dann sei es möglich, das Blutgerinnsel, das den Hirn infarkt verursacht hat, mit einem Medikament aufzulösen. Je länger der Patient zögere, desto stärker können die bleibenden Schäden sein.

Das Gefährliche aus der Sicht von Prof. Brehme ist die Tatsache, dass die klassischen Symptome und Warnzeichen für einen Schlaganfall nur die wenigsten treffe und daher als solche auch oft nicht erkannt werden. Die Vorboten für einen Schlaganfall sind oft nur flüchtig und können auch plötzlich wieder verschwinden. Sie werden daher von 30 Prozent der Betroffenen nicht erkannt, fehlgedeutet oder verdrängt. „Das Heimtückische dabei ist, dass innerhalb von 30 Tagen oft ein richtiger Schlaganfall folgt“, erklärt Prof. Dr. Reinhardt, Leitender Arzt der Stroke Unit.

Zu den Warnzeichen gehören plötzlich auftretende Sprachstörungen, vorübergehende Lähmungen des rechten oder linken Arms/Beins, die Taubheit einer Körperhälfte, das Erblinden auf einem Auge, Gleichgewichts- und Hörstörungen sowie leichter Schwindel. Achtungszeichen sind auch ein herunterhängender Mundwinkel, Stottern und ein extrem starker Kopfschmerz.

Das Beeinflussen der Risikofaktoren für einen Schlaganfall hat sich laut Professor Brehme als schwierig erwiesen. Dazu gehören das Rauchen, ein hoher Fettspiegel sowie ein schlecht eingestellter Diabetes. Hinzu komme ein nicht bekannter oder nicht behandelter Bluthochdruck. Die daraus resultierenden schweren Folgeerkrankungen würden sich oft erst nach 20 Jahren einstellen. Neueste Erkenntnisse der modernen Bluthochdrucktherapie werden deshalb bei den 15. Senftenberger Gesprächen zum Schlaganfall eine wichtige Rolle spielen. 

Ebenso die Erkenntnis, dass Migräneerkrankungen im Zusammenhang mit dem Rauchen und der Einnahme der Pille ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko darstellen.

Im Krankenhaus Senftenberg haben Schlaganfall-Patienten Vorfahrt. „Wir wollen den Patienten schnellstmöglich helfen, keine kostbare Zeit verstreichen lassen“, sagt Prof. Reinhardt, Beauftragter der Deutschen Schlaganfall-Stiftung Südbrandenburg. Nach der Einlieferung durch den Rettungsdienst vergehen von der Notaufnahme bis zur Behandlung höchstens 45 Minuten. Je früher ein Patient behandelt werden kann, desto größer sind seine Chancen, später ein Leben ohne fremde Hilfe führen zu können. Darin sind sich die beiden Senftenberger Klinikärzte Prof. Brehme und Prof. Reinhardt einig.
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Erstellt am: 11. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 11. März 2010, 09:37 Uhr
Autor: Von Andrea Budich

Von Andrea Budich

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