08. Februar 2010, 00:00 Uhr

Altdöbern wird zu „Woodstöckchen“

Hippies und KCA-Karnevalisten im närrischen Wettstreit

Die Hippiebewegung hatte in den 60er und 70er-Jahren ihre Blütezeit. Doch in Altdöbern haben die Blumenkinder mit dem Karneval anno 2010 das Zepter übernommen und die kleine Gemeinde kurzerhand zum „Woodstöckchen“ erklärt.

Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf Altdöbern. Unvergessen sind die legendären Rock- und Blueskonzerte im Schlosspark, das Tragen langer Haare oder das Hören englischsprachiger Musik, die über westdeutsche Rundfunk-Frequenzen in ostdeutsche Haushalte drang. „Genau diese Antworten konnten wir unseren Bürgern entlocken“, frohlockt Maik Scharoba, der gemeinsam mit Stefan Heinrich und Andy Twarock bereits Wochen zuvor interviewend durch Altdöberns Gassen gezogen war. Ihre Bild- und Tondokumente sind der Auftakt des närrischen Woodstock-Festivals, das mit einem Paukenschlag beginnt.

Wie Dutzende Prinzenpaare vor ihnen schreiten auch René I. und Melanie I. das Spalier ab. Jedoch nutzen beide vor ihrer Thronbesteigung die Gelegenheit, um bei örtlichen einem Drogeriemarkt und dem Jugendclub mit erhobenem Zeigefinger auf Missstände aufmerksam zu machen.  Kaum haben seine Majestät und ihre Lieblichkeit Platz genommen, werden sie und das närrische Volk auch noch Zeugen eines handfesten Wettstreits um die Hoheit im Schützenhaussaal.



Hippies versus KCA

Ein ums andere Mal schicken Hippies mit Hendrix, Joplin oder Cocker Idole ihrer Ära aufs Parkett – Altdöberns Karnevalisten (KCA) antworten mit Funkenmariechen Pauline, Männerballett, Nachwuchsgarde und mit Jason – dem wahrscheinlich jüngsten Standartenträger der Nordhalbkugel. „Das mache ich jetzt immer“, erzählt der Zehnjährige nach seiner Premiere.

Mitunter noch jünger sind Mitwirkende vom Akrobatik-Team Niesky. „Seit 28 Jahren begleiten wir an einem Wochenende Altdöberner Karnevalsveranstaltungen“, sagt Gundram Hübner. Über drei Jahrzehnte führt er gemeinsam mit Gattin Heidi Regie über das etwa 30-köpfige Team, wobei ihre Choreografien stets auf die KCA-Mottos ausgerichtet sind.  So sind es in diesem Jahr bunt gekleidete Hippies, die menschliche Pyramiden bauen oder per Salto durch die Luft sausen.



Als der Flower-Power-Bus nach „Woodstöckchen“ einbiegt, scheint sich die Waage zugunsten der Blumenkinder zu neigen. Doch die Karnevalisten erwidern mit ihrem ganzen Stolz und schicken die Funkengarde ins Rennen. Das Prinzenpaar hat schließlich ein Einsehen und erklärt den Dreikampf zwischen Karnevalisten, Hippies und Artisten für unentschieden.

Chance für Frieden

„Give peace a chance“, lautet jetzt das Motto, für das DJ Hor schte die passende Musik im Koffer hat, die wiederum Mitwirkende und Publikum zum Vereinigungstanz aufs Parkett lockt. Nicht auszuschließen ist, dass die Wettbewerbe womöglich erneut ausbrechen und dabei der Schlachtruf „Nicht zögern, Altdöbern“ erschallt.
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Erstellt am: 08. Februar 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 08. Februar 2010, 14:38 Uhr
Autor: Von Uwe Hegewald

Von Uwe Hegewald

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