07. Juni 2008, 00:00 Uhr

Von Klemzig nach Klemzig

Durch die Informationen, Ergebnisse und Auswertungen der erfolgreichen Forschungsreisen ins Innere des fünften Kontinents Anfang des 19. Jahrhunderts rückte auch Australien in das Blickfeld von deutschen Auswanderern. Mit der Bereitstellung großer Landflächen zur Besiedlung und Bewirtschaftung, bot die damalige englische Kolonie den neuen Siedlern eine wirtschaftliche Perspektive und einen gewissen Wohlstand.

Von Klemzig nach Klemzig
Von hier aus begann für etwa 800 Einwohner der Region Züllichau im Juni 1838 die Ausreise in Richtung Südaustralien. Das Foto zeigt Tschicherzig (Cigacice), wo einst die Oderkähne die Auswanderer nach Hamburg brachten.Tschicherzig (Cigacice) an der Oder. Foto: Fotos: Bernd Marx
Nur zwei Jahre nach der Erstbesie-dlung von Südaustralien im Jahre 1836 durch die Engländer, kamen die ersten Brandenburger nach Adelaide, Bundeshauptstadt von Südaustralien, und gründeten die erste deutsche Siedlung auf dem fünften Kontinent.
Unter Führung von Pastor August Ludwig Christian Kavel (1798 bis 1860) verließen am 8. Juni 1838 über 200 Einwohner von Klemzig, einem in der südöstlichen Ecke gelegenen Ort der Provinz Brandenburg, ihre deutsche Heimat, um nach Australien auszuwandern. Heute liegt Klemzig in Polen und trägt den Namen Klepsk.

Weitere 600 Einwohner folgten
Dieser Gruppe schlossen sich weitere 600 Einwohner aus der Region von Züllichau (Sulechow), Schwiebus (Swiebodzin), Möstchen (Moski), Skampe (Skape), Muschten (Myszecin), Friedrichsfelde (Podosie), Klippendorf (Przygubie), Kay (Kije), Rissen (Rosin), Jehser (Jezory), Rentschen (Radoszyn), Palzig (Palck) und Nickern (Niekarzyn) an.
Anlass für die Auswanderung der Bauern, Handwerker, Händler, Arbeiter, Angestellten, Lehrer und Geistlichen waren Kirchenzwistigkeiten. Die Bemühungen des preußischen Königs, Friedrich Wilhelm III., die lutherische und die reformierte Kirche zur Landeskirche zu vereinigen, wurde von vielen Bürgerinnen und Bürgern mit Empörung aufgenommen. Als gleichzeitig unter Leitung des Königs eine neue Gottesdienstordnung, die „Agende“ ausgearbeitet und erlassen wurde, schwoll die Erregung in den Städten und Dörfern weiter an. Trotz Ermahnungen und harter Strafen durch die Obrigkeit, wollten die Einwohner eine altlutherische Kirchengemeinde bleiben. Als sich kein Einlenken oder Kompromiss abzeichnete, entschlossen sich die betroffenen Menschen zur Auswanderung nach Australien.
Am 8. Juni 1838, vor 170 Jahren, verließen die ersten Familien mit Hab und Gut in Tschicherzig (Cigacice) ihre geliebte deutsche Heimat, um in der Ferne ihr Glück zu suchen. Mit insgesamt vier Oderkähnen fuhren sie über Berlin, Brandenburg, Rathenow, Havelberg und Wittenberge nach Hamburg.
Am 6. Juli 1838 fuhr der erste Segler, die „Prinz Georg“, mit den Auswanderern nach Australien. Später folgten noch die Segelschiffe „Zebra“ und „Catharina“.
Nach einer 18-wöchigen Überfahrt erreichte die „Prinz Georg“ am 20. November 1838 den Hafen von Adelaide. 14 Auswanderer hatten die Strapazen der Reise nicht überstanden und waren vor Erschöpfung gestorben.
Nur wenige Tage später begannen die Ankömmlinge auf einer Fläche von 60 Hektar ihr neues Zuhause am Ufer des Torrens River zu errichten.

Der Name blieb
Zur Erinnerung an ihre deutsche Heimat nannten sie es Klemzig. Es war das erste deutsche Dorf auf dem fünften Kontinent. Bereits vor dem Weihnachtsfest 1838 konnten die Familien ihre Häuser beziehen. Neben 30 Wohnhäusern, waren auch eine Schule und eine Kirche sowie ein Pfarrhaus entstanden. Wochen später wuchsen auf den Feldern und in den Gärten Kartoffeln, Getreide, Rüben, Mais, Melonen, Gurken, Kohl, Zwiebeln, Möhren, Bohnen und allerlei Kräuter.
Der Fleiß der „alten“ Brandenburger hatte sich schnell in der Gegend um Adelaide herumgesprochen. So wurden sie in der Presse als „australische Bienen“ bezeichnet und immer wieder für ihre Tüchtigkeit gelobt. Die Familien stellten anfangs ihr Brot selbst her, butterten und fischten im Torrens River. Die deutschen Arbeiter, Handwerker, Händler, Angestellten und Lehrer suchten sich eine Anstellung in der Stadt Adelaide. Die Klemziger Kinder wurden von Pastor Kavel im neuen Schulhaus unterrichtet.

Glockenturm und Straßen erinnern
Heute ist Klemzig ein Stadtteil von Adelaide. Wo einst die erste deutsche Lutherische Kirche von Australien stand, erinnert heute auf dem „Klemzig Pioneer Cementry“ ein nachgebildeter Glockenturm vom Gotteshaus und der Wirkungsstätte von Pastor Kavel. Die angrenzende Straße trägt den Namen „First Street“ und gibt einen Hinweis auf die allererste deutsche Straße auf dem riesigen fünften Kontinent.
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Erstellt am: 07. Juni 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Juni 2008, 01:36 Uhr
Autor: von Bernd Marx

von Bernd Marx

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