Neu: Verein hilft Männern, die unter häuslicher Gewalt leiden
OSL-Kreis. In der Kriminalitätsstatistik ist der Bereich «Häusliche Gewalt» eine Randerscheinung. 44 Anzeigen stehen im ersten Halbjahr 2007 insgesamt 5343 Straftaten gegenüber. Doch dahinter stehen 44 Einzelschicksale – in der Mehrzahl von Frauen.
Jene, die es aufgrund der Gewaltexzesse zu Hause nicht mehr aushalten, suchen im Frauen- und Kinderschutzhaus des Landkreises Zuflucht. Es befindet sich seit der Eröffnung am 10. April 1992 in Lauchhammer. Als einzige heute dort noch Tätige arbeitet Projekt-leiterin Renate Stolzenwald in dem Haus.
Bis Ende Juli haben in Lauchhammer 13 gepeinigte Frauen und zwölf Kinder eine befristete Bleibe gefunden. Hinter ihnen liege eine Zeit der Qualen. «Im Durchschnitt ertragen die Frauen sieben Jahre die häusliche Gewalt, ehe sie sich jemandem öffnen und dann Hilfe suchen» , weiß Renate Stolzenwald. Es gebe aber zunehmend Männer, die geschlagen werden oder andere Martyrien ertragen.
«Die Frauen halten sich bei uns durchschnittlich 40 Tage auf» , sagt Renate Stolzenwald. Etwa ein Drittel gehe zurück und klage den Peiniger aus der gemeinsamen Wohnung. Ein weiteres Drittel suche sich eine neue Bleibe. Alle anderen versuchen es zu Hause noch einmal. «Doch davon landet jede zweite Frau erneut bei uns» , weiß die Projektleiterin.
Seit Jahresbeginn liegt das Frauen- und Kinderschutzhaus nicht mehr in den Händen der Fraueninitiative «Gleich und berechtigt» . Neuer Träger ist «Frakima – Verein gegen häusliche Gewalt» , ebenfalls mit Sitz in Lauchhammer. Er wurde 2005 von Mitarbeiterinnen des Schutzhauses, von Interessierten und Männern gegründet.
«Wir haben den Verein ins Leben gerufen, weil wir uns dem ganzen Spektrum der häuslichen Gewalt widmen wollen, also auch gegen Männer und Kinder» , erklärt Renate Stolzenwald. Das erweiterte Aufgabenfeld gehe über die Ziele der Fraueninitiative hinaus, deshalb verabschiedete diese sich.
Dass auch die angeblich so starken Männer vor den Gewaltakten ihrer Frauen bzw. Lebensgefährtinnen nicht verschont bleiben, belegt die Kriminalstatistik. Von den 48 Tatverdächtigen im ersten Halbjahr 2007 waren zehn Frauen. Im Vorjahr registrierte die Polizei sechs weibliche und 53 männliche Tatverdächtige.
«Es gab schon Fälle, dass geschlagene Männer mit ihren Kindern vor unserer Tür standen und nicht wussten wohin» , erinnert sich die Leiterin. Diese sind dann nach Dresden, Berlin beziehungsweise Hamburg verwiesen worden. In Brandenburg gebe es nicht mal eine Beratungsstelle für betroffene Männer. Dieses Defizit wolle der Verein Frakima beheben. Doch schon jetzt könne leidenden Männern geholfen werden. Der Verein berät die Ratsuchenden auch zu Hause.
Frakima werde sich im Oktober ausführlich der Öffentlichkeit in der Friedensgedächtniskirche in Lauchhammer-Ost vorstellen, teilt die Projektleiterin mit.
Die Finanzierung des Schutzhauses sei 2007 gesichert. Das Land schieße nur noch 50 000 Euro zu den Personalkosten zu. Dagegen sei der Betrag des Landkreises mit 42 000 Euro wenigstens gleich geblieben. Sach- und Betriebskosten trage die Solidargemeinschaft der Kommunen, der jedoch nicht alle Städte und Gemeinden angehören.
Darüber hinaus seien Geldspenden ebenso willkommen wie neuwertige Sachspenden. Gebraucht würden zum Beispiel eine Polstergarnitur für den Gemeinschaftsraum, Töpfe, Pfannen, Geschirr- und Badehandtücher. Demnächst erhalte das Schutzhaus eine neue Küche, die mit Bußgeldern aus Gerichtsverfahren finanziert wird.
| Hintergrund Häusliche Gewalt |
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 14. September 2007, 00:00 Uhr
Geändert am: 19. September 2007, 02:36 Uhr
Autor: Manfred Feller

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