06. Februar 2012, 00:00 Uhr

Lübben erlebt im Blauen Wunder den ersten Nachtflohmarkt mit vielen Interessierten

Feilschen, was das Zeug hält

Lübben Mit einer Premiere ist am Wochenende das Blaue Wunder gestartet. In der Mehrzweckhalle haben Besucher und Händler beim ersten Nachtflohmarkt gefeilscht, was das Zeug hält.

Was soll das kosten? 20 Euro. Zu viel, ich gebe höchstens zehn. Also gut. 15 Euro. Hand drauf.

Im Blauen Wunder wurde am Samstag gefeilscht, was das Zeug hält. Der Nachtflohmarkt in Lübben feierte Premiere. Die halbe Halle war mit Ständen gefüllt. Das Publikum kam zahlreich – fast alle waren auf der Suche nach dem ultimativen Schnäppchen. „Ich suche nichts Bestimmtes“, erzählt Birgit Sauer. „Wenn mir etwas gefällt und der Preis stimmt, nehme ich es auch mit.“ Die Berlinerin ist oft auf Flohmärkten unterwegs, wie sie erzählt. „Weil du dort alles, na ja, fast alles findest.“ Von Gummidichtungen für Luftpumpen, kleinsten Schräubchen über alte Holzski und Faschingskostüme bis hin zu vergilbten Fotos, abgegriffenen Büchern und nostalgischen Bügeleisen reichte das Angebot auch in Lübben.

„Solch einen umfangreichen Fundus sieht man nur auf Flohmärkten“, sagt der Cottbuser Ralf Pietsch. „Es ist spannend zu sehen, dass selbst vermeintlich wertlose Dinge den Besitzer wechseln.“

Am Samstag etwa ein großes Wandbild mit einem Blumen/Obst Motiv. Der wuchtige Rahmen war ziemlich abgegriffen, zudem an mehreren Stellen beschädigt. Das Bild selbst schien farblich laienhaft aufgefrischt worden zu sein. Der Besitzer bestätigt das auch: „Ein paar Stellen habe ich ausgebessert.“ Den Interessenten - ein Paar mittleren Alters - stört das nicht. Sie finden das Wandbild „irgendwie schön. Was soll es denn kosten?“ Die in den Ring geworfenen 35 Euro zahlen sie ohne w Diskussion.

Ein paar Stände weiter interessieren sich zwei Frauen für eine Leinentischdecke. Der Preis reizt sie, hätte fast zum Kauf verleitet. Doch dann entdecken sie ein paar kleine Fehler bei der Verarbeitung. Die Decke bleibt vorerst liegen.

Der Preis ist nicht alles. Auch bei Trödel muss die Qualität stimmen. Die Lupe, die ein älterer Herr in die Hand nimmt und sehr intensiv von allen Seiten betrachtet, ist zumindest optisch in gutem Zustand. Er scheint interessiert, fragt: „Was soll die Lupe denn kosten?“ Als Antwort auf die geforderten 16 Euro hat er nur ein mildes Lächeln übrig. Dann denkt er nach und sagt: „16 Euro sind zu viel. Einen Zehner würde ich geben.“ Die Frau hinterm Stand winkt ab: „Damit komme ich nicht hin. 14 Euro, das würde ich machen.“ Der ältere Herr will die Lupe jetzt: „Gut, 14 Euro, packen sie mir das Ding ein.“

Flohmärkte haben etwas Aufregendes, manchmal auch Überraschendes. Ein Mann wühlt in einer Pappschachtel mit alten Alben, Schnittmustern, technischen Zeichnungen. Was genau das ist, weiß er nicht, und interessiert ihn auch nicht. Schon nach wenigen Sekunden fragt er nach dem Preis. 30 Euro für die komplette Kiste will die Besitzerin haben. Der Kaufinteressierte runzelt die Stirn, kneift die Augen zusammen, sagt: „30 Euro, ohne den Inhalt zu kennen?“ Die Händlerin findet das in Ordnung: „Ein bisschen Überraschung ist beim Trödeln halt immer dabei.“ Der Mann schlägt ein und ist jetzt Besitzer eines Pappkartons mit unbekanntem Inhalt.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 06. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 06. Februar 2012, 08:39 Uhr
Autor: Von Andreas Staindl

Von Andreas Staindl

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren