02. Februar 2012, 00:00 Uhr

Künstler aus Jamlitz stellt in Lübben aus

Kupferstiche von Erich Seiffert sind ab Freitag im Stadtmuseum zu sehen

Lübben Der ein oder andere Lausitzer hat sicher einen echten „Erich Seiffert“ im Wohnzimmer hängen. Der Kupferstecher und Maler hat von 1936 bis 1943 in der kleinen Künstlerkolonie Jamlitz gearbeitet. 68 Jahre nach seinem Tod zeigt das Lübbener Stadt- und Regionalmuseum im Schloss zum ersten Mal über 70 Kupferstiche in einer eigenen Ausstellung.

Hans-Richard Groschke (r.) bespricht mit Christian Seiffert, wie die Bilder präsentiert werden sollen. Foto: guc Foto: guc
Hans-Richard Groschke gerät ins Schwärmen. „Die Genauigkeit und Kunstfertigkeit ist etwas Besonderes“, sagt der Lübbener Künstler und deutet auf den Druck einer Heckenrose. Auch andere Blumen betrachtet Groschke eingehend, während er hilft, die neue Ausstellung „Erich Seiffert – Kupferstiche“ im Lübbener Stadt- und Regionalmuseum im Schloss vorzubereiten.

Künstler-Sohn hilft beim Aufbau

Bei dem Aufbau der neuen Ausstellung, die am Freitag, 3. Februar, eröffnet wird, ist auch Christian Seiffert mit dabei. Er ist der älteste Sohn von Erich Seiffert. Geboren wurde er 1935, kurz nachdem seine Eltern geheiratet und in einen Anbau des Hauses von Walter Kühne nach Jamlitz gezogen waren. Er erinnert sich noch gut, wie sein Vater an seinen Kunstwerken gearbeitet hat. „Das Erste, an was ich mich erinnere, ist, wie mein Vater einen Kupferstich einer Eidechse anfertigte. Auf einem Kissen aus Leder und mit Sand gefüllt lag die Kupferplatte. Daneben, auf einem Baumstumpf, lag eine tote Eidechse, die sein Modell war“, erzählt der heute 76-Jährige.

Kunst am Fließband

Mehrere solcher Episoden aus seiner Kindheit erzählt Christian Seiffert. Sehr genau weiß er über die Biografie und das Leben seines Vaters Bescheid. „Mein Vater hat mit den Kupferstichen eine Nische auf dem Kunstmarkt hier in der Region bedient. So konnte er zum ersten Mal von der Kunst leben“, so Seiffert. Die Drucke wurden gern zu Weihnachten oder Ostern verschenkt. Vor allem Pflanzen- und Tiermotive fertigte Erich Seiffert an. Aber auch Weihnachts- oder Osterthemen bildete er ab, erstellte auch Geburts- oder andere Anzeigen. „Am wenigsten mochte er das Kolorieren, aber das brachte mehr Geld“, weiß Christian Seiffert. Damit es schneller ging, hat Erich Seiffert die Arbeit quasi am Fließband erledigt. Auf einem Schienenwagen wurden mehrere schwarz-weiß Drucke nebeneinandergelegt. Dann wurden erst die Blüten, später die Blätter bemalt, der Pinsel musste so nicht ausgewaschen werden.



Die Ausstellung „Erich Seiffert – Kupferstiche“ wird am Freitag, 3. Februar um 17 Uhr im Museum Schloss Lübben, Ernst-von-Houwald-Damm 14 eröffnet. Sein Sohn Christian Seiffert wird anwesend sein. Bis 11. März werden die Bilder von Mittwoch bis Freitag, 10 bis 16 Uhr und am Wochenende von 13-17 Uhr gezeigt.

Zum Thema:

Erich Seiffert wurde 1898 in Schwiebus (heute: Swiebodzin) geboren, später besuchte er das Gymnasium in Frankfurt/Oder und wurde dann Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach der Rückkehr wurde er Polsterer und Tapezierer und studierte Innenarchitektur. 1935 zog er mit seiner Frau, der Tochter von Walter Kühne, nach Jamlitz. Nach der Geburt seines dritten Sohnes wurde er 1943 eingezogen und starb 1944 bei einem Bombenangriff in Frankreich. Eine Ausstellung seiner Werke gab es nie.
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Erstellt am: 02. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 02. Februar 2012, 11:08 Uhr
Autor: Von Anne Guckland

Von Anne Guckland

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