21. April 2009, 00:00 Uhr

In Lübben machen Windkraftgegner ihrem Frust Luft

Demonstration mit rund 100 Teilnehmern in Lübben / Forderung nach 1500-Meter-Abstandsregelung

Lübben In Lübben haben rund 100 Windkraftgegner gegen den Bau neuer Anlagen demonstriert und ihrer Forderung nach einer Abstandsregelung von 1500 Metern zur Bebauung Nachdruck verliehen. Dabei machten sie aus ihrem Frust gegenüber der Brandenburger Landesregierung keinen Hehl, von der sie sich missachtet fühlen. So war auch der Montag von den Organisatoren der Volksinitiative „Gegen die Massenbebauung Brandenburgs mit Windrädern“ sowie dem Verein „Pro Spree und Wald“ ganz bewusst gewählt.

Etwa 100 Windkraftgegner sind durch die Lübbener Innenstadt gezogen. Foto: Ilja Melcher Foto: Ilja Melcher
Die Ansage ist klar: „Wer uns mit Windrädern quält, wird abgewählt.“ So steht es auf mehreren Schildern. Christoph Sehmsdorf vom Verein „Pro Spree und Wald“ und Pfarrer im Ruhestand erinnert an die besondere Bedeutung des Montags als „Tag des Unwillens“, wie er in den Montagsdemonstrationen vor genau 20 Jahren in die Geschichte eingegangen war.

Räder fast neben dem Haus

Genau diesen Unwillen wollen die Menschen demonstrieren. Unter den Teilnehmern sind viele Betroffene. Ralf Wisniewski von der Bürgerinitiative „Gegenwind“ aus Golzow hält ein unscheinbares Schild mit der Abkürzung „Art. 2 GG“ hoch. Damit wollen er und seine Golzower Nachbarin Christiane Jans an Artikel 2 des Grundgesetzes erinnern.  „Darin steht das Recht auf körperliche Unversehrtheit“, erklärt sie und schiebt gleich nach: „Aber das ist mit einem Windpark gleich neben dem Haus nicht möglich.“ Beide berichten, dass 15 Windräder in gerade einmal 550 Meter Entfernung von ihren Häusern stünden. „Abgesehen vom optischen Aspekt haben wir vor allem mit dem Lärm und der Diskobeleuchtung bei Nacht zu kämpfen“, erklärt Christiane Jans. Noch eine Ungerechtigkeit frustriert die Golzowerin: „Wenn eine Straße gebaut wird, dann werden die Bürger mit dem Argument zur Kasse gebeten, dass der Wert ihres Grundstücks steigt. Und wenn ein Windpark gebaut wird, dann sinken die Grundstückspreise automatisch und das müssen wir so einfach hinnehmen.“

„Menschen ignoriert“

Für Edgar Poethke aus Wittmannsdorf ist es „unerträglich, wie die Menschen ignoriert werden“. Er sagt: „Nicht nur die Landschaft, sondern auch die Grundstücke werden dadurch  entwertet.“ Die Gewinne kämen zudem nicht den Gemeinden zugute, sondern fließen in die Taschen der Investoren, die zumeist gar nicht in Brandenburg lebten. Auch das ärgert ihn: „Das Land missachtet seine eigenen Gesetze, was den Naturschutz angeht.“

Auch die beiden 15-jährigen Freundinnen Franziska Görick und Isabell Malohn haben sich in den Demonstrationszug eingereiht, der von der Postmeilensäule aus eine große Runde um den Lübbener Marktplatz macht. Franziska stammt aus Klein Leine. Dort sollen fünf neue 105 Meter hohe Windräder gebaut werden (die RUNDSCHAU berichtete). „Wir sind nicht komplett gegen die Windkraft, aber wir fordern, dass ein Mindestabstand von 1500 Metern zu den Dörfern eingehalten wird“, erklärt Franziska.  Auch wenn der Bau der Anlagen in Klein Leine trotz der juristischen Anstrengungen durch die Gemeinde Märkische Heide nicht verhindert werden sollte, „so darf das in anderen Dörfern nicht auch noch passieren“, erklärt sie. Deshalb sei sie bei der Demonstration dabei und ihre Freundin aus Lübben unterstützt sie.

22 000 Unterschriften

Die Volksinitiative nutzt die Gelegegenheit weitere Unterschriften zu sammeln. Damit will sie erreichen, dass sich der Brandenburger Landtag mit eine Abstandsregelung von 1500 Metern zur Bebauung befasst. Die Aktivisten wollen erreichen, dass dieser Mindestabstand ins Gesetz geschrieben wird. Damit die Landespolitiker das Thema jedoch überhaupt erst einmal diskutieren, sind 20 000 Unterschriften notwendig. Eigenen Angaben zufolge hat die Volksinitiative bereits 22 000 gesammelt.  Sprecher Thomas Jacob hat eigenen Worten zufolge vonseiten der Politik bislang nur Ablehnung erfahren – sei es von den Landtagsabgeordneten der Region oder dem Landeschef.

Die Demonstranten und die Organisatoren sind sich jedoch sehr wohl bewusst, dass im September ein neuer Landtag gewählt wird. So spricht Jacob den Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) auch direkt an: „Herr Platzeck, vergessen Sie nicht die Stimme des Volkes. Die hat schon manches zum Wanken gebracht.“
Bilderstrecke 03.12.2008
Die Windkraft in der Lausitz
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Erstellt am: 21. April 2009, 00:00 Uhr
Geändert am: 21. April 2009, 14:25 Uhr
Autor: Von Peggy Kompalla

Von Peggy Kompalla

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