24. Oktober 2011, 00:00 Uhr

Grüne schlagen Lkw-Verbannung aus Lübben vor

Diskussion mit Bundestagsabgeordnetem Hofreiter lässt Emotionen hochkochen

Lübben Es war ein Abend voller Ironie, Leidenschaft und streckenweise Bitterkeit. Bündnis 90/Die Grünen hatte Anton Hofreiter eingeladen, den Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Er sollte Lübben einmal von seiner Seite erklären, wie es um die Finanzen für Straßenbau auf Bundesebene bestellt ist.

Launig und mit bayrischen Biergarten-Anekdoten gewürzt, durchaus ironisch und mit Unterhaltungswert packte der Grünen-Abgeordnete aus dem Freistaat die Aufgabe an, ein dröges Thema wie Finanzen für Straßenbau auf Bundesebene zu erläutern.

Das Geld ist knapp und das Rohöl wird ausgehen, waren zwei der weniger überraschenden Erkenntnisse. 90 Prozent der Mobilität hänge vom Öl ab, so Hofreiter, und diese werde sich mit dem Ende des Rohstoffs dramatisch verändern.

Dieses und eine ganze Reihe weiterer Argumente zielten auf die unausgesprochene Frage ab, warum für eine Ortsumgehung von Lübben mindestens 30 Millionen Euro investiert werden sollen – ganz abgesehen vom Eingriff in die Natur. Deren Belange, machte Christian Boellert vom Naturschutzbund (Nabu) deutlich, seien bisher viel zu wenig beachtet worden. Sein stärkstes Argument: Die Querung der Spree bei Lehnigksberg stellt eine infrastrukturelle Herausforderung für das Bauwerk dar, das – wenn überhaupt – nur über Stelzen zu lösen wäre. Damit wäre eine der schönsten Ausfahrten von Lübben aus optischer Sicht für immer verändert.

Und so war die Diskussion an ihrem Dreh- und Angelpunkt angekommen: Leidet Lübben mehr, wenn es den Status Erholungsort verliert, weil die Stadt die Verkehrsbelastung durch endlose Lkw-Kolonnen und Staus nicht reduzieren kann? Oder leidet Lübben dann mehr, wenn Teile der touristischen Pfunde, mit der die Stadt wuchert, an Attraktivität verlieren? Für Grünen-Kreisvorsitzenden Andreas Rieger war das „eine Abwägungssache“.

Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU) sah diesen Punkt naturgemäß ganz anders. Die Bitterkeit, die die Frage, was Lübben eigentlich vom Erholungsort habe, in ihm auslöst, war deutlich zu spüren. Denn aus Bretterbauers Sicht war die Auszeichnung als staatlich anerkannter Erholungsort für Lübben einer der wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung der Stadt, der vielen Einwohnern, ob Pensionsbetreibern oder Ladenbesitzern, wirtschaftlichen Erfolg ermöglicht.

Acht Jahre Bauzeit

Bretterbauer ließ auch nicht unerwähnt, dass die innerörtliche Ausbaualternative, auf die die Grünen abzielten, eine achtjährige Bauzeit in Lübben mit Arbeiten an neuralgischen Punkten bedeuten würde – kurz: noch mehr Stau.

Beobachter der Lübbener Stadtverordnetenversammlungen erinnerten sich daraufhin an den Schock, den diese Auskunft des damaligen Verkehrsministers ausgelöst hatte – verbunden mit der Entscheidung, jetzt die Planung für die Umgehung voranzutreiben. Es sei allerdings in speziellen Fällen möglich, formulierte Hofreiter vorsichtig, den Lkw-Verkehr komplett aus der Stadt zu verbannen. „Das muss man gut begründen, weil jeder Spediteur dagegen klagen kann.“ Auch eine Lkw-Maut auf Bundesstraßen, um den Schwerverkehr auf den Autobahnen zu konzentrieren, würde aus Grünen-Sicht helfen und ist eine langjährige Forderung ihrer Politik. Hofreiter plädierte zudem für eine gezielte Förderung von Fußgänger- und Fahrradverkehr und für kleinere Lösungen in der Stadt selbst: „Ich kann nur jedem raten, egal ob Umgehungsstraßen-Befürworter oder -Gegner, den Spatz in der Hand zu nehmen und nicht auf die Taube auf dem Dach zu hoffen.“
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Erstellt am: 24. Oktober 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 24. Oktober 2011, 09:49 Uhr
Autor: Von Ingvil Schirling

Von Ingvil Schirling

Jüngste Kommentare (2)

weg diskutieren?

von hartmannsdorfer

Endlich mal jemand, der klare Fakten auf den Tisch bringt. Vor allem wird den anwesenden auf eindruckvolle Art und Weise dieses marzialische Bauwerk, welches kaum jemand haben will, nähr gebracht.
Welchen Sinn sollte es denn machen, mein Tafelsilber, in Form einduchsvoller, unberührter Natur, zu verscherbeln, für eine fragwürdige Trasse der Mautumgeher.
Nicht zu vergessen, dass sich die Leute in Treppendorf, Lübben Nord und Hartmannsdorf, dann als freundliche Ausstellungsstücke bisheriger "Ureinwohner" präsentieren dürften.
Und auch nicht zu vergessen, dass genau die Leute, die jetzt FÜR die OU propagieren, diese 2000 erfolgreich verhindert haben.

???

von pfomje

das ist doch krank.....was wollt ihr eigentlich noch alles wegdiskutieren wenn es uim eure privaten interessen geht ???

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