Mehr als 70 Wissenschaftler, Umweltschützer, Fischer, Angler, Landwirte und Interessierte aus dem gesamten Spreewald haben sich am Sonnabend zum sechsten Quappentag in Lehde getroffen. Dabei erhielten sie neueste Informationen zur Verbesserung der natürlichen Bedingungen zwischen Burg und Schwielochsee und tauschten Erfahrungen aus.
09.02.2010
„Durch die Renaturierung von Altarmen am Burg-Lübbener-Kanal und in Steinkirchen konnte das Rückzugs- und Laichgebiet für die Quappe deutlich verbessert werden“, konstatierte Steffen Görtz vom Verband der Spreewaldfischer Lübben. Ähnlich Positives berichtete Günter Brandt, Vorsitzender des Verbandes der Spreewaldfischer Lübbenau und Umgebung: „Durch den Einbau von regulierbaren Stauköpfen wurde am Graben Groß Japan ein neues Laichgebiet für die Quappe geschaffen.“ Er selbst, so Görtz, habe dort bereits die ersten Quappen gesichtet, sagte der Lehd'sche. Das ist auch das Ergebnis der bisherigen Arbeit des Gewässerrandstreifenprojektes. Doch nicht nur der Spreewälder Leitfisch stand im Mittelpunkt des Treffens. Mit der Karausche wurde den Anwesenden ein Fisch vorgestellt, der aufgrund starker Rückgänge in den deutschen Gewässern bereits auf der Roten Liste steht.
„Die Karausche liebt stehende oder langsam strömende Gewässer, auch stark bewachsene Seen, Weiher, Teiche und Dorftümpel“, erklärte Biologe Frank Fredrich. Auch im Bereich der Krummen Spree zwischen dem Neuendorfer See und dem Schwielochsee wurde die Karausche registriert. Rettung für Krumme Spree Um den ökologischen Zustand des Gewässers zu verbessern, soll in den kommenden Jahren ein Entwicklungskonzept umgesetzt werden. Denn durch den Ausbau der Spree von Leibsch in Richtung Berlin vor etwa hundert Jahren waren das Flussbett begradigt und verbreitert, die Ufer befestigt und Staustufen eingebaut worden. Dadurch wurden Altarme, Lachen und Wasserlöcher von der Spree abgeschnitten. Auengewässer gingen verloren und Feuchtbiotope trockneten aus. Die Grüne Flussjungfer und die Kleine Flussmuschel seien in diesem Bereich bereits ausgestorben.
„Wir wollen wieder Altarme anschließen, Ufer entfesseln und die Gewässerunterhaltung modifizieren, damit Fische und Wirbellose einen besseren Lebensraum erhalten“, sagte Isabell Hiekel vom Landesumweltamt. Streitpunkt Kormoran Dafür müsse es auch bauliche Veränderungen an den Fischaufstiegen geben. Das haben Strömungsmessungen am Nadelwehr Alt Schadow und am Unteren Puhlstromwehr bei Groß Wasserburg ergeben, informierten Diplomingenieur Dennis Gräwe und Fischer Wolfgang Richter aus Alt Schadow. Die hydrologischen Grenzwerte werden überschritten, so dass Fische kaum in der Lage sind, die Staustufen zu passieren. Dass Fischer und Umweltschützer auch gegenteiliger Auffassung sein können, machte der kurze Meinungsstreit um den Kormoran, den Vogel des Jahres 2010, deutlich.
Denn nach Aussagen von Fischern richte der Vogel erheblichen Schaden an – auch im Spreewald und zunehmend bei den Quappenbeständen (die RUNDSCHAU berichtete). Die beiden Parteien einigten sich gleich zu Beginn der Veranstaltung, sich mit dem strittigen Thema an anderer Stelle auseinanderzusetzen. „Wir werden in Kürze eine Beratung zu diesem brisanten Thema durchführen“, versicherte Isabell Hiekel vom Landesumweltamt. Von Bernd Marx
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