12. März 2010, 00:00 Uhr

Als der Schwielochsee das Tor zur Welt für Cottbus und den Spreewald war

Hobbyforscher Horst Lindner befasst sich mit der Geschichte von Warentransporten aus der Region

Cottbus Während heute Lastkraftwagen über die Autobahnen fahren, übernahmen bis zum Jahr 1880 Kaffenkähne ihre Funktion: Sie transportierten auf der Spree Güter für Kaufleute aus Cottbus, Peitz, dem Spreewald und anderen Gegenden der Niederlausitz. Der Hobbyforscher Horst Lindner hat so viel Material über die historischen Schiffe zusammengetragen, dass es für einen anschaulichen Vortrag reicht, den er vor den Gästen vom „Arbeitskreis Ludwig Leichhardt“ hielt.

Ein Kaffenkahn auf einem Bild des Malers Carl Schuch.
Horst Lindner, selbst ein begeisterter Wassersportler, knöpfte sich für seine Forschung Dokumente zur Landschaft am Schwielochsee vor. „Über mehrere Jahrhunderte lag der Umschlagplatz der Cottbuser Kaufleute am südlichen Ufer des Sees“, berichtet er. „Goyatz als Tor zum Wasser war auf dem Weg über die Spree schließlich offen für alle Weltmeere.“

300 Kähne im Goyatzer Hafen

Und so suchten sich die Besatzungen von Kaffenkähnen, Booten aus Holz mit Ruder, kleiner Kajüte und Podest für den Steuermann, ihre Bahn zum Transport von Waren. Ingrid Klauka, die Leiterin des Arbeitskreises, erläutert: „Der junge Leichhardt erlebte damals mit, wie sein Vater, der als Königlicher Torfmeister tätig war, solche Kaffenkähne mit Torf und Holz belud und die Ware nach Potsdam und Berlin verschiffte.“ Das Schiffsende, aus hochgezogenen Bodenplanken gefertigt und als Kaffe bezeichnet, gab den Booten schließlich auch ihren Namen. Bis zu 300 solcher Kähne liefen nach Auskunft des Arbeitskreises jährlich den Goyatzer Hafen an.

Dampfer überholt

Der Heimatforscher Horst Lindner hat unter anderem Bilder aufgestöbert, die Kaffenkähne am Berliner Schloss und auf der Elbe in Dresden zeigen. „Der Kaffenkahn als Transportmittel war damals vielleicht so repräsentativ wie heute ein Mercedes“, bemerkt Lindner – nur halb im Scherz. „Es existieren Aussagen, wonach diese Kähne sogar so schnell unterwegs sein konnten, dass sie manchen Dampfer überholten.“

Horst Lindner.
Einen dieser Kähne hob der Deutsche Unterwasser Club im Jahr 1987 aus der Havel bei Potsdam: Das Boot war in der Zeit um 1855 nach Aussagen damaliger Zeitzeugen bei Sturm und Wellen gesunken. „Heute weiß man, dass der Kahn damals 20 000 Dachziegel geladen hatte“, sagt Horst Lindner.  „Das war wohl zu viel für ihn.“ Heute hat dieser Kaffenkahn seine Heimstatt im Deutschen Technikmuseum in Berlin, für das er restauriert wurde.

Schönste Freude

Auch wenn es in der Geschichte der Kaffenkähne zum einen oder anderen Unglück kam, ist ein nostalgischer Leitspruch der einstigen Lastensegler überliefert, der wohl aus dem Jahr 1920 stammt: „Segeln war die schönste Freude, die wir hatten.“
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 12. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 12. März 2010, 11:14 Uhr
Autor: rw

rw

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren