85 Paare ziehen bei der 135. Fastnacht durch Neu Zauche
Neu Zauche Fünf Tage lang haben die Neu Zaucher ihre traditionelle Fastnacht gefeiert. Sie fand in diesem Jahr zum 135. Mal statt und hielt zu ihrem Jubiläum einige Besonderheiten parat. Höhepunkt der Festlichkeiten war der traditionelle Trachtenumzug, an dem in diesem Jahr nicht nur die jugendlichen Neu Zaucher teilnahmen.
08.02.2010
Zum völligen Stillstand kam der Verkehr in Neu Zauche, als der Zug der 85 Paare in Trachten fröhlich winkend die Hauptstraße entlang marschierte. Fotos/2: Ilja Melcher
Während normalerweise nur die Jugend – also jene, die bereits Jugendweihe oder Konfirmation hatten und noch nicht verheiratet sind – bei dem Umzug dabei sind, „darf zu den Jubiläen auch die ,Altjugend' teilnehmen“, erklärte Organisationschef Guido Hahn. Da ließ es sich die elterliche und sogar die großelterliche Generation nicht nehmen, sich noch einmal in Tracht und Anzug zu werfen und mit durchs Dorf zu marschieren. Insgesamt 85 Paare – 19 Jugend- und 66 „Altjugend“-Paare – versammelten sich am Samstagnachmittag vor dem Gasthaus „Zum Oberspreewald“.
Warmtanzen am Brunnen
Während die einen bereits zum Gruppenfoto aufgerufen und postiert wurden, tanzten sich andere am Brunnenplatz warm. Dabei sahen die Zuschauer bereits die Röcke und sogar Hüte fliegen. „Wir waren schon mal hier in Neu Zauche und haben uns den Umzug angeschaut“, berichtete Besucherin Birgit Paulick. „Bisher haben wir aber nur die jungen Paare gesehen“, ergänzte ihr Mann Gerd, der erstaunt war von der „unzähligen Masse an Teilnehmern“ in diesem Jahr. „Wir sind große Freunde solcher traditionellen Veranstaltungen“, verriet der Dürrenhofer, den es zum Schauen nach Neu Zauche lockte.
Alle fünf Jahre vereint die Neu Zaucher Fastnacht die Generationen. Hier die ältesten und die jüngsten Teilnehmer: Christa Mietke, 72 Jahre, war schon mehr als 50 Mal dabei, Maria Krautz, Fritzi Jank, Monique Kuschka, Waltraut Steg, Anne Christin und Wera Kunze (von links).
Mit Enthusiasmus und guter Laune zogen die 85 Paare durch den Ort. Der mehr als 100 Meter lange Tross brachte Autofahrer zum Anhalten und lockte die Neu Zaucher aus ihren Häusern. Irene Lehmann, Eva Finger und Elli Schulz konnten es kaum erwarten, bis die Trachtenpaare auch bei ihnen vorbeizogen. „Meine Nichte nimmt an dem Umzug teil“, erzählte Irene Lehmann. „Hier im Ort hat fast jeder eine Tracht. Meist werden die von Generation zu Generation gegeben. Wir haben ja schließlich auch alle mal bei der Fastnacht mitgemacht“, erläuterte sie. „Die Tracht, mit der ich früher zum Umzug gegangen bin“, warf Eva Finger ein, habe jetzt ihre Enkelin. „Und meinen Rock, den hat schon meine Oma getragen. Der ist 100 Jahre alt“, fügte Elli Schulz an.
Auch Arbeitstrachten dabei
Neben den traditionell weißen Neu Zaucher Trachten mit den für den Ort typischen Stickereien fielen auch andere Gewänder auf. Die älteren Damen auf dem Kremserwagen, der hinter der Fastnachtsgemeinde fuhr, waren „in alter Arbeitstracht“ gekleidet, wie Christa Mietk erklärte. Sie nehme am Umzug teil, um die Tradition zu würdigen. „Ich habe bisher alle Umzüge mitgemacht.“
In ihrer Jugend sei sie jedes Jahr dabei gewesen, später alle fünf Jahre zu den Jubiläumsfastnachten. „So lange ich noch kann“, kündigte die 71-Jährige an, „werde ich mich weiterhin an der Tradition beteiligen.“ Sie bedauere es, dass es von Jahr zu Jahr weniger Trachtenpaare würden, sei aber dennoch „sehr froh und auch stolz“, dass die Jugend versuche, die Neu Zaucher Bräuche aufrecht zu halten. „So lange engagierte junge Leute wie Guido Hahn die Fastnacht in die Hand nehmen“, sagte Christa Mietk, „habe ich keine Bedenken. Hoffentlich wird es so weitergeführt, wie er das macht.“
Bevor der Fastnachtstross die Runde durchs Dorf mit dem Einmarsch am Startpunkt, dem Gasthaus „Zum Oberspreewald“, beendete, wurde Halt an der alten Schule und am Spreewaldbahnhof gemacht. Dort teilte sich der Tross für kurze Zeit. „Normalerweise gehen wir ins Gasthaus ,Zur Spreewaldbahn'“, erklärte Guido Hahn. „In diesem Jahr passen nicht alle hinein. Deshalb hat uns die Gärtnerei Staritz freundlicherweise ihre Gewächshäuser zur Verfügung gestellt.“ Dort tanzte die „Altjugend“ ausgelassen und zeigte, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehört. „Noch können wir mit den jungen Leuten mithalten“, so Helga Denner.
„Das ist Neu Zaucher Fastnacht“, deutete Dieter Herschke auf die tanzende und feiernde Menge, „traditionell, wie es sie nirgendwo anders gibt.“ Er finde es schade, „dass es nur alle fünf Jahre so groß gemacht wird“, sagte der Neu Zaucher.
Während der fünftägigen Fastnacht durften die Jungen „nicht ein Mal den Hut absetzen“, erklärte Guido Hahn. Er war am Mittwoch aufgesetzt worden „und wird erst am Sonntag abgenommen.“
Symbolisch hat die Jugend schon vorher „den Hut auf“. „Wir organisieren die gesamte Veranstaltung, kümmern uns um Sponsoren und Finanzen“, erklärte Hahn. „In diesem Jahr haben wir Unterstützung von der ,Altjugend' bekommen“, denn zu den Jubiläen werde ein Festkomitee gegründet.
Von Andreas Zöllner
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