16. April 2009, 00:00 Uhr
Vattenfall plant neue Windräder vor den Toren Luckaus
Eigentümergespräche am heutigen Abend im Ratskeller
Luckau
Luckau will gegen den geplanten Bau von Windrädern entlang der B 87 aus Duben bis vor Karche-Zaacko gerichtlich vorgehen. „Während eines Telefonats am 31.
März habe ich vom Projektbetreiber Ökotec erfahren, dass die Vattenfall Europe New Energy GmbH plant, angrenzend an das Gebiet Dubener Platte in Richtung Luckau neue Windräder zu bauen“, so Bürgermeister Harry Müller (parteilos). Bereits während dieses Gesprächs habe er erklärt, dass sich Luckau nicht kooperativ verhalten werde.
In einem Brief, den Müller am Dienstag erhielt, teilte Vattenfall New Energy (VEN) Details mit. Müller ist, wie er sagt, über die Vorgehensweise „fuchsteufelswild und verbittert“. Die Ideologie, in Brandenburg zur alternativen Stromerzeugung auf Windkraft zu setzen, opfere Siedlungsräume, so der Bürgermeister. VEN plane, zwölf bis 15 Windräder zu errichten mit einer Leistung von bis zu 2,5 Megawatt, geht aus dem Brief hervor. Die Entfernung zu Karche-Zaacko solle 1500 Meter, die zu Luckau 3500 Meter betragen. Die Stadt soll gelockt werden mit jährlichen Gewerbesteuereinnahmen von mehr als 100 000 Euro und zuzüglich Ausgleichszahlungen für die Nutzung stadteigener Wirtschaftswege.
Den Grund für den VEN-Vorstoß sieht Müller der Tatsache geschuldet, dass sich die Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald und die Landesplanung darauf geeinigt hätten, für Windkraftanlagen keine neuen Standorte zu erschließen, sondern vorhandene auszubauen. „Luckau wird doppelt erwischt durch die Grenzlage zu Teltow-Fläming“, so Müller.
Mit dem so genannten Suchraumverfahren im Auftrag von VEN nach einer Baustelle sei der Anschein erweckt worden, das Unternehmen betreibe dies nach objektiven Kriterien, erklärt Müller weiter. „Im Grunde kommen bei diesem Verfahren aber Menschen und ihre Siedlungen nicht vor. Bäumen und Tieren wird mehr Beachtung geschenkt als Städten und Dörfern“, sagt er. Müller zitiert aus dem Brief, wonach sich für VEN „ein Bereich in Ortsteilen der Stadt Luckau als prinzipiell geeignet für die Errichtung von Windenergieanlagen herausstellt“. Für Müller ist die Stadtsilhouette aber bereits so „verspargelt“, dass es für die historische Altstadt das Erträgliche weit übersteigt. Von jeder Zufahrtstraße würden Einwohner oder Besucher durch die blinkenden Windräder begrüßt. Das sei auch für die Denkmalschutzbehörden ein Grund zu einem Vor-Ort-Termin Ende April.
Mit dem Bau von neuen Windrädern auf der Dubener Platte (W 13-Gebiet) rechnet Müller zum Ende des Jahres. „Wir haben das einvernehmlich geklärt und uns auf 19 Windräder eingelassen. Mehr geht aber nicht.“
Am heutigen Donnerstag findet im Luckauer Ratskeller eine Zusammenkunft mit Vertretern von Ökotec und Landeigentümern statt. Wie aus dem Brief an den Bürgermeister hervorgeht, will VEN über ihr Pachtmodell informieren. Demnach ist geplant, dass alle Flächeneigentümer innerhalb des Windparks vom Neubau profitieren und nicht nur die, auf deren Grund eine Anlage gebaut werden soll. Abhängig von den Energieerträgen erhielten alle Eigentümer eine Mindestpachtsumme garantiert. „Geld spielt für die Menschen hier eine wichtige Rolle. Sie sollten aber bedenken, dass mit dem Bau von weiteren Winkraftanlagen beispielsweise in Karche-Zaacko und Cahnsdorf die ohnehin nicht üppigen Grundstückspreise weiter fallen werden“, so Müller.
Gabriele Bernhardt
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