15. März 2010, 00:00 Uhr

Säge und Schere für viel Obst

Kleingärtner informieren sich in Luckau über richtigen Obstbaumschnitt

Luckau Wie Kleingärtner mit Säge und Schere für reichen Ertrag an ihren Obstbäumen sorgen, das ist während eines Seminars des Kreisverbandes der Garten- und Siedlerfreunde Dahme-Spreewald am Sonnabend in Luckau erläutert worden.

„Die Süßkirsche wird erst nach der Ernte geschnitten. Dann heilt der Baum von selbst zu. Jetzt würde er zu harzen beginnen, was die Gesundheit des Holzes beeinträchtigt“, sagt Günter Steinkampf. Mit dieser Information sorgt er bei einigen der 30 Gartenfreunde für einen Aha-Effekt.

Alte Bäume fürs Seminar

Der Gartenfachberater des Kreisverbandes der Garten- und Siedlerfreunde Dahme-Spreewald gibt seine Fachkenntnisse am Samstag in der Anlage des Luckauer Kleingartenvereins „Zur Erholung“ weiter. Der alte Obstbaumbestand im Garten von Karl-Heinz Wechsung dient als praktisches Beispiel, wie ein Obstbaumschnitt richtig durchgeführt wird. Gezielt schneidet Steinkampf mit einer kleinen Astschere überflüssige Äste am Apfelbaum ab und erläutert dabei, weshalb er gerade diese ausgewählt hat. „Lassen Sie auch Peitschen stehen, sie sollten im Winkel von 45 Grad oder in der Waagerechten stehen, dann bildet der Baum bestes Fruchtholz aus“, erklärt der Baumschnittexperte.

„Was mache ich bei meinem Pflaumenbaum, der unten am Stamm ganz viele neue Äste austreibt?“, will einer der Zuhörer wissen. Aufgraben und nach der Stelle an der Wurzel suchen, wo sie austreiben, lautet die fachmännische Antwort. Dass an alten Obstbäumen durchaus auch armstarke Äste abgesägt werden können, erfahren die Gartenfreunde gleichfalls an diesem Vormittag. „Sägen Sie immer schräg, damit das Wasser ablaufen kann“, gibt er einen wichtigen Hinweis und schiebt noch einen Trick nach: „Die Rinde an der Schnittstelle schälen Sie etwa einen Zentimeter breit ab, dann bildet der Baum die Wulst nicht auf der Schnittstelle aus, sondern darunter.“ Damit könne das Wasser weiterhin ablaufen und es bildeten sich keine Eintrittspforten für Krankheitserreger. Wo dies bereits geschehen sei, werde die Rinde vorsichtig abgeschält und mit Latex-Bindemittel bestrichen. Das praktiziert er auch auf den frisch abgesägten Astenden sowie in den Astgabeln am Stamm.

Für den Schutz der Stämme gegen ein Aufreißen bei Frost verwende er ebenso eine Mischung aus Kalkfarbe und Latex-Bindemittel, erläutert Günter Steinkampf. Die weiße Farbe reflektiere das Sonnenlicht, damit heize sich die von der Sonne beschienene Seite des Stammes bei Frost nicht so auf und die Rinde reiße nicht, begründet er. Zudem würden Schädlinge abgetötet. Leimringe müssten bereits vor dem ersten Frost am Stamm angebracht werden, damit die Schädlinge gar nicht erst auf den Baum gelangten, um dort zu überwintern, ergänzt der Fachmann.

Dieter Lungwitz aus Uckro ist schon ein „alter Hase“, was das Gärtnern betrifft. „Doch ich habe gestaunt, dass er die Pflaume so radikal herunter geschnitten hat. Da muss ich bei meinem Baum noch ganz schön was herausschneiden“, stellt er fest. Sein Gartennachbar Detlef Babing weiß jetzt, dass die Kirsche erst nach der Ernte geschnitten wird. „Das war neu für mich.“ Gisela Seefeldt aus Walddrehna wollte erfahren, wann und wie sie ihren alten Obstbaumbestand am besten schneiden kann „damit die Bäume noch gut aussehen und man auch noch ernten kann, weil man den Fruchtansatz stehen lässt“, wie sie sagt.

Erziehungsschnitt

Zum Erziehungsschnitt bei jungen Bäumen sowie dem richtigen Verschneiden von Beerensträuchern erhalten die Gartenfreunde gleichfalls viele nützliche Tipps.

Christian Knopf und Ivonne Koslowski haben ihren Garten seit vier Jahren in der Luckauer Anlage und wollen in diesem Jahr junge Obstbäume pflanzen. „Deshalb hat uns der Erziehungsschnitt besonderes interessiert. Denn wir wollen von Anfang an alles richtig machen“, sagen die zwei Cahnsdorfer. In der Gemeinschaft der Gartenfreunde fühlten sie sich wohl. „Hier ist es sehr familiär“, so Ivonne Koslowski. Christian Knopf nimmt zudem die Erkenntnis mit, dass seine Astschere eine Ambusschere ist, die sich für das Schneiden der Obstgehölze nicht eignet. „Sie quetscht die Äste und schneidet sie nicht“, sagt der Gärtner.

Zum Thema

Zum Kreisverband der Garten- und Siedlerfreunde Dahme-Spreewald gehören nach eigenen Angaben rund 1200 Kleingärten in 19 Vereinen.
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Erstellt am: 15. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 15. März 2010, 09:28 Uhr
Autor: Von Birgit Keilbach

Von Birgit Keilbach

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