13. März 2010, 00:00 Uhr

Luckauer kocht China-Medizin

Frank Junge brutzelt seit 30 Jahren in Thüringen / Rückkehr nicht ausgeschlossen

Luckau Nur vier Mal pro Jahr schafft es Frank Junge, seine Heimatstadt Luckau zu besuchen. Vor 30 Jahren hat er der Berstestadt den Rücken gekehrt, um im damaligen Oberhofer Interhotel „Panorama“ seine Ausbildung als Koch anzutreten. Mittlerweile ist der Luckauer Mitinhaber eines Kurhotels im thüringischen Masserberg. Dort hat er auch seine Leidenschaft für die chinesische Medizin entdeckt.

Der Luckauer Frank Junge ist Koch aus Leidenschaft. Foto: ehrlichbild.com Foto: ehrlichbild.com
„In der achten Klasse war ich als einziger Junge in der Arbeitsgemeinschaft Kochen und Backen“, erinnert sich der 45-jährige Frank Junge an seine Schulzeit an der Kurt-Pchalek-Oberschule, der heutigen Oberschule „An der Schanze“. Ihm sei immer klar gewesen, „dass ich in meinem Traumberuf Koch arbeiten muss“, so Junge. „Nach meinem Schulabschluss war in der näheren Region nur eine Kochstelle im früheren Senftenberger Braunkohlekombinat frei“, blickt Frank Junge zurück. Deshalb habe sich der Luckauer in der ganzen DDR beworben.

Nur selten in der Heimat

„Oberhof war für mich ziemlich weit weg von meinem Elternhaus, aber wichtig für meine Karriere“, schätzt Junge die schließlich gefundene Stelle im „Panorama“ ein.  Durch zahlreiche DDR-Sportveranstaltungen wie die Rennrodel-Weltmeisterschaft im Jahr 1985 habe er dort viele Kulturen und Speisen kennengelernt.

Schon damals sei es für den Koch schwer gewesen, seine Eltern in der Luckauer Heimat zu besuchen. „Mit dem Zug habe ich mehr als fünf Stunden für eine Strecke gebraucht, das hat sich für ein Wochenende nicht gelohnt“, so Junge. Nach dem Mauerfall sei die Verbindung zwar schneller geworden, doch für Reisen in die Heimat lasse der Job ihm kaum Zeit.

„Ich konnte 1995 in einem neu erbauten Hotel in Masserberg als Küchenchef anfangen“, blickt Frank Junge zurück. Seit der Geschäftsaufgabe des Vorbesitzers im Jahr 2005 „wurden in dem neuen Geschäftsführer und mir die Überlegungen immer lauter, gemeinsam eine GmbH zu gründen“. Seit 2007 sei Junge nun Teilhaber des heutigen Kurhotels, in dem es nicht nur thüringische Hausmannskost zu erleben gibt, wie er erklärt.

Irgendwann in dieser Zeit hat sich der  Koch von fernöstlichen Kochweisheiten inspirieren lassen. „Nach einem dreitägigen Seminar in Frankfurt/Main wurde meine Neugier geweckt“, erinnert sich Frank Junge. Eine dreijährige Ausbildung, „ausschließlich mit Ärzten“, wie Junge sagt, schloss sich an. Seither darf er sich mit einem Zertifikat schmücken, das ihn als Ernährungsberater in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) ausweist. „Ich bin seither überzeugt, dass diese Ernährungslehre gegen jedes Leiden helfen kann“, sagt er.

Das Konzept gehe jedenfalls auf. „Pro Woche betreue ich neben der Laufkundschaft 15 Kurpatienten, bin von sieben bis 21 Uhr für sie da“, erzählt Junge. Regelmäßige Messebesuche stünden ebenso auf seinem Programm. Nur in Sachsen würde der Ernährungsprofi einen weiteren TCM-Experten in den neuen Ländern kennen.

„Vergessen Sie ruhig ihren Body-Mass-Index“, rät der selbsterklärte Gegner klassischer Diäten den Luckauern.  „Essen Sie das, was gerade in Ihrem Garten wächst.“ Gerade im Winter sollte nicht auf das Südobst- und -gemüse und zu viele Milchprodukte zurückgegriffen werden. „Zu viel davon kühlt den Körper aus“, beschreibt der Koch die in der TCM genannte „Yin-Fülle“.

Gesundes aus dem Garten

Klassische alte Lebensmittel aus dem Garten seien der Schlüssel zu einer gesunden Lebensweise, sagt er und verweist als Beispiel auf Staudensellerie, Kohl und Mohrrüben. Durch das „Yang“ darin erwärme sich der Körper. „Zu Ostzeiten haben wir gesünder gelebt, weil mehr aus eigenem Anbau gegessen wurde“, sagt der 45-Jährige. Eine richtige Mahlzeit bestehe aus den fünf Geschmacksrichtungen süß, sauer, scharf, bitter und salzig, ergänzt er. Diese müssten nicht jeweils zu schmecken sein, „aber so haben alle Organe was zu tun.“

Vielleicht werde der Koch diese Weisheiten auch den Luckauern einmal nahe bringen können.  „Ich liebäugle schon ab und zu mit einer Rückkehr in die alte Heimat“, erzählt der Ernährungsspezialist. „Mein thüringischer Mitinhaber wird in einigen Jahren in Rente gehen und das wachsende Seenland in meiner brandenburgischen Heimat wirkt immer anziehender auf mich“, erläutert er.
Extras zum Artikel
Schlagworte zum Artikel:
Artikel Teilen:
Artikel-Aktualisierungen:

Erstellt am: 13. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 13. März 2010, 12:54 Uhr
Autor: Von Henry Blumroth

Von Henry Blumroth

Jüngste Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden
Kommentar hinzufügen

Noch kein Passwort? Hier registrieren