Luckauer kocht China-Medizin
Frank Junge brutzelt seit 30 Jahren in Thüringen / Rückkehr nicht ausgeschlossen
Luckau Nur vier Mal pro Jahr schafft es Frank Junge, seine Heimatstadt Luckau zu besuchen. Vor 30 Jahren hat er der Berstestadt den Rücken gekehrt, um im damaligen Oberhofer Interhotel „Panorama“ seine Ausbildung als Koch anzutreten. Mittlerweile ist der Luckauer Mitinhaber eines Kurhotels im thüringischen Masserberg. Dort hat er auch seine Leidenschaft für die chinesische Medizin entdeckt.
Schon damals sei es für den Koch schwer gewesen, seine Eltern in der Luckauer Heimat zu besuchen. „Mit dem Zug habe ich mehr als fünf Stunden für eine Strecke gebraucht, das hat sich für ein Wochenende nicht gelohnt“, so Junge. Nach dem Mauerfall sei die Verbindung zwar schneller geworden, doch für Reisen in die Heimat lasse der Job ihm kaum Zeit. „Ich konnte 1995 in einem neu erbauten Hotel in Masserberg als Küchenchef anfangen“, blickt Frank Junge zurück. Seit der Geschäftsaufgabe des Vorbesitzers im Jahr 2005 „wurden in dem neuen Geschäftsführer und mir die Überlegungen immer lauter, gemeinsam eine GmbH zu gründen“. Seit 2007 sei Junge nun Teilhaber des heutigen Kurhotels, in dem es nicht nur thüringische Hausmannskost zu erleben gibt, wie er erklärt. Irgendwann in dieser Zeit hat sich der Koch von fernöstlichen Kochweisheiten inspirieren lassen. „Nach einem dreitägigen Seminar in Frankfurt/Main wurde meine Neugier geweckt“, erinnert sich Frank Junge. Eine dreijährige Ausbildung, „ausschließlich mit Ärzten“, wie Junge sagt, schloss sich an. Seither darf er sich mit einem Zertifikat schmücken, das ihn als Ernährungsberater in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) ausweist. „Ich bin seither überzeugt, dass diese Ernährungslehre gegen jedes Leiden helfen kann“, sagt er.
Das Konzept gehe jedenfalls auf. „Pro Woche betreue ich neben der Laufkundschaft 15 Kurpatienten, bin von sieben bis 21 Uhr für sie da“, erzählt Junge. Regelmäßige Messebesuche stünden ebenso auf seinem Programm. Nur in Sachsen würde der Ernährungsprofi einen weiteren TCM-Experten in den neuen Ländern kennen. „Vergessen Sie ruhig ihren Body-Mass-Index“, rät der selbsterklärte Gegner klassischer Diäten den Luckauern. „Essen Sie das, was gerade in Ihrem Garten wächst.“ Gerade im Winter sollte nicht auf das Südobst- und -gemüse und zu viele Milchprodukte zurückgegriffen werden. „Zu viel davon kühlt den Körper aus“, beschreibt der Koch die in der TCM genannte „Yin-Fülle“. Gesundes aus dem Garten Klassische alte Lebensmittel aus dem Garten seien der Schlüssel zu einer gesunden Lebensweise, sagt er und verweist als Beispiel auf Staudensellerie, Kohl und Mohrrüben. Durch das „Yang“ darin erwärme sich der Körper. „Zu Ostzeiten haben wir gesünder gelebt, weil mehr aus eigenem Anbau gegessen wurde“, sagt der 45-Jährige. Eine richtige Mahlzeit bestehe aus den fünf Geschmacksrichtungen süß, sauer, scharf, bitter und salzig, ergänzt er. Diese müssten nicht jeweils zu schmecken sein, „aber so haben alle Organe was zu tun.“ Vielleicht werde der Koch diese Weisheiten auch den Luckauern einmal nahe bringen können. „Ich liebäugle schon ab und zu mit einer Rückkehr in die alte Heimat“, erzählt der Ernährungsspezialist. „Mein thüringischer Mitinhaber wird in einigen Jahren in Rente gehen und das wachsende Seenland in meiner brandenburgischen Heimat wirkt immer anziehender auf mich“, erläutert er.
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Erstellt am: 13. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 13. März 2010, 12:54 Uhr
Autor: Von Henry Blumroth

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