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Luckau/Dahme

Golßener Wehren analysiert

Eine Gefahren- und Risikoanalyse beschreibt die Situation der Feuerwehren im Amt Golßener Land. Erarbeitet hat das Dokument der ehemalige Kreisbrandmeister Gerhard Grün aus Glienig, der sich ehrenamtlich als Sicherheitsfachmann engagiert. Die Analyse sowie einen Bedarfsplan für die Gefahrenabwehr hat der Glieniger dem Golßener Amtsausschuss vorgestellt.

19.05.2006
Analyse und Plan hatte das Bundesinnenministerium seit einigen Jahren gefordert. „Ich bin froh, dass Gerhard Grün sein fundiertes Fachwissen eingebracht hat“, sagt Amtsdirektorin Ursula Schadow (CDU). Grün hat etwa auf veraltete Technik, mangelnde Ausrüstung und Ausbildung sowie fehlendes Personal bei den Feuerwehren hingewiesen. Vor allem am Tage sei die Einsatzbereitschaft kaum noch zu gewährleisten. Deshalb sei eine enge Zusammenarbeit der Wehren unerlässlich. Das allerdings brauche nach Ansicht Grüns noch viel Überzeugungsarbeit: „Noch zu oft dominiert das Motto: mein Feuer, dein Feuer.“
Der Amtsausschussvorsitzende Hartmut Laubisch (SPD) sieht fehlende Kooperationsbereitschaft von Wehren ebenfalls als Problem: „Über Altgolßen und Golßen reden wir seit Jahren, verändert hat sich bisher nichts.“ In anderen Orten dagegen klappt das Miteinander offensichtlich: „Kasel-Golzig und Zützen arbeiten prima zusammen, da stimmt die Chemie“, sagt Ordnungsamtschef Wolfgang Schulz. Eine solche Kooperation könne er sich auch zwischen Sellendorf und Glienig vorstellen sowie zwischen Drahnsdorf, Krossen und Jetsch.
„Keine Wehr kann mehr allein zu Einsätzen fahren, weil einfach Personal fehlt“, so Schulz. Deshalb sollten die vier Stützpunktwehren in Golßen, Kasel-Golzig, Glienig und Drahnsdorf weiter gestärkt werden. Sellendorf solle als fünfte starke Säule hinzukommen, weil in dem Bereich laut Schulz „ein weißer Fleck ist“.
Gerhard Grün verweist darauf, dass Altgolßen und Mahlsdorf im Ernstfall nicht in angemessener Zeit zu erreichen seien, weil die Einsatzkräfte aus Richtung Golßen bis maximal 15 Minuten an den Schranken stehen müssten. Grün würde deshalb die benachbarte Baruther Wehr im Teltow-Fläming-Kreis in die Ausrückeordnung einbeziehen und Sellendorf mit einem leistungsstarken Fahrzeug ausstatten.

Wehr-Mitarbeit am Arbeitsort
„Wir sollten dabei auch über kleinere Löschfahrzeuge nachdenken“, sagt Steinreichs Bürgermeister Wolfgang Luplow. Er regte auch an zu prüfen, ob die Männer der Golßener Amtsverwaltung in den Einsatzplan integriert werden können. „In anderen Orten ist das schon lange so.“ Damit soll notwendiges Personal gesichert werden. Grün sieht das ähnlich und schlägt vor, „Kameraden dort einzubeziehen, wo sie arbeiten, etwa einen Sellendorfer Feuerwehrmann in Golßen, weil er im dortigen Spreewaldhof tätig ist“.
Der Sicherheitsfachmann hält es zudem für erforderlich, „bei Arbeitgebern um Verständnis für die Feuerwehr zu werben“. Dem Amtsausschuss empfiehlt er, sich „dringend um neue Fahrzeuge und zusätzliche Ausrüstung zu bemühen“. Nach Ansicht Ursula Schadows sei das nur über eine Prioritätenliste zu realisieren. „Außerdem nutzt die beste Technik nichts, wenn sie niemand bedienen kann“, sagt die Verwaltungschefin. Damit kritisiert sie wie Amtsbrandmeister Frank Radke fehlende Bereitschaft zur Ausbildung. „Wir haben zu viele Wehren, die nur für die Ausscheide üben, nicht aber für ernste Einsätze“, sagt Schadow.

Keine großen Ausgaben für Kleine
Wolfgang Luplow erklärt: «Wem es nur um den Pflege von Traditionen geht, der sollte einen Verein gründen.» Amtsbrandmeister Radke würde «kleine Wehren keinesfalls mehr mit teurer Kleidung ausstatten – die liegt dort nur rum» . Allerdings habe er festgestellt, dass junge Leute sehr wohl an der Feuerwehr interessiert seien und auch keine Berührungsängste über Dorfgrenzen hinweg hätten.
Amtsbrandmeister und Ordnungsamtschef sollen der Verwaltung jetzt einen Plan vorlegen, damit Maßnahmen finanziell untersetzt werden können. Golßens Finanzchefin Sigrid Schliebner hat für dringende Aufgaben 60 000 Euro noch für dieses Jahr zugesichert. Demnächst will sich der Amtsausschuss die Gerätehäuser im Amtsgebiet ansehen. Risikoanalyse und Gefahrenabwehrbedarfsplan sollen fortgeschrieben werden.
Von Andreas Staindl
 
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