Ex-Zuhälter liest in der JVA Luckau-Duben
Buch beschreibt Andreas Marquardts Weg aus der Gewalt
Luckau Andreas Marquardt war nach eigener Aussage einer der gefährlichsten Zuhälter Berlins. Er hat Leute geschlagen, Geld eingetrieben, Frauen auf den Strich geschickt. Acht Jahre habe er in den 1990er-Jahren im Knast in Berlin-Tegel gesessen und dort beschlossen, sein Leben zu ändern. Über seinen Weg aus der Gewalt ist ein Buch entstanden, das er vor Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben vorstellte.
Er redet sehr schnell, ungeschliffen, wirkt autenthisch mit Sätzen wie diesem: „Ich hasse meine Eltern noch heute.“ Den Hass auf seine Mutter hätten die Frauen auf dem Strich abgekriegt, erklärt er. Die Gefangenen in der JVA Luckau-Duben hören ihm aufmerksam zu. Da hat ihnen Jürgen Lemke schon mehrere Seiten aus dem gemeinsamen Buch vorgelesen. „Ich könnte es nicht“, sagt Marquardt, „mir würde die Stimme versagen.“ Die Erklärung liefert der Therapeut während des Vorlesens: Der junge Marquardt erfährt brutale Gewalt im Elternhaus, wird jahrelang vom Vater misshandelt, von der Mutter vergewaltigt. Mit sechs Jahren schwört er sich, nie mehr Prügel zu bekommen. Er trainiert Karate. „Der Kampfsport verschaffte mir Respekt.
Ich war jetzt mittendrin in der Szene: dicker Schlitten, Rolex, teure Klamotten, Geld ohne Ende“, erinnert er sich. Acht Jahre Knast und die Therapiesitzungen mit Jürgen Lemke hätten ihn verändert, sagt Marquardt. „Ich bin endgültig raus aus der Scheinwelt, und will nie mehr dorthin zurück.“ Er habe entdeckt, dass es „einen harten und einen weichen Andy gibt und zudem die Liebe“. Gefangene in Duben zollen ihm Respekt für seine Offenheit. Sie sind aber auch skeptisch angsichts der beschriebenen Wandlung. „Wenn ich es geschafft habe, könnt ihr es auch“, sagt Marquardt. „Selbst die ganz harten Jungs haben doch ein Hirn im Kopf.“ Der Sport habe ihm geholfen, seinen Weg aus der Gewaltspirale durchzuhalten. Heute betreibe er ein Sportstudio in Berlin, trainiere Kinder und Frauen, auch Sicherheitspersonal im Kampfsport.
Der Nachwuchs sei ihm wichtig, „weil es mir als Kind selbst total dreckig ging“. Auch sein Anteil am Buch komme deshalb dem Nachwuchs zugute, ebenso wie Erlöse aus einem geplanten Kinofilm, sagt er. Einer der brutalsten Zuhälter Berlins engagiert sich heute für Kinder. „Therapie macht also Sinn“, sagt Jürgen Lemke. „Jeder kann etwas für sich tun.“
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Erstellt am: 12. Mai 2009, 00:00 Uhr
Geändert am: 12. Mai 2009, 10:56 Uhr
Autor: Von Andreas Staindl

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