13. März 2010, 00:00 Uhr

Erster Fischereitag in Lübben mit großer Resonanz

Erster Fischereitag in Lübben mit großer Resonanz / Naturschützer mit am Tisch

Lübben Zum ersten Fischereitag in Lübben sind am Donnerstag rund 100 Gäste aus dem gesamten Spreewald gekommen. Die große Resonanz steht sinnbildlich für den neuen Zusammenhalt der regionalen Verbände. Jetzt könnten Probleme erstmals für den gesamten Spreewald angegangen werden, betonte Organisator Falkner Schwarz vom Kreisanglerverband Lübben. So wollen die Angler erstmals überhaupt eine Koordinationsstelle für Fischbesatz im gesamten Spreewald einrichten.

Juniorprofessor Dr. Robert Arlinghaus (r.) vom Leibnitz-Institut für Gewässerökonomie und Binnenfischerei sprach in Lübben beim ersten Fischereitag über den unterschätzten Angler sowie über Chancen und Risiken beim Fischbesatz. Foto: Peggy Kompalla Foto: Peggy Kompalla
Denn bislang, so gestehen es die Angler während der Veranstaltung selbst ein, gebe es kaum regelmäßige Kontrollen der Fischbestände, die auch wissenschaftlichen Maßstäben standhalten. Aber das sei eine Voraussetzung, um überhaupt den Erfolg des Fischbesatzes messen zu können, betonte Prof. Dr. Robert Arlinghaus vom Leibnitz-Institut für Gewässerökonomie und Binnenfischerei in Berlin. „Man muss sich messbare Ziele für den Besatz setzten und sie anhand von Fang- und Entnahmestatistiken auch kontrollieren“, sagte der Wissenschaftler. Ohne Kontrolle, so Arlinghaus, sollte auf den Besatz besser verzichtet werden. „Auch ist es manchmal angebracht, zwei oder drei Jahre ganz auf Besatz zu verzichten und dann die Auswirkungen zu überprüfen.“

Lob für Absichten

Die Ausführungen des Experten bestätigten die Bestrebungen der Angler, erklärte Falkner Schwarz.  Eine wissenschaftliche Begleitung der geplanten Koordinationsstelle sei zudem denkbar, erklärte Professor Arlinghaus. Auch bei den Naturschützern kam das gut an, die ausdrücklich zu der Veranstaltung eingeladen waren. So lobte auch Biosphärenleiter Eugen Nowak die vorgetragenen Absichten der Angler und Fischer.

Doch die Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Spreewald ist nicht reibungslos. So monierten die Angler, dass ihre Bemühungen neue Angelstrecken im Spreewald zu erhalten, torpediert werden. Von den 20 eingereichten Vorschlägen für neue Strecken, so Falkner Schwarz, sind den Anglern – nach mehr als einem Jahr Bearbeitungszeit – gerade einmal vier in Aussicht gestellt worden. „Wir sind sauer, dass man so mit uns umspringt, obwohl wir jedes Jahr für die Hege erhebliche Mittel einsetzen“, betonte Schwarz. Dabei hätten die Angler bei ihren Vorschlägen nur solche Zonen in Betracht gezogen, die auch touristisch genutzt werden.  „Wir wissen um die sensiblen Zonen im Spreewald“, erklärte Spreewaldfischer Steffen Goertz. Er kritisierte zudem, dass die Biosphärenverwaltung bei der Auslegung ihrer Verordnung viel mehr auf Verbote als auf Gebote setze.

Streit um Angelstrecken

So sei den Anglern erklärt worden, dass viele ihrer vorgeschlagenen Strecken in Suchgebieten für neue Kernzonen liegen. „Die werden grundsätzlich nicht zum Angeln freigegeben, aber Paddler und Kähne dürfen weiter durchfahren“, so Goertz. „Es ist ein mieses Argument, dass Angler mehr stören als vorbeifahrende Touristen“, bestätigte auch Robin Marschner aus Lübbenau. „Aus meiner Sicht ist eine breite Streuung besser als eine Konzentration auf wenige Strecken, wodurch Biotope mehr gestört werden“, erklärte Dietmar Woidke, SPD-Fraktionschef im Landtag.  Angesichts der verfahrenen Situation, schlug der frühere Agrarminister vor, ein Gespräch mit dem Landesumweltamt und dem Biosphärenreservat zu dem Thema zu organisieren. Fischer und Angler forderten gleichermaßen vom Land Brandenburg Unterstützung beim Schutz der Quappe. Denn die Bestände des Spreewälder Leitfisches sind nach Auskunft von Fischer Wolfgang Richter zunehmend durch den Kormoran gefährdet.

„Wir brauchen finanzielle Unterstützung bei der Wiederansiedlung der Quappe“, sagte Richter und regte an, dafür auch den Naturschutzfonds anzuzapfen, in den Ausgleichszahlungen für Bauprojekte fließen. Die Quappen-Laichgebiete müssten durch die Bejagung des Kormorans geschützt werden. Dazu gehöre auch ein regelmäßiger Eingriff in den Bestand der Kolonie am Alten Wochowsee. „Denn Naturschutz und Fischerei müssen gleich behandelt werden“, betonte Wolfgang Richter.  pk Bereits vor dem Start der Untersuchungsreihe zur Nutzung von Elektromotoren an Spreewaldkähnen hegen die Angler Zweifel an der Transparenz des Verfahrens. So erklärte Falkner Schwarz vom Kreisanglerverband Lübben, dass die Verantwortlichen der Studie „monatelang nicht erreichbar waren“. Auch glaube er nicht, dass sich bislang nur 15 Teilnehmer für die Untersuchung gefunden hätten. „Das sollte überprüft werden“, forderte er. Die Tests müssten für alle Interessengruppen – Angler, Fischer, Kahnfährleute, Jäger, Forstarbeiter und Bauern – jederzeit nachvollziehbar sein.

Schwarz wiederholte seine Auffassung, dass sich der Elektromotor auch ohne staatliche Zwänge im Spreewald durchsetzen würden, sobald sie praktikabel und bezahlbar sind. pk
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Erstellt am: 13. März 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 13. März 2010, 13:05 Uhr
Autor: Von Peggy Kompalla

Von Peggy Kompalla

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